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01.07.2011

Dauerkritik am 69er-Bus

Seit Jahren beschweren sich Fahrgäste über die Quartierslinie in Eschersheim. Ursprünglich sollte die Linie 69 die Eschersheimer besser an die U-Bahn anbinden. Doch der Bus hat technische Probleme, der Ersatzwagen ist alt und der Service lässt zu wünschen übrig.

Morgens am Weißen Stein. Ein Bus fährt an seiner ersten Haltestelle vor. Die Türen öffnen. "Ist das hier die Linie 69?", fragt ein Fahrgast den Fahrer. "Ja", antwortet dieser. "Steht das denn nicht vorne drauf?" Der Fahrgast verneint dies und steigt ein, der Fahrer flucht und schimpft: "Immer das gleiche." Er betätigt ein paar Tasten, geht hinaus, sieht nach der Außenanzeige, dann geht er wieder hinein und klebt einen abgegriffenen Zettel an die Windschutzscheibe. "69" steht mit Kugelschreiber darauf. Der Bus fährt los – fünf Minuten später als er sollte.

Die Fahrt mit der Eschersheimer Quartierslinie ist kurz: Nach zehn Minuten ist bereits die Endstation an der Hügelstraße erreicht; insgesamt acht Stationen im Stadtteil fährt der Bus an und verkehrt nur jede halbe Stunde. Ob der heute Morgen als Ersatzwagen im Einsatz befindliche Bus auch an der gewünschten Station Halt macht? Die Passagiere erfahren es nicht: Die Anzeige "Wagen hält" ist ebenfalls defekt. Eine Linienverlaufsanzeige hat er nicht; dafür ist er zu alt.

Technische Probleme

Seit Ende 2007 gibt es die Linie 69. Ein so genannter Midibus wurde angeschafft, der auch durch enge Straßen manövrieren kann und Eschersheim mit der U-Bahn verbinden soll. Doch immer wieder gab es technische Probleme, so dass wie an diesem Morgen ein alter Ersatzbus eingesetzt werden musste. In der Vergangenheit beschwerten sich Fahrgäste über Ausfälle, Verspätungen und Dreck im Fahrzeug. Türen hätten sich nicht schließen lassen, im Winter hätten Fahrgäste gefroren.

Besonders der alte Ersatzbus wurde immer wieder kritisiert. Der Magistrat hat auf Anfragen des Ortsbeirats 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) hin den Wagen verteidigt: Das Ersatzfahrzeug erfülle die Anforderungen fast vollständig, habe sogar eine grüne Plakette für die Umweltzone. Nur die Haltestangen im Türraum seien nicht taktil, was heißt, dass sie nicht druckempfindlich ist.

Im vergangenen Jahr hat der Ortsbeirat angeregt, die Linie 69 zu verlängern. Der Bus könnte, so der Vorschlag, nach der Station Kurhessenstraße durch Alt-Ginnheim bis zum Markuskrankenhaus fahren. Darauf folgte aber eine klare Absage der Stadt: Die Linie 69 so zu verlängern, sei nicht wirtschaftlich. Jährlichen Kosten von 200 000 bis 250 000 Euro würden nur ein geringen Nutzen gegenüberstehen, da die Strecke sich mit der Linie 39 überschneiden würde und daher nur wenige Fahrgäste zu erwarten seien.

Zudem wäre eine Anbindung des Ginnheimer Ortskerns nur in eine Fahrtrichtung möglich. Durch die Verlängerung könnten zudem Quartiere im östlichen Eschersheim nicht mehr angefahren werden. Stattdessen soll nun geprüft werden, die Linie durch die Kurhessenstraße zu verlängern.

Unfreundliche Fahrer

Nicht nur der Bus selbst, auch sein Personal erregt Anstoß: Die Fahrer sollen zu lange Pausen machen und anschließend rasen, mit dem Handy telefonieren und nicht immer halten, wenn die Passagiere "Stopp" drücken, auch sollen die Fahrer die Busse nicht für Gehbehinderte abgesenkt haben. "Das derbe Verhalten der Fahrer auf dieser Strecke nimmt immer mehr zu", sagt Gabriela Tucek, die regelmäßig den 69er-Bus nutzt.

Tucek berichtet außerdem von folgendem Ereignis: Am Morgen des 8. Juni sei ein Vater mit einem Kinderwagen und einem Kleinkind ausgestiegen. Genau in dem Moment, in dem der Mann den Kinderwagen vor sich hinausgeschoben habe, habe der Fahrer die Tür geschlossen, so dass das Kind eingeklemmt worden sei. "Auf die Hilferufe von uns Mitfahrern hin hat er uns angebrüllt: Wir sollten die ,Fresse’ halten", sagt Gabriela Tucek. "Statt einer Entschuldigung hat er uns massiv gedroht. Wir hatten Angst."

"Wir haben uns bei der Kundin entschuldigt", sagt Klaus Linek, Sprecher der lokalen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq. "Ein solches Verhalten – wenn es denn so war – ist nicht akzeptabel. Das ist nicht die Form von Kundendienst, wie wir ihn uns vorstellen." Linek weist aber auch darauf hin, dass alle Türen – auch die des Ersatzbusses – über eine Sicherheitseinrichtung verfügten. "Über die Linie 69 sind verhältnismäßig wenige Beschwerden eingegangen, die letzte vor einem Jahr", betont der Traffiq-Sprecher zudem.

Trotz aller Kritik steht für Gabriela Tucek die Notwendigkeit des Busses aber fest: "Auch wenn der Service nicht gut ist: Wir sind froh, dass wir die Linie haben."



Von Lukas Gedziorowski

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