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17.07.2006

Schulen erwarten die Ersatzlehrer

Das neue Schuljahr rückt näher und mit ihm die Umsetzung des Programms „Unterrichtsgarantie plus“.

Über Chancen und Risiken des Konzepts, das den Ausfall von Unterrichtsstunden mindern soll, diskutierte die CDU Eschersheim mit Schulleitern, Lehrern und Eltern aus dem Stadtteil. Martin Günther, Abteilungsleiter des Kultusministeriums, steckte zunächst in einem Vortrag über Konzept und Grundsätze den Diskussionsrahmen ab.

„Das Thema beschäftigt die Schulen seit längerem, wird aber häufig sehr unsachlich diskutiert. Das wollte ich mit dem Austausch im Stadtteil ändern“, sagt Yvonne Kinet, Vorsitzende der CDU Eschersheim. Zwei Grundprobleme lassen sich aus ihrer Sicht zusammenfassen, durch die sich Eltern immer wieder zu unsachlichen Argumentationen hinreißen ließen: Zum einen die fehlende pädagogische Ausbildung möglicher Ersatzlehrer. Zum zweiten die Bedenken, dass sich gerade für Hauptschulen keine Vertretungskräfte finden ließen, die eine Kontinuität im Unterricht gewährleisten könnten.

„Aber der so genannte Vertretungspool aus Personen, die bei Bedarf einspringen, bietet auch Chancen, andere Berufsgruppen wie Naturwissenschaftler an die Schulen zu holen“, sagt Kinet. Allerdings bereite die Organisation und Koordination Schwierigkeiten, die die Schulen in den nächsten sechs Wochen regeln müssten. Das beginne bei der Einarbeitung, gehe über die Zugangsberechtigungen von Räumen und Büroeinrichtungen. Auch müsse die jeweilige Vertretungskraft vom Schulamt und den Personalräten anerkannt werden. „Einziger Lichtblick ist die Zusage von Martin Günther, das Ministerium werde im ersten Jahr alles locker handhaben“, so Frau Kinet weiter.

Wie unterschiedlich die Probleme sind, mit denen sich die Schulen im Zuge der Unterrichtsgarantie plus auseinander setzen müssen, schildert Christa Schilhabel-Timpe, Schulleiterin der Peter-Petersen Schule: „Wir haben beispielsweise für unsere Schulform, einer Mischung aus integrativer und kooperativer Gesamtschule, insgesamt acht Teillösungen erarbeitet. In der Grundschule haben wir das Konzept schon erprobt. Hier ist seit November kaum eine Stunde ausgefallen.“ Der Elternbeirat stehe der „Unterrichtsgarantie plus“ aufgeschlossen gegenüber.

Der Vertretungspool, so Frau Schilhabel-Timpe weiter, bestehe aus ehemaligen Lehrkräften, Studenten nach dem ersten Staatsexamen, aber auch Personen aus themenverwandten Berufen der jeweiligen Unterrichtsfächer wie Naturwissenschaftlern. „Sie benötigen eine Zusatzausbildung in Pädagogik. Allerdings ist bei Neueinsteigern die Belastbarkeitsgrenze schnell erreicht.“ Für die Unterrichtsgarantie muss an der Peter-Petersen-Schule der gesamte Unterrichtsplan umgestellt werden: Für Fortbildungen und Konferenzen müsse der gesamte Tag ausgenutzt werden. „Das heißt auf der anderen Seite, dass auch die Kinder länger in der Schule bleiben müssen, damit keine Stunde ausfällt.“

Manfred Eichenauer, Schulleiter der Ziehenschule, freut sich auf die Herausforderung, mit der Unterrichtsgarantie neue Wege zu beschreiten. Mit seinem Vertretungspool steht er vor einem „Luxusproblem“, denn er kann nicht alle Bewerber unterbringen: „Ich habe Interessierte Juristen, Studenten, Banker, Fremdsprachensekretäre und Historiker.“ Die Probleme steckten im Detail. Auf der einen Seite seien Reibungsverluste zu vermuten. „Das ist unumgänglich, wenn Leute ohne Erfahrung Schülern gegenüberstehen, die sich um ihr Privileg des Unterrichtsausfalls beraubt fühlen.“ Auf der anderen Seite sei nach der Bewältigung aller Umständlichkeiten wie Formalitäten, Einarbeitungen und Personaldebatten mit Erfolgen zu rechen. Etwa wenn die Vertreter Bestandteil des Kollegiums würden. (cwe)




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