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24.05.2013

Ein Plädoyer für den Pflegeberuf

Gastbeitrag anlässlich des Tags der Pflegenden am 12. Mai Autor: Lars Albert, Heimleitung Seniorenpflegeheim Casa Reha „An den Niddaauen“ in Frankfurt/ Eschersheim

Der 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflegenden. Dies ist eine gute Gelegenheit, weniger bekannte Aspekte des Pflegeberufs zu beleuchten und veraltete Vorstellungen zu korrigieren.

Über Jahrhunderte wurde das Bild der sich ehrenamtlich, also unentgeltlich, aufopfernden Frau als Pflegerin kultiviert. Die schon seit einigen Jahrzehnten vollzogene Professionalisierung des Berufs, den auch immer mehr Männer ergreifen, ist vor diesem Hintergrund noch nicht genügend wahrgenommen worden. Selbst die gesetzlichen Rahmenbedingungen haben sich dieser Entwicklung noch nicht vollständig angepasst. So sind die von den Pflegekassen zugesprochenen Personalschlüssel bekanntermaßen zu gering bemessen. Sie entsprechen nicht mehr den Anforderungen, die heute an die Pflege gestellt werden. Änderungen werden dennoch nicht vorgenommen. Offenbar setzt die Gesellschaft noch immer auf die Aufopferungsbereitschaft der Pflegenden. Es ist überfällig, der hohen Verantwortung und Leistung dieser Berufsgruppe die angemessene öffentliche Anerkennung erfahren zu lassen. „Wir möchten, dass Menschen aufblühen“ – Dieses Motto gilt für die Pflegebedürftigen genauso wie für Mitarbeitenden. Bundesweit unterstützen viele Aktionen den Tag, damit die Pflege ganzheitlich gesehen wird. In unserem Unternehmen danken wir aus diesem Anlass unseren Mitarbeitenden mit einer Blume, die das Motto symbolisch unterstreicht.

Der Pflegeberuf bietet vielfältige Perspektiven. Diese bekannt zu machen, ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Angesichts des demografischen Wandels und der eklatanten Fachkraftlücke werden Nachwuchskräfte dringend benötigt. Voraussetzung ist, dass das öffentliche Bild der Pflege realitätsbezogen wird. Die rapide Alterung unserer Gesellschaft bietet viele Chancen für die Gesellschaft und Wirtschaft. Für die Beschäftigten bedeutet sie unter anderem einen krisenfesten Arbeitsplatz in einem der 13.000 Seniorenpflegeheime Deutschlands. Eine Einrichtung ist somit immer in räumlicher Nähe.

Die Altenpflege ist in Deutschland einer der selten gewordenen Berufszweige, der auch spät entschlossenen Arbeitnehmern vielfältige Karrieremöglichkeiten bietet. Die Karriereleiter ist selbst für Pflegekräfte mit einjähriger Ausbildung offen. Durch die Arbeitsagenturen oder Arbeitgeber gefördert, kann die Qualifizierung zur Fachkraft erfolgen. Dann eröffnen sich zwei unterschiedliche Wege: Einerseits die fachliche Qualifikation, beispielsweise als Gerontofachkraft oder im Wundmanagement. Andererseits für Arbeitnehmer mit Interesse an Führungsaufgaben im Management als Wohnbereichs-, Pflegedienst- oder Heimleitung. Letztere führt immerhin einen mittelständischen Betrieb mit 70 Mitarbeitenden. Große Träger wie die Casa Reha Unternehmensgruppe bieten zudem übergreifende regionale Tätigkeiten oder Trainee-Plätze für Hochschulabsolventen.

Ein verbreiteter Irrglaube ist der Gedanke, dass jeder pflegen kann. Wie andere Berufsgruppen auch, haben Pflegekräfte ein spezifisches Anforderungsprofil. Dazu gehört eine hohe soziale Kompetenz und Empathie, um mit Pflegebedürftigen und deren Angehörigen gut umgehen und im Team arbeiten zu können. Gleichzeitig liegt den Beschäftigten das strukturierte Arbeiten in klaren Prozessen. Das Aufgabengebiet ist vielfältig. Die Tätigkeiten sind sinnhaft und sinnstiftend und somit persönlich sehr erfüllend. Pflegende erfahren unmittelbar die Bedeutung und Wirkung ihres Tuns. Der Beruf umfasst neben der Krankenpflege und dem Mitwirken bei der medizinischen Diagnostik und Therapie auch sozialpflegerische, betreuende und im Alltag unterhaltende, gesellige Anteile.

Die Pflege ist ein abwechslungsreicher Beruf, der wichtige persönliche Kompetenzen vermittelt. Die Mitarbeitenden tragen eine hohe Verantwortung. Im Rahmen des stark regulierten Systems führen sie ihre Arbeit mit hohem Engagement und persönlichem Einsatz für die Senioren aus. Dafür haben sie meinen Respekt und Dank. Ich würde mich freuen, wenn viele andere Menschen dies genauso sehen und den Pflegenden zeigen.



Ein weiterer Aspekt, der Aufklärung verlangt, ist die Frage nach der Bezahlung. Fakt ist, dass die Pflege sich im gleichen Gehaltskorridor bewegt wie andere ehrenvolle Berufe. Aber natürlich ist zu hinterfragen, ob das Lohnniveau angemessen ist? Wer sich im Schichtbetrieb um die gesundheitlichen und sozialen Aspekte seiner Mitmenschen kümmert, verdient in Deutschland leider erheblich weniger als beispielsweise ein Automechaniker. Wie lange will die Gesellschaft dies hinnehmen, wenn die Pflege eine Zukunftsbranche ist, an Bedeutung gewinnt und Pflegekräfte schon heute zu Zehntausenden fehlen?

Hintergrundinformationen

In 2011 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 950.000 Menschen in der Pflege. Damit beschäftigt die Branche deutlich mehr Mitarbeitende als die Automobilindustrie mit 730.000 Mitarbeitenden (Quelle: VDA, Verband der Automobilindustrie).

Aufgrund der demografischen Entwicklung wird in Deutschland die Zahl der Pflegebedürftigen von 2,5 Mio. bis 2020 auf 2,9 Mio. Menschen ansteigen. Bis 2030 steigt ihre Zahl auf 3,4 Millionen. Laut Prognos-Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft e.V. „Pflegelandschaft 2030“ fehlen dann 506.000 Pflegekräfte. Bereits bis 2020 steigt der Bedarf an Pflegekräften um knapp 280.000 Personen.

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