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25.09.2008

Läuse-Alarm in Frankfurts Kindergärten

Lausig ist es wieder in Frankfurts Kindergärten und Schulen. Mit dem Herbst ist Pediculosis capitis – vulgo: die Kopflaus – gekommen. «Wir haben schon wieder reichlich Alarm-Meldungen», sagt Peter Neumann, Amtsarzt beim städtischen Gesundheitsamt. Weil die unwillkommenen, gleichwohl unvermeidlichen Tierchen entgegen der landläufigen Vorstellung nicht hüpfen können, krabbeln sie von Kinderkopf zu Kinderkopf.

Besonders gefährdet sind Mädchen, ist Peter Neumann, selbst Vater von Töchtern, überzeugt: «Mädchen stecken ihre Köpfe oft zusammen.»

Wie über eine Brücke gelangten dann die winzig kleinen, sechsbeinigen Parasiten von einem Kopf zum nächsten. Der Mediziner empfiehlt, lange Haare zu Pferdeschwanz oder Zöpfen zu binden. Am häufigsten seien Läuse über und hinter den Ohren sowie am Nacken zu finden, «weil sie eine bestimmte Temperatur zum Wohlfühlen brauchen».

Einmal abgeschüttelt oder ausgekämmt, seien die Plagegeister harmlos: «Wenn sie nicht alle vier Stunden Blut saugen können, sterben sie», weiß Peter Neumann. Nach ihren Blutmahlzeiten legt die geschlechtsreife weibliche Kopflaus täglich etwa vier bis zehn Eier, so genannte Nissen– insgesamt bis zu 270 Stück. Sie kann aber auch bei Zimmertemperatur nach bis zu zwei Tagen ohne weitere Blutmahlzeit noch voll entwicklungsfähige Eier legen. Die Eier sind etwa 0,8 Millimeter lang, oval, gräulich bis weiß oder auch durchsichtig und werden von der Kopflaus sehr fest in der Nähe der Haarwurzel ans Haar geklebt.

Blut saugen und winzige Eier ins Haar legen, ist der Lebenszweck der Tierchen, die sich laut Experten in Europa seit etlichen Jahren stabil eingenistet haben – da hilft auch aller Ekel nichts. Läuse-Alarm gehört in Frankfurts Kindergärten und Schulen alle Jahre wieder zu Herbst und Winter wie Laternelaufen und Krippenspiel.

Eine Pharmafirma hat sogar inzwischen das Läusebefall-Risiko für Kinder in Deutschland berechnet. Demnach besteht in Frankfurt bei «mehr als 90 Prozent aller Kinder» die Gefahr, sich die lästigen Parasiten einfangen.

Parasitologen gilt die Kopflaus als Gewinner der Globalisierung. Mit der Öffnung der Grenzen nach Osteuropa sei das in Mitteleuropa als ausgestorben geltende Insekt in Massen nach Deutschland zurückgekehrt. Ein Forscherteam um David Reed von der University of Florida in Gainsville (USA) hat mittels Erbgut-Analysen herausgefunden, dass der Mensch schon vor etwa 5,5 Millionen Jahren von der Kopflaus befallen wurde.

Das entspricht etwa dem Zeitpunkt, zu dem sich die Entwicklungslinien von Affe und Mensch trennten. Hier und heute werden Kopfläuse häufig als Zeichen mangelnder Hygiene und fortgeschrittener Verwahrlosung eingeordnet. Das macht die Bekämpfung der Parasiten kompliziert. Nicht selten nämlich schämen sich Eltern dafür, dass ihre Kinder Läuse haben, wollen vermeiden, dass ihr Nachwuchs gehänselt und ausgegrenzt werden und gehen – paradox genug – deshalb oft erst viel zu spät mit diesem zum Arzt. Manche gehen gar nicht. Diese Erfahrung gehört zu den absolut berechenbaren, in Arztpraxen wie beim Stadtgesundheitsamt.

Die wellenartige Wiederkehr der Läuse weist laut Amtsarzt Neumann auf eine erhebliche Behandlungslücke hin. Es sind nach Experteneinschätzung nicht allein die besonders verschämten Eltern, die diese verursachen. Auch inkonsequente und solche mit Öko-Attitüde helfen offenbar tüchtig mit, dass die Laus überlebt und sich pudelwohl fühlt.

Wer es nicht schafft, die Behandlung seines Kindes mit einem Anti-Läuse-Shampoo zwei Wochen lang durchzuhalten, päppelt den Parasiten ebenso wie diejenigen, die ihre Kinder erst gar nicht behandeln, weil sie das Spezialshampoo als Gift einstufen. Wird ein verlaustes Kind nicht konsequent behandelt, sind prinzipiell alle anderen Kinder in dessen Umgebung gefährdet, von den Parasiten befallen zu werden. «Konsequentes und häufiges Kämmen mit einem Spezialkamm hilft enorm», ermuntert Peter Neumann zu intensiver Körperpflege.

Von Kopfläusen befallene Kinder dürfen übrigens nicht in die Schule oder den Kindergarten. Neumann: «Die Eltern sind verpflichtet, die Kinder zu hause zu behalten und die Einrichtung zu informieren, die dann ihrerseits das Gesundheitsamt unterrichten muss.» Erst am Tag nach Behandlungsbeginn darf das Kind wieder zum Unterricht. Es besteht keine Attestpflicht. (enz)

Informationen zum Thema Kopfläuse:
http://www.pediculosis-gesellschaft.de/




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