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13.02.2013

Bunker ist verkauft

Käufer zahlte rund 1,9 Millionen Euro – Schützen und Musiker fürchten um ihre „Heimat“. Bundesweit werden Bunker, die nicht mehr der Zivilschutzbindung unterliegen, verkauft. Was mit den dort untergebrachten Vereinen geschieht, ist oft unklar.

Jetzt hat es den Schützenverein in Eschersheim 1903 getroffen. Er erfuhr kürzlich vom Ortsbeirat 9 (Ginnheim, Eschersheim, Dornbusch), dass der Bunker verkauft wurde. Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), dass der Kaufvertrag am gestrigen Mittwoch notariell beurkundet wurde. Der Käufer habe rund 1,6 Millionen Euro bezahlt. Die Identität des Käufers und dessen Pläne für das Gebäude gebe man aber nicht bekannt.

Die Mitglieder des Eschersheimer Schützenvereins sehen sich nun einer "ernsten Krise" gegenüber. Der ehemalige Zivilschutzbunker war fast 30 Jahre lang die Heimat des Vereins gewesen.

Heimat seit 1984

Die Klubräume und Schießstände sind bereits seit 1984 dort untergebracht. Die dicken Betonwände schlucken die Schussgeräusche und ermöglichen es den Schützen also, mitten im Stadtteil ihrem nicht gerade geräuscharmen Sport nachzugehen. Auch das Außengelände erweist sich als optimal – es ist so groß, dass die neue Bogenschützen-Mannschaft dort trainieren kann.

"Die örtlichen Gegebenheiten waren immer optimal für uns gewesen", erzählt Annelie Huth, Ehefrau des Vorsitzenden Ullrich Huth und Kassenwartin des Vereins. "Wir stören hier niemanden mit unseren Schießübungen und es ist genug Platz für alle da." Neben dem Schützenverein gibt es auch noch viel Platz für einen Kraftraum des Turnvereins Eschersheim und Proberäume für diverse Musiker und Bands.

Die etwa 80 Mitglieder des Schützenvereins fühlen sich schlecht informiert und sind ratlos. "Wir wissen nicht, wie es weitergeht, man sagt uns ja auch nichts. Klar ist doch aber, dass eine ähnliche Bleibe schwierig zu finden sein wird", kritisiert Huth. So sei beispielsweise die gute Erreichbarkeit des Bunkers mit Bus und Bahn für die erfolgreichen Jugendschützen an einem neuen Standort nicht unbedingt gegeben.

Problem ist nicht neu

"Das Problem ist nicht neu", sagt dazu Gerwin Fassing, Referent von Markus Frank (CDU), Dezernent für Wirtschaft, Sport, Sicherheit und Feuerwehr. Eine ähnliche Situation habe es bereits im Frankfurter Westen gegeben, erinnert er. Der Bunker in Unterliederbach sei beispielsweise von einer Privatperson gekauft und als Lager genutzt worden – der bis dato dort untergebrachte Schützenverein musste weichen.

Es zeichnet sich ein Trend ab. Bunker, die nicht mehr der Zivilschutzbindung unterliegen, werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als attraktive Immobilien zum Verkauf angeboten. "In der Tat ist es so, dass viele Bunker nach und nach dem Verkauf zugeführt werden", räumt Thorsten Grützner von der BImA offen ein. Das Unternehmen des Bundes, früher als Bundesvermögensanstalt bekannt und heute einer der größten Immobilieneigentümer Deutschlands, bietet die Bunker bundesweit zum Verkauf an. Gerwin Fassing sieht bereits einen Ausweg für den Schützenverein. Die städtischen Saalbau-Gebäude etwa in den Stadtteilen Zeilsheim, Oberrad und Nieder-Erlenbach verfügten über eigene Schießstände, die die Eschersheimer Schützen durchaus nutzen könnten. Zudem könnte der Verein noch darauf hoffen, dass der Käufer des Bunkers "Im Wörth" eventuell den Mietvertrag verlängere.

Magistrat soll reden

Nun hat sich der Ortsbeirat 9 eingeschaltet. Er behandelt heute einen Antrag der CDU: Der Magistrat soll eine Stellungnahme zum Verbleib des Schützenvereins am bisherigen oder einem anderen Standort liefern. Das Gremium tagt heute um 19.30 Uhr im Saal der katholischen St. Josef-Gemeinde, Rhaban-Fröhlich-Straße 18.

Vor der Sitzung gibt es wie immer eine öffentliche Bürgerfragestunde. Ein Vertreter des Amtes für Straßenbau und Erschließung wird über Verkehrsprojekte der Stadt berichten und Fragen beantworten. (rio)



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 13. Februar 2013

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