Pietät am Dornbusch
05.01.2021
Zu weite Wege zum Einkaufen
Senioren in Eschersheim sind unzufrieden...
mehr
01.01.2021
16-Jähriger hatte großes Glück im Unglück
Ein 16-jähriger Jugendlicher ist gestern...
mehr
08.12.2020
Ortsbeirat beschließt Corona-Hilfen für Vereine
Der Ortsbeirat 9 gibt rund 12 000 Euro aus,...
mehr
03.12.2020
Festnahmen nach versuchtem Raub
Am Dienstag, den 1. Dezember 2020, gegen...
mehr
30.11.2020
Der Winter ist in Frankfurt angekommen
Der FES-Winterdienst rüstet sich für den...
mehr
30.11.2020
Vorgehensweise des Gesundheitsamtes bei der Pandemiebekämpfung an Schulen und Kitas – Gesundheitsdezernent Stefan Majer stellt Infoblatt vor
Die zahlreichen Anfragen von Eltern zum...
mehr
27.11.2020
Versuchter Trickbetrug
Dank des Augenmerkes einer Bankangestellten...
mehr
24.11.2020
Kinderkulturtreff Eschersheim nach Sanierung wieder geöffnet
Der Kinderkulturtreff Eschersheim (Kiku)...
mehr
23.11.2020
Trickdiebstahl
Bereits am Donnerstag, den 19. November...
mehr
20.11.2020
Übersicht Liefer- und Abholdienste für Heddernheim, Niederursel, Praunheim und Eschersheim
Leider ist es wieder soweit und unsere Gastronomie...
mehr
19.11.2020
Gesamtschule steckt weiterhin in der Warteschleife
Die IGS Eschersheim ist ein echtes Sorgenkind...
mehr
17.11.2020
Radfahrerin bei Unfall verletzt
Am Freitag, den 13.11.2020, kam es in Eschersheim...
mehr
12.11.2020
Kein Pardon für Parkplatz-Sünder
Verärgerte Anwohner im Mellsig: Nur 100...
mehr
Tipps und Infos zur Freizeitgestaltung in und um Eschersheim.
mehr Infos


Gedichte und Geschichten von Eschersheimer Bürgern. z.B.
Die Motzbox ist der Eschersheimer Kummerkasten für Beschwerden usw. der Eschersheimer Bürger z.B.

 









24.07.2008

Der älteste Bioladen Deuschlands

Ausgerechnet eine Bankkauffrau? Das deckt sich nicht mit dem Klischee von den Pionieren, die Anfang der 1970er Jahre die ersten Bioläden eröffneten. Eben drum, sagt Dagmar Koch (59). Weil sie sich auskannte mit Zahlen und Bilanzen, gibt es ihr Geschäft auch nach 35 Jahren noch.

Und ist damit der älteste noch bestehende Bioladen in ganz Deutschland.

1973 hat die aus dem Sauerland stammende Dagmar Koch ihr Geschäft mit den gesunden und chemiefreien Produkten an der Ecke von Eschersheimer Landstraße und Friedlebenstraße eröffnet. Eltern aus der nahen Waldorf-Kita, in die Kochs ihre Tochter brachten, hatten sie auf die Idee gebracht. Also stieg Dagmar Koch ins noch junge Geschäft mit Bio-Lebensmitteln ein. Ein Vierteljahr lang betrieb sie ein Liefergeschäft, dann eröffnete sie ihren Laden. Harald Koch (66) übernahm das Liefergeschäft.

Nur elf Quadratmeter war das Lädchen in den Gründertagen groß. 1973 hatten die praktischen, aber nicht immer unbedenklichen Fertiggerichte in den deutschen Küchen längst Einzug gehalten. Doch die Produkte der Nahrungsmittelindustrie schmeckten nicht mehr allen. Aus der ganzen Rhein-Main-Region kamen die Kunden für Milch, Wurst und Korn aus ökologischer Landwirtschaft, Brot aus Schrot und vollem Korn nach Eschersheim. Die damals 24 Jahre alte Geschäftsfrau war anfangs konkurrenzlos. «Wir wurden sogar als elitär bezeichnet.» Andere sagten «Müslifresser». «Alle haben rausgefunden, dass wir ganz normale Menschen sind.»

