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20.01.2012

Ziehenschule wird wieder zur Baustelle

Ortsbeirat und Schulleitung fordern mehr Mitsprache. Ein Vierteljahr nach Fertigstellung des Mensa-Komplexes steht an der Ziehenschule jetzt die Erneuerung des Erweiterungsbaus aus den 70er Jahren an. Laut Stadt kann es mit den Planungen bald losgehen. Schon jetzt fordert die CDU eine bessere Mitbestimmungs-Politik als bisher.

Eigentlich sollte der Erweiterungsbau des Ziehen-Hauptgebäudes nur ein paar Jahre stehen, als er Anfang der siebziger Jahre geschaffen wurde. "Anscheinend reagierte man damals auf den Babyboom. Die Idee war wohl, wieder abzureißen, wenn der Gipfel erst einmal überschritten war", sagt Schulleiter Manfred Eichenauer. Trotz seinem provisorischen Charakters sei der Bau im nördlichen Teil des alten Flügels aber stehengeblieben, sehr zum Unwillen der nachfolgenden Lehrer- und Schülergenerationen: "Die dünnen Wände sind sehr lärmempfindlich. Da hört man jeden Satz, der im Nebenraum gesprochen wird." Die Wände seien einfach in eine Stahlkonstruktion in Skelettbauweise eingefügt.

Zehn Millionen Euro

Vor allem aber, weil der Brandschutz bereits vor sechs Jahren für mangelhaft erklärt wurde, soll jetzt der alte Bau abgerissen und durch einen neuen ersetzt werden. "Unser Ziel war es, nach der Fertigstellung des ersten Neubaus sofort mit den Planungen für den zweiten zu beginnen", erklärt Martin Müller-Bialon, Referent von Schuldezernentin Jutta Ebeling (Grüne). Im Dezember war der neun Million teure Komplex, der neben Klassenzimmern auch eine Mensa beherbergt, eingeweiht worden (wir berichteten). "Wenn alles glattläuft, können wir im Herbst 2013 mit dem Abriss und Neubau beginnen", erklärt Müller-Bialon. Noch müssen die eine Million Euro Planungsmittel aber in den Haushalt aufgenommen werden. Der Referent ist zuversichtlich: "Mit Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) sind wir uns zumindest einig." Ausgehend von diesen Planungskosten sei dann erfahrungsgemäß mit Baukosten um die zehn Millionen Euro zu rechnen.

Noch gebe es aber keine direkten Gespräche zwischen Schule und Stadt. Die CDU im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) hofft, dass es diesmal einen intensiveren Austausch gibt als beim Mensa-Neubau, erklärt Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU), der auch Lehrer an der Ziehenschule ist: "Damals durfte nicht einmal über die Farbe des Mobiliars diskutiert werden. Es hieß immer, das sei ein architektonisches Gesamtkunstwerk." Noch sei aber unklar, über welche Schnittstellen eine solche Zusammenarbeit laufen könnte. "Wir wollen, dass die ganze Schulgemeinde ihre Vorschläge einbringen und mitbestimmen kann", sagt Hesse. Deshalb fragt die CDU in einem Antrag aus der Sitzung des Ortsbeirats gestern Abend nicht nur nach dem Stand der Planungen, sondern auch, welche Mitsprache-Regeln gelten sollen.

Müller-Bialon ist grundsätzlich für Mitbestimmung, schränkt aber ein: "Der Bau wird fünfzig bis achtzig Jahre stehen. Deshalb kann nicht die heutige Schüler- und Elterngeneration für alle Nachfolgenden entscheiden." Für eine so langfristige Planung müsse der "Lebenszyklus" des Gebäudes im Ganzen betrachtet werden. Laut Gesetz sei das Dezernat zu keiner Einbeziehung verpflichtet. Die Schulgemeinde solle aber auf keinen Fall übergangen werden: "Für uns ist der Schulleiter der Anprechpartner, der vom ersten Tag an den Planungen beteiligt ist", sagt Müller-Bialon. So säße die Schulleitung immer in der Jury des Architektenwettbewerbs.

Lehrer brauchen Arbeitsplätze

Schulleiter Eichenauer hat schon genauere Vorstellungen, was der Neubau leisten muss. Mit den Entwicklungen der letzten Jahre müsse ein neues Raum-Konzept her, fordert er: "Weil die Schule jetzt statt bis 13 Uhr bis 18 Uhr geht, brauchen die Lehrer eigene Arbeitsplätze." Mit dem Neubau will er auch das Schulgelände umstrukturieren. "Heute ist das Gelände zerrissen: Am einen Ende liegt die Verwaltung, der Mensa-Neubau liegt am anderen. Das wollen wir ändern und mit dem neuen Erweiterungsbau die Verwaltung wieder ins Zentrum bringen." Die alten Verwaltungsräume könnten dann wieder in Unterrichtsräume umgewandelt werden, was sie vorher schon einmal waren.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 20. Januar 2012.Von Lucas Jager

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