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12.02.2009

Einmal Prinzessin für 85 Euro

Betritt ein Kunde das Büro von «Theaterkostüme Jansen» zum ersten Mal, ahnt er zunächst nicht, was ihn in den weiteren Räumen des Kostümverleihs erwartet.

In dem praktisch eingerichtetem Büro mit Schreibtischen und den üblichen Zimmerpflanzen weist nichts darauf hin, dass sich der Besucher in einem der führenden Kostümverleihe Deutschlands befindet. Geht man nur ein paar Schritte weiter, bis um die nächste Ecke, beginnt die Überraschung: Eine eindrucksvolle Ritterrüstung, Bestandteil der Kollektion von insgesamt 80 000 Kostümen, weist den Weg zur riesigen Lagerhalle des Kostümverleihs.

Dort, im ersten Stock, trifft der Besucher direkt auf Gerhard Jansen: Der 59-Jährige betreibt den Familienbetrieb mit seiner Frau Lydia bereits in der dritten Generation. Seit 36 Jahren führt er die neugierigen Kunden auf der Suche nach Kostümen durch acht Korridore, in denen riesige Regale aufgebaut sind, die die große Zahl der Kostüme beherbergen. «In unserem Sortiment wird jeder Kunde fündig», sagt Jansen, während er ein mittelalterliches Knappenkostüm (ab 60 Euro) hervorzieht. Einige Meter weiter warten feine Renaissancekleider (ab 70 Euro) auf noch unverkleidete Kundinnen, und am Ende des Korridors erstrahlen Kostüme für künftige Prinzen und Prinzessinnen (ab 85 Euro).

Die Preise bewegen sich zwischen 40 Euro für ein vergleichsweise schmuckloses Mönchskostüm und 270 Euro für eine Ritterrüstung. «Sollte das Kostüm zwicken oder zu weit fallen, sind kleine Änderungen in den Preisen inbegriffen», betont Lydia Jansen. Ihr ist es wichtig, nicht nur authentische Kostüme zu bieten, sondern ihre Kunden auch individuell zu beraten. «Man kann Figuren in Zeiten einordnen», erklärt sie lachend, während sie einer vollschlanken Kundin in der Umkleide abrät, ein auf die Taille zugeschnittenes Paillettenkleid aus den 40er Jahren zu wählen.

Im gegenüberliegenden Korridor hängen ausschließlich Verkleidungen aus den zurückliegenden Jahrzehnten. Der Kunde kann wählen, ob er sich in die 20er, 30er, 40er oder 50er Jahre zurückversetzen möchte. Er kann aber zeitlich noch weiter zurückgehen und sich in stilechte Kostüme aus den verschiedensten Epochen wie dem Barock oder sogar der Steinzeit verlieben, die ein paar Regale weiter untergebracht sind. «Dieses Jahr sind Verkleidungen aus der Rokokozeit der Renner», erzählt Lydia Jansen, während sie ein Kleid aus dem Regal zieht. Mit seinen ausladenden Schnitten und vielfältigen Stoffschichten ist es besonders extravagant. Für 150 Euro Leihgebühr können Frauen, die es opulent lieben, drei närrische Tage lang in einem dieser schweren Kleider feiern.

Auch die Goldenen 20er Jahre erleben bei Jansens dieses Jahr ein Comeback. Kleider mit Punkten konkurrieren mit fransigen Kostümen ab etwa 60 Euro. Unzählige Hüte und Boas geben diesen Kostümen originalgetreue Akzente. «Der Piratenboom hingegen ebbt wieder ab», stellt Lydia Jansen fest. Nicht selten bestimmen aktuelle Filme die Nachfrage. «Fluch der Karibik», etwa löste den Piraten-Boom aus. Ein Kostüm zur mittelalterlichen Marketenderin mit Ledermieder und Leinenrock für 85 Euro verwandelte Lydia Jansen kurzerhand mit einem Kopftuch in ein originalgetreues Piratenbrautkostüm. «Fast alle Kostüme stellen wir selbst her», verrät sie stolz.

Seit 21 Jahren residiert der Verleih in Alt Eschersheim 2. Im Jahre 1913 eröffnete Gerhard Jansens Großvater Johann den Betrieb. Nicht nur Privatpersonen schätzen das große Sortiment an Kostümen. Auch der Hessische Rundfunk, auch Otto Waalkes und US-Schauspieler Dennis Hopper haben schon mal was ausgeliehen. Nach wie vor stellt der Kostümverleih Jansen Verkleidungen für Theatergruppen von den Bad Hersfelder Festspielen zur Verfügung. Vor allem kleinere Theatergruppen leihen die hochwertigen Jansen-Kostüme.

«Leider sind auch wir von der wirtschaftlichen Krise betroffen», klagt Lydia Jansen. Bereits seit zehn Jahren gehe die Nachfrage stetig zurück. Während sich früher fast jeder auf großen Festzügen oder Jahrfeiern verkleidete, bleibt mit dem Wegfall solcher Veranstaltungen auch die Nachfrage beim Kostümverleih aus. Bislang blieb das noch ohne Auswirkung auf die Kundschaft. Nach wie vor werden die Kostüme jedes Jahr auf Vordermann gebracht, und auch den Kostümbestand erweitern die Jansens stetig. So kann es passieren, dass sich der Besucher nicht nur zwischen den vielen Regalen, sondern vor allem zwischen den vielen Jahrhunderten fast verliert, aus denen er für drei tolle Faschingstage wählen kann.

Von Vanessa Wonka




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