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13.02.2015

Kahlschlag an der Bahnlinie

Die Bahn hat zugeschlagen und an der Trasse in Eschersheim und Ginnheim gleich mehrere Bäume abholzen lassen. Das Aktionsbündnis „Bahnane“ fürchtet einen Zusammenhang mit dem Ausbau der Main-Weser-Strecke. Dies weisen Bahn und Umweltamt aber zurück.

Eschersheim/ Ginnheim.
Kaum ein Baum steht noch zwischen dem Eschersheimer Birkholzweg und der Bahntrasse. Wenige hundert Meter weiter sieht es nicht anders aus – auch am Friedhof Eschersheim hat die Deutsche Bahn AG in den vergangenen Wochen fast alle Bäume fällen lassen. Das empört viele Anwohner. „Es ist eine Unverschämtheit, die gesunden Bäume einfach zu fällen“, ist eine Passantin erkennbar erbost.
Auch das Aktionsbündnis „Bahnane“ protestiert. „Die umfangreichen Baumfällarbeiten entlang der Strecke sehen nicht danach aus, als handle es sich dabei lediglich um Sicherungsmaßnahmen. Denn es wurden in hohem Umfang auch gesunde Bäume mit großem Stammdurchmesser gefällt, die seit Jahrzehnten keine Gefahren für den Bahnverkehr darstellen“, kritisiert Sprecher Michael Hub.

Er vermutet vielmehr, dass die Fällarbeiten in Zusammenhang mit dem Ausbau der Main-Weser-Bahn stehen. Zumal die Bahn AG nicht nur in Eschersheim und Ginnheim, sondern in unregelmäßigen Abständen bis nach Bad Vilbel aktiv war. Unterstützung erhält Hub dabei von Mitgliedern des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim). Sowohl Klaus Funk (FDP) als auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Inge Cromm erwarten von der Stadt künftig rechtzeitig über „solch massive Eingriffe in die Natur“ informiert zu werden. Während die CDU-Politikerin sich allerdings entschieden hat, sich über den „kurzen Dienstweg“ direkt an die Stadt zu wenden, hat Funk einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Ortsbeiratssitzung gehoben.



Viele Gegner
Während sich also eine Front gegen die Aktion der Bahn bildet, weist man dort die Vorwürfe, die Fällungen stünden in einem Zusammenhang mit dem Ausbau der Main-Weser-Trasse, zurück. „Es handelt sich um jährlich durchgeführte Vegetations- und Durchforstungsarbeiten, die für die Sicherheit der Strecke notwendig sind“, betont eine Bahn-Sprecherin. Zudem halte man sich mit den Arbeiten an die gesetzliche erlaubte Fällperiode zwischen dem 1. Oktober und 28. Februar. Bürger müssten in diesem Fall nicht informiert werden. Eine Abstimmung mit den städtischen Ämtern sei nur dann nötig, wenn es sich um Rodungsarbeiten, sprich die Entfernung des kompletten Pflanzenbestandes handele.

Die Aussagen der Deutschen Bahn bestätigt das Umweltamt nicht nur. Thomas Hartmannshenn, Leiter der Abteilung Umweltvorsorge, fügt auf Anfrage noch ein kleines, aber nicht unwichtiges Detail hinzu. „An ausgewählten Stellen ist es außerdem sogar notwendig, dass Bäume gefällt werden, um dort die Landungen von Rettungshubschraubern oder die Anfahrt von Notfallfahrzeugen zu ermöglichen. Dieser Kahlschlag ist also begründet“. Die jüngsten Fällungen hätten nicht eigens genehmigt werden müssen. Weil aber die Bahntrasse durch große Teile des Frankfurter Grüngürtels und damit durch Landschaftsschutzgebiet führt, haben sich das Umweltamt und die Bahn jetzt darauf geeinigt, dass die Stadt bei größeren Fällaktionen vorab informiert wird – auch dann, wenn diese nicht genehmigungspflichtig seien. „Nur so ist es uns möglich, die zahlreichen Anrufe, die in solch einem Fall bei uns eingehen, auch beantworten zu können“, sagt Hartmannshenn. „Die Fällungen haben nichts mit dem Ausbau der Trasse zu tun.“

Frühzeitig informieren
Während Inge Cromm mit den Aussagen zufrieden ist – „wir wollen nur rechtzeitig informiert werden“ – bleibt Thomas Budenz, Freier Wähler im Ortsbeirat, zurückhaltend. „Natürlich ist es gut, dass uns jetzt die Informationen vorliegen. Allerdings glaube ich den Aussagen nicht wirklich. Da muss man sich den Kahlschlag an der Trasse doch nur einmal ansehen“, sagt der gebürtige Ginnheimer. Die Fällungen könnten eventuell doch etwas mit dem Ausbau zu tun haben. „Ich bin und bleibe skeptisch.“

Der Ortsbeirat 9 tagt am Donnerstag, 19. Februar, ab 19.30 Uhr im Haus Dornbusch, Eschersheimer Landstraße 248, Clubraum 4.Von Judith Dietermann

Artikel Frankfurter Neue Presse vom 15.02.2015.


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