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18.03.2008

Post gibt die Stadtteile auf

Die Ankündigung der Deutschen Post AG, bis 2011 rund 700 der noch 800 bundesweit vom Konzern betriebenen Filialen in Agenturen umzuwandeln, sorgt in Frankfurt für Unruhe. Stadtweit gibt es zurzeit noch rund 35 Filialen in Besitz der Post. Genaue Zahlen gibt das Unternehmen nicht heraus.
Von Sören Rabe

„Wir haben noch keine Liste, welche Standorte betroffen sind“, sagt der Postsprecher Heinz-Jürgen Thomeczeck zu den Planungen für Frankfurt. Doch es sei klar, dass „unsere großen Filial-Center wie am Goetheplatz auf jeden Fall bestehen bleiben“. Unwahrscheinlich ist auch die Aufgabe der Post am Flughafen oder dem Frankfurter Hauptbahnhof. Für die kleineren Filialen in den Stadtteilen dürfte diese Entscheidung aber das endgültige Aus bedeuten. Wie es dagegen mit den vom Unternehmen selbst geführten Posthäusern in Höchst oder im Nordwestzentrum aussieht, darüber wollte der Post-Sprecher nichts sagen. Nur so viel: Postbanken seien von der geplanten Umwandlungswelle nicht in Frage gestellt. Davon betreibt die Post noch rund 850 im ganzen Land. Thomeczeck kündigt an, dass jede Filiale überprüft werde, „was wir ohnehin schon seit Jahren machen“. Seit 1993 würden so Standorte, die nicht so stark nachgefragt werden, an private Anbieter abgegeben.

Neben den eigenen Poststationen existieren die partnerschaftlichen Postagenturen sowie der Post Point. Die Agenturen, so der Post-Sprecher, bieten alle Dienstleistungen der eigenen Postfilialen an. Ein Post Point sei dagegen auf ein „Basis-Angebot“ reduziert. Damit versucht das Unternehmen derzeit sein Netz auszuweiten, um sich für den Wettbewerb mit anderen Anbietern zu rüsten. Bei der bis 2011 anstehenden Entwicklung sollen aber Postagenturen die derzeitigen Filialen ersetzen. Nur „in Ausnahmefällen“ würde auf die kleinere Version zurückgegriffen. Zwar gebe es derzeit keine Liste mit möglichen Kandidaten für eine Schließung, doch bei der jüngsten Überprüfung ist die Postfiliale in Oberrad durchgefallen, so Thomeczeck. „Wir haben den Ortsvorsteher informiert, auch hier eine Agentur einrichten zu wollen.“ Wann, das ist noch unklar. Mit der Suche nach einem geeigneten Partner sei noch nicht begonnen worden.

Nicht immer hat die Post bei der Auswahl von privaten Betreibern ein glückliches Händchen gehabt, wie ein Blick auf die vergangenen Monate in Frankfurt zeigt. Betroffen davon sind vor allem Senioren, die weitere Wege in Kauf nehmen müssen oder zeitweise überhaupt keine Möglichkeit haben, Post-Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. So musste im Februar die Agentur in Seckbach „wegen Unregelmäßigkeiten“ geschlossen werden. Auch in Harheim hatte die Post kein Glück. Dort müssen die Bürger mit einem Provisorium leben, ein Einzelhändler hat sich bisher nicht gefunden. Täglich ist zwei Stunden geöffnet, donnerstags vier Stunden.

Was das Unternehmen auch immer gern verschweigt: Nicht jeder Standort einer Postagentur ist klug gewählt. So wurde beispielsweise nach der Schließung der Postfiliale am Dornbusch mit ausreichend Parkplätzen im Stadtteilzentrum vor der Tür ein Einzelhändler gefunden, der überhaupt keine Stellplätze anbieten kann. In Eschersheim wurde die Post an zentraler Stelle am Weißen Stein mit Umsteigefunktion von Bus auf Bahn – ein hoher Frequenzbringer – aufgegeben und eine Agentur Am Lindenbaum eröffnet. Auch hier gibt es kaum Parkmöglichkeiten. Von Laufkundschaft keine Spur. In Schwanheim trauern die Bewohner ebenfalls ihrer alten Post im Herzen des Stadtteils nach. Dort ging es in die Geisenheimer Straße an den Rand der Ortschaft, weitab vom Geschehen.

Der Verband der Postbenutzer (DVPT) kritisiert derweil die neuesten Pläne der Post. Vor allem, weil die eigenen Filialen des Unternehmens von Fachpersonal betreut werden, die nun ersetzt würden durch Mitarbeiter, die bei komplexen Beratungen keine Auskunft mehr geben könnten. „Das kann nur eine Verschlechterung für die Verbraucher sein“, sagt DVPT-Vorstandsmitglied Elmar Müller. Allein die vor allem im ländlichen Raum verlängerten Öffnungszeiten seien positiv. Auf Frankfurt trifft dies kaum zu.




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