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20.02.2008
Ziehenschüler: Nach 50 Jahren sehen sie sich wieder
Die Ziehenschule in Eschersheim besteht seit 1913. Sie ist schon für mehrere Generationen die „Höhere Schule“ für Jungen und Mädchen aus den nördlichen Vororten Frankfurts.
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20.02.2008

Ziehenschüler: Nach 50 Jahren sehen sie sich wieder

Die Ziehenschule in Eschersheim besteht seit 1913. Sie ist schon für mehrere Generationen die „Höhere Schule“ für Jungen und Mädchen aus den nördlichen Vororten Frankfurts.

Als im Januar 1946 das Schulgebäude von den amerikanischen Behörden wieder für den Unterricht freigegeben wurde, besuchten seitdem viele Jungen und Mädchen aus Heddernheim, der Römerstadt-Siedlung und Praunheim das Realgymnasium und erwarben dort den Abschluss der Mittleren Reife bzw. das Abitur.

Der Heddernheimer Klaus Gülden vom Jahrgang 1941 gehörte zu den Schülern, die hier vor 50 Jahren ihre Mittlere Reife machten. Die Schüler der Klass 10 c werden sich aus diesem Anlass im April 2008 wiedersehen.

Gülden erinnert sich an die Zeit vor über 50 Jahren: „Nachdem ich im Frühjahr 1952 die einwöchige Aufnahmeprüfung für die Ziehenschule bestanden hatte, hatte ich als Heddernheimer Bub dann ab April 1952 einen neuen, längeren Schulweg ins benachbarte Eschersheim. Täglich waren es drei Kilometer: zu Fuß über die Niddabrück’ und zurück. Wenn ich morgens aus dem Elternhaus in Alt-Heddernheim 41 durch das große Hoftor unserer Gaststätte ging, musste ich zuerst an ,Pfarrers Gang’, dem Weg zum zurückliegenden katholischen Pfarrhaus und dem Garagenhof mit dem Wohnhaus der Familie Holl/Gippert, Hausnummer 35, vorbei. Heute steht da ein großes Mehrfamilienwohnhaus. Das Nachbarhaus war das Heim der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Heddernheim; in ihm wohnten drei Familien – jetzt befindet sich dort ein Garagenhof. Das steinerne Haus mit der Nummer 27, das zum gegenüber liegenden Stift gehörte, steht heute noch. Daran schloss sich der Stiftsgarten an, den wir Park nannten und unser Spielplatz war. Dann kam auf dem Weg ein markantes Gebäude, das alte Fachwerkhaus mit der Gastwirtschaft ,Momberger’ und dem Fahrrad-Müller (Nummer 13 und 11). Gegenüber standen die beiden Friseurgeschäfte von Karl Aderhold und Kaspar Ohlenschläger, nebenan der Malermeister Hermann Reuter. Auf dem Weg lag auch die Schuhmacherei von Josef Reith (Nummer 7) durch deren niedrig liegende Fenster die Reperaturarbeiten an den Schuhen zu sehen waren. Nach der Schreinerei Schwing – gegenüber noch die Bäckerei Georg Lades und das Fischgeschäft Schüler im wiederaufgebauten Haus der ehemaligen Gaststätte ,Zum scharfen Eck’, ging es weiter um die Ecke herum zur Heddernheimer Landstraße. Dort gab es den Eis-Becker, der sich aus einer fahrbaren Eisbude entwickelt hatte. Zwei Häuser weiter war die Leihbücherei Reiche und gegenüber das Hotel Strandbad der Familie Fröhlich, die auch das Atrium-Kino betrieb. Es kamen noch Seifeneck-Schwab und ein Wasserhäuschen, das sich später ,Windiges Eck’ nannte und noch heute am selben Platz steht.

Der Weg führte schließlich an den Kleingärten vorbei über die Niddabrücke, dort gegenüber die Esso-Tankstelle von Siegfried Grünebaum. Den Brückengarten hinauf, über die Straßenbahnschienen hinweg an der alten Emmaus-Kirche und dem Jöst-Wasserhäuschen vorbei, über Maybachstraße, Bahnhof Eschersheim mit der Bahnhofgaststätte Rühl, dann über die Eisenbahnbrücke bis hin zum Platz ,Am Weißen Stein’. Hier stand die alten Eschersheimer Volksschule als Teilgebäude der Ludwig-Richter-Schule. In ihren Kellerräumen befand sich das Stadtbad, ein Reinigungsbad der Stadt. In der Josephskirchstraße ging es an Pfarrer Rhaban Fröhlichs Josefskirche – dem Dom in der Kartoffeläckern von 1912 – vorbei zur Ziehenschule mit ihrem alten Torhäuschen, die Stufen hinab in den Schulhof zum Haupteingang, den es heute an dieser Stelle nicht mehr gibt.

Meine erste Klasse, die Sexta c (5 c), lag im großen Gang im Hochparterre mit Blick auf den vorderen Schulhof. Das Lernen an der Ziehenschule machte mir Spaß, und als nach dem Umzug ins ,Klavierviertel’ (H.P. Müller) der Schulweg noch länger geworden war, legte ich noch drei weitere Jahre zu und machte schließlich im März 1961 Abitur. Der lange Weg hat sich gelohnt.“ Klaus Gülden




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