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16.08.2006

Wenn zu Hause nichts mehr geht

Die Mädchenzuflucht von FeM registriert einen Anstieg von Verwahrlosung in Familien

Es fehlt ihnen an allem: Hosen, Pullovern, einer Zahnbürste, Heften, einer Schultasche. Doch das ist nicht das Schlimmste. Viel unglücklicher macht die jungen Mädchen, dass sie kaum ein nettes Wort hören, zu Hause niemand nach dem Schultag fragt, sie stattdessen angeschrien, geschlagen, sexuell missbraucht werden, ständig mit Verboten leben sollen. Für einige Frankfurter Jugendliche ist das Alltag – und es werden mehr. Die Zahl der Fälle, in denen Eltern ihre Kinder verwahrlosen lassen, nehmen zu , haben die Betreuerinnen im Eschersheimer FeM-Mädchenhaus festgestellt. Und diesen Eindruck jetzt mit einem Jahresbericht für 2005 untermauert.

Erkennbar wird der Anstieg an den Zahlen derjenigen jungen Frauen, die sich in der größten Not an FeM wenden. Denn das Mädchenhaus betreibt nicht nur einen Treff, also ein Jugendzentrum nur für Mädchen, sondern auch eine Beratungsstelle und eine so genannte Mädchenzuflucht. Das ist ein anonym gelegenes Haus, wohin sich die Kinder flüchten können, wenn sonst nichts mehr geht. 84 Mädchen haben dort im vergangenen Jahr einige Wochen verbracht. Insgesamt baten 172 Mädchen 2005 darum, in die Zuflucht einziehen zu dürfen. 2004 fanden 65 Mädchen das Asyl bei FeM.

Jede kommt mit einer erschütternden Geschichte. So eine 13-Jährige, übergewichtig und krank: Zu Hause bekam sie statt einem Mittagessen fünf Schokoriegel. Gekocht wurde fast nie, ferngesehen immer. Eine 15-Jährige kam zu FeM, nachdem ihre Eltern in den Urlaub gefahren waren – ohne der Tochter etwas davon zu sagen. Zu Hause hatte die nur eine kurze Nachricht, dass die Erwachsenen für drei Wochen wegblieben, und einen 20-Euro-Schein vorgefunden.

Die Teenager, die in der Mädchenzuflucht aufgenommen werden, bleiben, bis die Krise zu Hause mit Gesprächen, Beratungen für die Eltern und Hilfen von Jugend- und Sozialamt abgeschwächt wurde, oder eine andere Einrichtung – Wohngruppe, Pflegeeltern oder Kinderheim – die Fürsorge übernimmt. Das kann, so zeigt die Statistik, ein paar Tage dauern, die meisten Mädchen, meist sind sie 14 bis 16 Jahre alt, bleiben ein bis zwei Monate. Etwa die Hälfte der Mädchen konnte schließlich wieder in die eigene Familie zurückkehren.

Doch nicht nur zunehmende Verwahrlosung ist ein Phänomen, das bei FeM Alltag wird. Auch das Gegenteil, Überbehütung, wird immer häufiger zum Problem. „Das sind Mädchen, die keinen Schritt allein machen dürfen. Die Eltern fahren sie zur Schule, kontrollieren, mit wem ihre Töchter Kontakt haben, wen sie anrufen. Lassen sie kaum aus dem Haus“, beschreibt Lucia Rutschmann, Leiterin von FeM, das typische Bild. Bei den Mädchen führe diese Lebenssituation zu Vereinsamung und Angstneurosen. „Sie sind dann überfordert, eine Zahnbürste kaufen zu gehen oder sich mit jemandem zu verabreden.“ All das würde in der Zuflucht geübt, den Eltern klar gemacht, dass zu viel Liebe oder Strenge in dieser Form zu schweren Fehlentwicklungen führen kann.

Die Motive der Eltern, die ihre Kinder entweder völlig ignorieren oder sie durchweg kontrollieren, sind unterschiedlich. „Mal ist es falsch verstandene Fürsorge, mal sind es Vorurteile gegen die angeblich so gefährliche Welt ,da draußen’“, erklärt Rutschmann. Gemeinsam in allen Fällen sei, dass die Eltern die Konflikte mit den pubertären Mädchen, die Grenzen bräuchten und Auseinandersetzung suchten, scheuten. Und darüber, so der Eindruck im Eschersheimer Mädchenhaus, steht die Tatsache der zunehmenden Armut, die die Eltern so unfähig macht. „Die Zahl von Familien, die nichts haben, steigt. In Zeiten von Hartz IV fällt es vielen schwerer, sich Hilfe zu suchen, zuständige Stellen zu finden, Anträge auszufüllen“, weiß Frau Rutschmann. (ing)




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