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08.01.2015

50 Stimmen singen für Frieden

Mit Auftritten an der Copacabana, im Petersdom in Rom und in der Kathedrale von Canterbury hat sich der Jugendchor Eschersheim unter der Leitung von Hans-Dieter Kreis in den letzten 50 Jahren auch international einen Namen gemacht. Für die Stadt Frankfurt ist er zum musikalischen Botschafter geworden.

Die Frage, wie er sich 50 Jahre lang derart motivieren konnte, sollte man Hans-Dieter Kreis, dem Chorleiter des Eschersheimer Jugendchores ersparen. Denn die Frage stellt sich ihm nicht. Mit glänzenden Augen erzählt er von den Reisen des Chors in ferne Länder, von Freundschaften, die dabei geschlossen wurden, und von der familiären Atmosphäre während der Chorproben, die sich in den letzten 50 Jahren kaum geändert habe.

Wandel zu Familienchor

Und tatsächlich hat sich der Jugendchor, den Kreis 1965 als Leiter übernahm, sich inzwischen eher zum Familienchor gewandelt. Nicht nur der Chorleiter, der als 17-Jähriger erstmals den Taktstock in der St. Josef-Kirche in Eschersheim schwang, sondern auch seine Sänger sind älter geworden. „Eine unserer Sängerinnen ist seit 40 Jahren beim Chor und hat auch ihre inzwischen volljährigen Kinder mit der Begeisterung infiziert.“ In 50 Jahren sind unter den Chormitgliedern allerlei Freundschaften und sogar Ehen erwachsen. Familienchor trifft es also gut.

Rund 1500 Konzerte hat der Chor in dieser Zeit gegeben, viele davon auf den 35 Gastspielen im In- und Ausland. Was 1966 mit einem Auftritt im Benediktinerkloster in Münsterschwarzach begann, wo ein ehemaliger Chorsänger Mönch geworden war, führt die Sänger inzwischen fast jährlich auf Reisen. Nach China, Brasilien, Italien, Großbritannien und Israel ist es in den letzten Jahren schon gegangen. Geschichten von diesen Reisen hat der heute 66-jährige Kreis eine Menge auf Lager.

Zum Beispiel die Anekdote, wie ihn im Jahr 2000 beim Gastspiel in einer Favela in Rio de Janeiro – so nennen die Brasilianer ihre Elendsviertel – ein Drogenboss per Handschlag begrüßte. Dieser „Patron“ hatte nämlich vorher einwilligen müssen, damit die Reise für die Chorsänger nicht lebensgefährlich endet. „Unsere Reise-Erfahrungen waren nicht immer nur positiv aufregend“, sagt Kreis, der sich heute wohl nicht mehr auf ein solches Gastspiel einlassen würde.

Doch Hans-Dieter Kreis und sein Chor haben sich neben dem Singen auch der Wohltätigkeit verschrieben. So passt der Besuch der Favela ins Bild. „Ein Bekannter von mir kam als Lehrer einer deutschen Schule nach Rio de Janeiro und hatte jahrelang aus dem Schulfenster einen Blick auf das Armenviertel. Als sein Vertrag ausgelaufen war, stand sein Entschluss fest, dort eingreifen zu müssen – und so eröffnete er eine Musikschule in der Favela“, erzählt Kreis. Der Eschersheimer Jugendchor gab mehrere Benefizkonzerte, um diese Schule zu unterstützen. Als Dank folgte die Einladung nach Rio, und der Aufenthalt war trotz aller Gefahren für alle eine wichtige Erfahrung.

Bedeutsam war auch das Friedensnetz, das der Chor 2005 über die chinesische Mauer spannte. „Bei einem Friedenslied nahmen sich alle Chorsänger an die Hand, die Chinesen machten und sangen kurzerhand mit“, erzählt Kreis. Ihn hat dieser Moment damals besonders beeindruckt. Denn Friedenslieder machen das Repertoire des Chores neben Gospels, Spirituals, Sacro Pop und zahllosen Weihnachtsliedern aus.

Dabei blieb der pensionierte Lehrer für Mathematik und Politik seiner Linie treu, auch wenn sich die Kirche 1978 von ihm getrennt hatte, weil er „in wilder Ehe“ mit seiner späteren Frau Claudia zusammenlebte. Schon vorher war der Kirche seine moderne Interpretation der geistlichen Musik bitter aufgestoßen, denn Kreis brachte als einer der ersten auch Jazz in ein Frankfurter Gotteshaus. Die Abmahnungen des Domprobstes gingen jedoch ins Leere.

Empfang im Römer

Der Standfestigkeit seines Leiters verdankt es der Chor, dass er im kommenden Mai im Römer zahlreiche Ehrengäste empfangen darf, wie es bei großen Vereinsjubiläen in der Stadt üblich ist. Befremdlich findet Kreis, der auch Vorsitzender und Geschäftsführer des Jugendchores Eschersheim ist, dass ihm dafür eine hoher Kostenvoranschlag ins Haus geflattert ist. Dafür, dass die Stadt den Chor zum musikalischen Botschafter Frankfurts ernannt hat, hätte er sich mehr Entgegenkommen gewünscht.

Den Taktstock abgeben will Kreis noch lange nicht, auch wenn die Gesundheit ein Kürzertreten früher oder später erfordern wird. Dann wird er Ämter niederlegen müssen. Der Chorleiterposten soll aber der letzte sein, den er abgibt. „Da muss noch viel passieren, dass ich mein Baby in fremde Hände lege“, betont der agile Eschersheimer.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 08.01.2015. Von Sandra Kathe

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