Außenseiter waren Kochs dann auch unter den zahlreicher werdenden Bioladen-Betreibern. Auch Harald Koch ist Bankkaufmann. «Wir waren immer kühle Rechner.» All das esoterische Beiwerk, das in vielen frühen Bioläden zu finden war, gab es bei Dagmar Koch nie. Ihr sei es um frische und gute Lebensmittel gegangen. So werde es bleiben.

Im Vergleich zu heute war das Angebot klein. Hauptsächlich Obst und Gemüse von ökologisch arbeitenden Bauernhöfen. Dazu Milchprodukte, Nudeln, Müsli, Kekse und Naturkosmetik. Damals wie heute liefert die Waren Ehemann Harald. Er hatte eine Nische entdeckt: «In den 1970ern wurden die Bauern ihre nach den streng ökologischen Demeter-Standards angebaute Ernte gar nicht los. Sie mussten es in den konventionellen Handel geben.» Bis Harald Koch kam, ihnen Obst und Gemüse abkaufte und an Privatkunden und Geschäfte lieferte. In Waldorfschulen wird bis heute mit seinen Lebensmitteln gekocht.

Bei den Kunden seiner Frau kamen die gesunden Waren bestens an. Auch wenn manches gar nicht so gut schmeckte. «Die ersten Bio-Kekse waren eher sandig. Da haben wir noch mit den Herstellern verhandelt, ob das nicht anders geht.» Es ging. «Inzwischen ist die Bio-Palette eine Feinkostabteilung.» Das gilt auch für die private Speisekarte. «Bei uns zu Hause kommt nur Bio auf den Tisch.» Ihre Tochter habe dagegen ab und zu opponiert. «Früher hat sie gedroht, den Laden zu übernehmen und einen McDonald draus zu machen», lacht Dagmar Koch. Später sei es ihr aber gegangen wie der Mutter: «Wenn die eigenen Kinder kommen, achtet man auf das, was man isst.»

In den 35 Jahren, schätzt Dagmar Koch, hat sich ihr Angebot verfünffacht. Ihr Geschäft konnte sie auf gut das Doppelte ausbauen. «Aber wenn ich was Neues reinnehme, muss ich auf anders verzichten.»

Unverzichtbar ist der enge Kontakt zu den Kunden. «Inzwischen kaufen kommen schon die Enkel meiner ersten Kunden.» Einige kennt die Geschäftsfrau so gut, dass sie ihnen sogar einen Ladenschlüssel überlassen hat. «Ich habe zwei Frauen, die sich spätabends ihre Sachen selbst raussuchen. Sie bezahlen später.» Für andere liefert Dagmar Koch die Lebensmittel an die Haustür. «Vor allem in Eschersheim und im Dornbusch und für Kunden, die auf meinem Heimweg nach Friedrichsdorf wohnen.»

Der Geschmack der Bio-Fans unterlag so allerlei Moden: Mal mischte jeder sein Müsli selbst, dann wurde Getreide zu Hause gemahlen, dann Joghurt selbst hergestellt, dann Kombucha statt Wasser getrunken. Alles vorbei. «Inzwischen greifen sogar Bio-Kunden zu Fertiggerichten. Aber die führe ich nicht, weil ich nicht dahinterstehe.»

Die immer zahlreicher werdenden Bio-Supermärkte stören sie da weniger. «Bisher ist das für mich keine Konkurrenz.» An die größer und dabei preiswerter werdenden Bio-Paletten in den Supermärkten glaubt sie nicht so ganz: «Irgendwann gibt es da wohl über einen Skandal zu berichten» mutmaßt die standhafte Geschäftsfrau. (glo/ ing)




zurück








 

© 2021 by Medien- & Stadtteilbüro| Impressum