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03.03.2008

Bahn-Ausbau rückt in weite Ferne

Es droht eine weitere Verzögerung beim Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der Main-Weser-Bahn (Frankfurt-West bis Bad Vilbel) von zwei auf vier Gleisen. Der Erörterungstermin, der Mitte Januar in der Eschersheimer Emmausgemeinde an drei Tagen mit den neuen Einwendungen gegen das Projekt stattfand, muss wiederholt werden.

Gleich zwei Pannen räumt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt als ausführende Behörde ein. „Die Einladung trug das falsche Datum, und einige Anschreiben kamen mit dem Vermerk ,unbekannte Adresse’ zurück“, sagt RP-Sprecher Dieter Ohl. Die Adressen seien von der Deutschen Bahn AG teilweise nicht richtig weitergegeben worden, das fälschlicherweise aufgedruckte Jahr 2007 hat das RP zu verantworten. Der neue Termin wird nun der 13. März am gleichen Ort sein, an dem die Betroffenen noch einmal ihre Bedenken vorbringen können.

Derweil übt sich die DB Netz als Auftraggeber in Optimismus. „Wir stehen praktisch mit dem Spaten in der Hand bereit“, sagt Bahn-Sprecher Torsten Sälinger. 2009 hat sich die DB Netz als Ziel gesetzt, dass endlich mit den Bauarbeiten begonnen werden kann. Jedoch habe die Bahn wenig Einwirkungen auf den Zeitplan. „Das Eisenbahn-Bundesamt muss erst die Planfeststellung abschließen.“ Aber auch dagegen kann geklagt werden. Dass überhaupt die Strecke ausgebaut werden soll, bezeichnet Sälinger als Wunsch von Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und Land Hessen. „Die wollen eigene Gleise für die S-Bahn haben.“

Eine Auffassung, die die Bürgerinitiative (BI) 2 statt 4, die seit 2001 gegen den Ausbau vorgeht, so nicht stehen lassen will. „Es geht der Bahn allein um den Güterverkehr“, sagt Sprecher Klaus Funk. Nach den Planzahlen der DB bleibt die Anzahl der S-Bahn-Züge konstant bei 138 in 24 Stunden. Die Regionalbahnen nehmen sogar leicht ab von 122 auf 116, während der Güterverkehr um 44 Prozent ansteige von derzeit 52 auf 75. 33 Züge sollen davon zwischen 22 und 6 Uhr fahren.

Als Verbesserung für die S-Bahn sieht die Deutsche Bahn die Verbesserung der Pünktlichkeit, denn die S 6 fährt aufgrund der hohen Belastung der Strecke zurzeit immer wieder Verspätungen ein. Mit dem Ausbau soll sich das um 40 Prozent reduzieren. „250 Millionen Euro dafür auszugeben, dass die S-Bahnen pünktlicher fahren?“, fragt Funk. Das könne wohl kaum der wahre Grund sein. Nicht eingerechnet sind dabei die weiteren 90 Millionen Euro, die für den Ausbau von Bad Vilbel bis Friedberg veranschlagt werden. Die 250 Millionen Euro beziehen sich allein auf die Strecke von Frankfurt-West bis Bad Vilbel.

Die BI verweist darauf, dass Pro-gnosen bis 2015 von einer Verdoppelung des Güterverkehrs ausgehen. „Es kann nicht sein, dass dieser Verkehr auf Strecken verlagert wird, die in dicht besiedelte Gebiete führen, obwohl es reiner Transitverkehr ist“, sagt Ingrid Häußler, Rechtsanwältin und Mitglied der Bürgerinitiative. Die rund 200-köpfige BI im Frankfurter Norden betont dabei, dass sie weder gegen den Öffentlichen Personennahverkehr ist noch gegen den Güterverkehr. „Nur sollte für den Warentransport eine neue Strecke von Nord nach Süd gebaut werden. Die heutigen Strecken sind im 19. Jahrhundert entstanden und dienten zur Verbindung der Städte.“ Für die Hochgeschwindigkeitsstrecken sei schließlich auch das Geld vorhanden.

Selbst wenn das unrealistisch sei, gebe es andere Möglichkeiten als einen Ausbau, von dem rund 50 000 bis 60 000 Menschen betroffen seien. Die Gegner nennen eine Alternativstrecke um Hanau, die weit weniger Nachbarn schädigen würde.

Zurzeit erwägt die BI eine weitere Klage gegen das Land, das bisher nur unvollständig die Unterlagen zur neuesten Nutzen-Kosten-Untersuchung herausgerückt hat. Das von der Bahn anvisierte Jahr 2009 zum Baubeginn rückt da in weite Ferne. Kein Wunder, dass das Eisenbahn-Bundesamt bei der zeitlichen Einschätzung zurückhaltend ist. „Erst müssen die Ergebnisse der Erörterung umgesetzt werden“, sagt Sprecherin Bettina Baader. (sö)




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