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16.04.2008

U-Bahn-Tunnel:

Ortsbeirat schrecken die Kosten nicht

Bei denjenigen, die entlang der U-Bahn-Linie an der Eschersheimer Landstraße wohnen, ist die Trauer groß: Die Verlegung der Trasse zwischen Dornbusch und dem Weißen Stein in einen Tunnel scheint nach der jüngsten Kosten-Nutzen-Untersuchung auf absehbare Zeit ad acta gelegt (wir berichteten). 250 bis 300 Millionen Euro scheinen ohne finanzielle Hilfe von Bund und Land zu teuer zu sein. Die Parteien im Ortsbeirat 9 (Ginnheim, Dornbusch, Eschersheim) reagieren nun mit ganz verschiedenen Ansätzen auf diese Neuigkeit.

Die Grünen-Stadtteilgruppe, in der Parteimitglieder aus Ginnheim, Eschersheim und dem Dornbusch zusammenarbeiten, haben ihren Blick sofort wieder auf die Erdoberfläche gelenkt. Sie verschickten gestern eine ganze Liste von jetzt dringlichen Maßnahmen, die links und rechts der Gleise dafür sorgen sollen, die Eschersheimer Landstraße trotz der U-Bahn-Trasse wieder aufzuwerten. Allen voran fordern sie ein Durchfahrtverbot für Lkw, die schwerer als 3,5 Tonnen sind, und wollen auf dem Abschnitt zwischen Weißer Stein und Hügelstraße jeweils eine Fahrspur der Straße wegnehmen und dem Fußgängerweg zuschlagen.

Dann, so ihre Begründung, bliebe genug Platz, um in beide Richtungen Radwege anzulegen, den Gehweg durchgehend auf mindestens drei Meter zu verbreitern und sogar Bäume zu pflanzen, um die Eschersheimer zur Allee zu machen. So vom Verkehr befreit, könnten auf der Straße noch zusätzliche Überwege für Fußgänger eingerichtet und die Grünphasen für die an den Ampeln verlängert werden, schlagen die Grünen weiter vor.

Ob all das auch auf dem Streckenabschnitt zwischen der Hügelstraße und der Straße Am Grünhof möglich sein könnte, solle in einer Testphase ermittelt werden.

Ob ein solcher Straßenumbau durchsetzbar ist, scheint fraglich. Denn die übrigen Parteien im Ortsbeirat sind bisher noch nicht bereit, eine Absage an den Tunnelplan endgültig zu akzeptieren. „Ich denke, wir sollten darauf beharren, dass die U-Bahn unter die Erde kommt“, sagte auch Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU). Parkdruck, Schleichverkehr und die vielen Opfer von Unfällen – das könne so nicht bleiben. Seine Partei hat beantragt, dass den Ortsbeiräten erst einmal das komplette Gutachten vorgelegt wird. Dann müsse man sehen, ob es nicht doch ein Modell gibt, um den Tunnel bezahlen zu können.

Auch Klaus Funk, für die FDP im Stadtteilparlament, will weiter kämpfen. Dass man für dieses Vorhaben keine Finanzhilfe von Bund und Land erwarten könne, sei doch klar gewesen, argumentiert er. „Doch der Tunnelbau ist ein so wichtiges Stück Stadtreparatur, das es die Stadt notfalls alleine stemmen muss“, so Funk. Da nutze alles Jammern nicht. Er und seine Partei wollen sich weiter für den Tunnel stark machen und favorisieren eine privat-öffentliches Finanzierungsmodell, das ja schon für Frankfurter Schulen Anwendung findet. „Bezahlen müsste es die Stadt ohnehin, aber das ermöglicht langfristigere Raten.“

Auch von seinen Kollegen aus den anderen Fraktionen im Ortsbeirat habe er bereits gehört, dass sie die Lage ähnlich einschätzten, sagt Funk. Er ist sich ebenso wie Hesse sicher, dass die Tunnel-Diskussion noch nicht zu Ende ist. (ing)

Der Ortsbeirat 9 tagt am Donnerstag, 17. April, ab 19.30 Uhr. Die öffentliche Sitzung ist im Gemeindehaus von St. Josef, Rhaban-Fröhlich-Straße 18.




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