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11.10.2013

In guter alter Tradition

Thomas Tessun eröffnet Elektrogeschäft in Eschersheim - und knüpft, wenn auch an anderem Ort, an Bischof und Linke an. Die Eschersheimer Landstraße hat ein neues Elektrogeschäft: „Elektro Eschersheim“, Hausnummer 312, nahe der Fritz-Tarnow-Straße. Der Geschäftsführer des neuen Ladens ist kein Unbekannter: Thomas Tessun hätte beinahe das Traditionsgeschäft Bischof und Linke übernommen.

Das Telefon klingelte bereits in den vergangenen Tagen im Minutentakt, dabei eröffnet der Laden erst am heutigen Freitag offiziell. Thomas Tessun (49) nahm jeweils den Hörer ab und meldete sich mit dem Namen „Elektro Eschersheim“ - sehr zum Verdutzen manches Anrufers, der eigentlich das Elektrogeschäft Bischof und Linke erreichen wollte.

Telefonnummer bleibt

Tessun erklärte, er sei zwar nicht der Nachfolger von Richard Linke, dem pensionierten Ex-Inhaber des seit Juni geschlossenen Traditionsgeschäfts in der Eschersheimer Landstraße 541, weil er dessen Geschäft eben nicht weiterführe. Die Telefonnummer (52 28 83), manche Garantieansprüche und auch die Firmenphilosophie habe er aber übernommen, weil er im Frühsommer kurz davor war, Linkes Nachfolger zu werden. Aufgrund eines Streits mit den Vermietern des Ladengeschäfts kam es allerdings nicht dazu (wir berichteten).

Da Tessun aber nun „Elektro Eschersheim“ eröffnet - mit dem Elektromeister Igor Gillung als Partner - konnte er am Telefon dennoch die Kundenwünsche notieren und auf das neue Ladengeschäft verweisen. Auch dort wird es künftig „TV, Audio, Video, Sat, Elektro und Hausgeräte“ geben, perspektivisch zudem IT-Service rund um Computer und Internet sowie Rat und Tat im Sinne des Kunden und nach Vorbild Richard Linkes.

Dass Letzterer nach 49 Jahren in Rente ging und die Pforten seines Geschäfts für immer schloss, war für viele Eschersheimer eine sehr schlechte Nachricht - vor allem für solche, denen Linkes Servicegedanke wichtig war und die den Weg in die Innenstadt scheuen, nur um ein paar Glühbirnen oder Batterien zu kaufen. Michael Aster aus Nieder-Eschbach, ehemals in Eschersheim wohnhaft, sagte über Bischof und Linke daher: „So ein Laden fehlt hier jetzt. Wer schließt noch Geräte an? Wer kümmert sich gerade um ältere Leute? Woanders wird doch nichts mehr repariert, nur noch ausgetauscht.“ Sehr froh sei er deswegen jetzt, erklärte Aster, dass Tessun seinen Laden eröffne und Linkes Tradition weiterführe.

Besondere Vorteile

Thomas Tessun freut sich auch, dass es nun soweit ist, schließlich hat er seit der Schließung von Bischof und Linke nach Räumlichkeiten gesucht, die auch bezahlbar sind. „Absurde Preise“ hätten manche Vermieter aufgerufen. Insbesondere die kurze Entfernung von zwei U-Bahn-Stationen zu Linkes früherem Laden und die zahlreich vorhandenen Parkplätze seien nun aber besonders vorteilhaft, erklärt er.

Da er den Laden aber „aus dem Boden stampfen“ müsse, also weder „Licht, Strom, Gas, Wasser“ noch „Lieferantenkontakte, Konten oder Versicherungen“ von Bischof und Linke übernehmen könne, sei er derzeit sehr gestresst. „Nach einer Woche mit 80 bis 90 Stunden Arbeit komme ich vielleicht am Wochenende dazu, die Buchhaltung zu machen“, sagt Tessun. Als Konsequenz blieb das Einräumen des Ladens noch auf der Strecke, weshalb sich zu Beginn der Woche noch viele Umzugskartons stapelten und die Ladentheke leer ausnahm. Zur Eröffnung aber, verspricht er, „sieht alles frisch und neu aus, inklusive Schaufenster und Dekoration“. Bis Samstag sollen die Eröffnungsfeierlichkeiten anhalten, Neugierige sind eingeladen, sich einen Eindruck zu verschaffen. Und weil der Geschäftsbetrieb damit offiziell eröffnet ist, kann nun „alles, was einen Stecker hat“, zu ihm gebracht und repariert werden.

Von Thorben Pehlemann



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 11.10.2013

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