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24.06.2010

So schön wird die Ziehenschule

Die 1400 Schüler der Ziehenschule dürfen sich freuen. Die Stadt investiert mehr als 20 Millionen Euro in die Infrastruktur ihres Gymnasiums. Am Ende des ersten Bauabschnitts steht ein neues Nebengebäude. Das Richtfest dafür wurde gestern gefeiert.

Jutta Ebeling (Grüne) durfte gestern in Erinnerungen schwelgen: Die Bildungsdezernentin besuchte die Ziehenschule, in der sie in den 60er Jahren ihr Abitur gemacht hat. Anlässe für die Reise in die Vergangenheit waren die Grundsteinlegung und das Richtfest für ein neues Nebengebäude.

Dass die sonst separat begangenen Festlichkeiten zusammengelegt wurden, begründete Frau Ebeling mit dem «Bauboom» in Frankfurt: 2010 und 2011 investiere die Stadt insgesamt 132 Millionen Euro in Schulen. «Da gibt es so viel zu eröffnen und zu feiern, dass wir die Dinge etwas zusammenlegen müssen.»

Das dreigeschossige Nebengebäude, in dessen Rohbau gestern Lieder gesungen und Häppchen verputzt wurden, lässt sich die Stadt 8,7 Millionen Euro kosten. Die Nutzfläche von 1600 Quadratmetern entfällt auf elf Klassenzimmer, Sanitärräume, eine Küche, Cafeteria und Mensa. Wenn alles plangemäß läuft, können die Schüler im April 2011 einziehen.

Der Clou des Bauwerks, das vom Frankfurter Büro «Schmitt Neumann Architekten» entworfen wurde, ist jedoch sein energetisches Konzept. Die Klassenräume des Passivhauses sind nach Osten, Süden und Westen ausgerichtet, so dass im Winter und in den Übergangsmonaten Energie gewonnen wird; die Nordfassade ist – mit Ausnahme von Ausgängen – komplett geschlossen.

Haus mit grünem Mantel

Die Fassaden sollen mit Kletterpflanzen spektakulär begrünt werden: «Das Gebäude wird einen grünen Mantel haben», kündigt Projektleiter Harald Heußer vom Hochbauamt an. Die Vegetation unterstütze das Energiekonzept: «Im Sommer sind die Blätter da, um das Gebäude vor der Sonne zu schützen; im Winter sind sie weg, so dass die Solarstrahlung an die Fenster gelangt und in Wärme umgewandelt werden kann.»

Auch im Hinblick auf den geplanten Schulpark, in dem kleine Plätze zum Verweilen einladen sollen, sei das Haus als «Green Building» (Grünes Gebäude) konzipiert worden. «Das Bauwerk stört architektonisch nicht, sondern wächst gleichsam aus dem Park empor», sagt Heußer.

Ein Gebäude, das aus Sicht des Planers noch stört, ist hingegen der alte Anbau der Ziehenschule, ein Provisorium aus den frühen 1970er Jahren. «Derzeit wird geprüft, ob der Anbau saniert oder abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.» Fest stehe, dass die Stadt für diesen zweiten Bauabschnitt an der Ziehenschule wiederum etwa 8,7 Millionen Euro zur Verfügung stellen werde.

Der dritte Bauabschnitt wird frühestens beginnen, wenn der zweite abgeschlossen ist: Er betrifft ein marodes Gebäude des ehemaligen Straßenbahndepots in unmittelbarer Nachbarschaft der Schule. Dieses könnte, so die Idee der Planer, zu einem kleinen Theater umgebaut werden. Die theaterpädagogische Arbeit spielt an der Ziehenschule nämlich eine wichtige Rolle.

Lernen im Park

«Wir stellen uns vor, dass auf dem Gelände der Ziehenschule künftig Campus-Atmosphäre herrscht», sagt Heußer mit Blick auf den Schulpark, der viele Jahre existierte und zwangsläufig den Bauarbeiten geopfert wurde. Der neue Park soll sich außer durch Plätze auch durch eine Allee auszeichnen. «Die Schüler verbringen heute ja viel mehr Zeit in der Schule.»

Als symbolischer Grundstein diente gestern übrigens eine kupferfarbene Kiste, die der Polier Marco Engelmann in eine Aussparung in der Wand betonierte. In die Kiste hatte Jutta Ebeling zuvor verschiedene Münzen und zwei Tageszeitungen, darunter eine FNP, gesteckt.



Von Christian Scheh

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