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23.02.2007

Ziehenschüler forschen in Minsk

November 1941: Tausende Frankfurter Juden werden von den Nazi-Schergen zusammengetrieben und deportiert.

Für sie beginnt eine Odyssee: Vom Bahnhof aus in mehreren Zügen geht es für viele Richtung Osten. Ihr Bestimmungsort sind die Konzentrationslager im sowjetischen Minsk und Smorgon. Viele sterben auf der sechstägigen Reise oder kommen in den folgenden Monaten in den beiden Lagern zu Tode. Ihrem Schicksal widmet sich ein ehrgeiziges Forschungsprojekt der Ziehenschule und dem Gymnasium Nummer 4 in Smorgon (Weißrussland).

Die Schulen wollen ergründen, was den einzelnen Menschen zugestoßen ist. „Ohne diese Geschichten bleiben diese Zahlen abstrakt und unbegreiflich“, sagt Vladimir Kalinin, der das Projekt an der Schule im weißrussischen Smorgon initiiert hat. In Frankfurt hat er mit Deutschlehrerin Britt Diegner und ihrem Kollegen Mitja Lüderwaldt an der Eschersheimer Ziehenschule Kooperationspartner gefunden. Mehr als ein halbes Jahr lang haben die 14- bis 16-jährigen Schüler in Deutschland und Weißrussland geforscht und mit Zeitzeugen gesprochen. Nun ist eine Gruppe von zehn Schülern aus Smorgon an der Ziehenschule zu Gast. Eine Woche lang werden sie sich mit ihren deutschen Partnern über den Stand ihrer Forschungen austauschen. Im April folgt dann der Gegenbesuch aus Deutschland. Bis dahin soll das Projekt eine gemeinsame Ausstellung zu der Geschichte der nach Minsk und Smorgon deportierten Frankfurter Juden erarbeitet haben.

Video-Interviews und Informationstafeln sollen die unbegreiflichen Geschehnisse greifbar machen und für die Zukunft erhalten. „Die Zeit ist knapp – schon jetzt fällt es uns nicht leicht, noch lebende Zeitzeugen zu finden“, sagt Kalinin. „Daneben wollen wir eine Gedenkplakette für die Frankfurter Juden im Ghetto Minsk anbringen“, erklärt Britt Diegner, seine deutsche Kollegin. Eine solche Plakette fehle dort zurzeit. „Für uns ist das Projekt außerdem wichtig, weil der Holocaust nur einen kleinen Teil im Geschichtsunterricht einnimmt“, fügt Kalinin hinzu. Deswegen sei es wichtig, sich mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen.

Das haben sowohl die Jugendlichen der Ziehenschule, wie auch ihre Gäste aus Weißrussland getan. Die 14-jährige Julia Katschanovskaja aus der achten Klasse des Gymnasiums Smorgon präsentierte in fließendem Deutsch – ansonsten verlief die Kommunikation zwischen den Schülern auf Englisch – die Ergebnisse ihrer Arbeit: Ein Augenzeugenbericht von Maria Voronovich, die als kleines Mädchen mitansehen musste, wie deutsche Soldaten 500 Juden aus Smorgon hinrichteten. Oder die Geschichte des jüdischen Friseurs Ivan Kusma, der unter vorgehaltener Waffe einen deutschen Offizier rasieren musste. „Wenn es geblutet hätte, so hat er mir erzählt, wäre er erschossen worden.“

Auch die deutschen Schüler haben bewegende Einzelschicksale recherchiert: Siegfried Grünebaum (80) ist der einzige seiner Familie, der die Deportation nach Minsk überlebt hat. „Seine Mutter und Geschwister wurden 1942 ermordet, sein Vater ist ebenfalls gestorben“, berichtet Sylvia Krasl. Nach seiner Befreiung hat er geheiratet und zwei Kinder bekommen. Einer seiner Enkel besucht die Ziehenschule. Auch Widerstand habe es in Minsk gegeben: Felix Lipski musste als kleiner Junge mit seiner Mutter Anna aus Minsk flüchten, da seine Eltern im Untergrund aktiv waren.

Lipski und Grünebaum werden in der kommenden Woche ans Ziehengymnasium kommen, um den Schülern aus erster Hand von ihren Erfahrungen zu berichten. „Nur wenn wir uns an das erinnern, was geschehen ist, können wir als Menschen leben und vielleicht einmal Frieden auf der Welt erreichen“, fasste es Julia stellvertretend für die deutsch-weißrussische Projektgruppe zusammen.

Von Bastian Klein




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