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21.05.2007

Zwei Gleise im Wohnzimmer

Eine Familie soll dem Ausbau der Main-Weser-Bahn weichen und fühlt sich von der Bahn belogen.

VON MARKUS BULGRIN

Elwira Bach-Neunert ist eine äußerst geduldige Person. Diese Stärke musste sich die 66-jährige Frau über die Jahre aneignen. Ob sie zu Hause Gäste hat, beim Geschirrspülen, ob sie im Garten sitzt oder ein Nickerchen macht - stets unterbricht ein ohrenbetäubender Lärm jedes Tun. Regelmäßig. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. "Im Berufsverkehr sogar alle drei Minuten", sagt Bach-Neunert. Ihre Schwester Christiane Steinberger fügt hinzu: "Wir haben uns daran gewöhnt und machen inzwischen einfach natürliche Pausen in den Abläufen." Die Gleise der Main-Weser-Bahn verlaufen einige Meter hinter dem Haus - ohne jeglichen Lärmschutz.

Ohne die vorbeirauschenden Züge herrscht hier eine Idylle. Noch. In den Wiesen zwischen Eschersheim und Ginnheim lebt Elwira Bach-Neunert gemeinsam mit ihrer 90-jährigen Mutter auf einem 1 200 Quadratmeter großen Flecken Erde. Von der Natur eingerahmt, von der Hektik verschont. Doch von dem Grundstück will ihr die Deutsche Bahn etwa 300 bis 400 Quadratmeter wegnehmen. Für einen neuen Bahndamm, der beim Ausbau der Main-Weser-Bahn entstehen soll.

Damit nicht genug: Die zwei neuen Gleise sollen direkt durch das Wohnzimmer und die Küche des Hauses führen. Dieser 70 Quadratmeter große Trakt soll nach den Vorstellungen der Planer schlichtweg an einer anderen Seite des Hauses wieder aufgebaut werden. Alle Bäume, die auf dem bisherigen Bahndamm stehen, werden abgeholzt. Der Garten, den die Bach-Neunerts in jahrzehntelanger Familientradition liebevoll gepflegt haben, wird planiert. Sechs Meter hohe Lärmschutzwände aus Beton werden errichtet. "Es ist für mich kaum vorstellbar, dass man in einer solchen Mondlandschaft noch leben kann", sagt Steinberger.

Als die Eltern von Elwira Bach-Neunert das inzwischen über 100 Jahre alte Haus 1977 kauften, war ihnen bereits klar, dass es irgendwann ein drittes Gleis geben wird. "Wir wussten, dass wir erstmal 15 bis 20 Jahre Ruhe haben würden", erinnert sich die Tochter heute.

"Güterzüge unterschlagen"

Als der inzwischen verstorbene Ehemann sich 1995 selbständig machen wollte, erfuhren beide "per Zufall" von einem weitaus größeren Ausmaß: "Unser Haus war einfach nicht mehr da." Bei einer Offenlegung fanden sie an der Stelle, wo ihr Haus steht, lediglich noch ein Kreuz. Es symbolisiert einen Bauplatz für Gleisarbeiten. Vier Jahre später bot die Deutsche Bahn dem Ehepaar einen Haustausch an. Sie lehnten ab, weil ihnen zugesagt wurde, dass lediglich der S-Bahn-Verkehr "verbessert" würde, und sie keinen Grund sahen, ihr geliebtes Häuschen im Grünen aufzugeben. Von mehr Güterverkehr und kilometerlangen Zügen, die durch die Nacht rumpeln, sei ihnen nichts gesagt worden. Bach-Neunert heute: "Wir wurden dermaßen belogen." Ein Umzug sei mit der inzwischen demenzkranken Mutter auch nicht mehr möglich - vor acht Jahren wäre das noch ein Leichtes gewesen.

Bisher haben sich die beiden Schwestern mit Klagen gewehrt. Auch für die nächste Etappe im Herbst werden sie wieder eine Einwendung vorlegen: "Es ist dann die dritte Anhörung, die ich miterlebe", sagt Steinberger. Die beiden Schwestern wünschen sich vor allem, "dass dies alles nicht mehr zu Lebzeiten unserer Mutter passiert." Geduld werden sie ohnehin weiterhin brauchen.




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