Pietät am Dornbusch
05.01.2021
Zu weite Wege zum Einkaufen
Senioren in Eschersheim sind unzufrieden...
mehr
01.01.2021
16-Jähriger hatte großes Glück im Unglück
Ein 16-jähriger Jugendlicher ist gestern...
mehr
08.12.2020
Ortsbeirat beschließt Corona-Hilfen für Vereine
Der Ortsbeirat 9 gibt rund 12 000 Euro aus,...
mehr
03.12.2020
Festnahmen nach versuchtem Raub
Am Dienstag, den 1. Dezember 2020, gegen...
mehr
30.11.2020
Der Winter ist in Frankfurt angekommen
Der FES-Winterdienst rüstet sich für den...
mehr
30.11.2020
Vorgehensweise des Gesundheitsamtes bei der Pandemiebekämpfung an Schulen und Kitas – Gesundheitsdezernent Stefan Majer stellt Infoblatt vor
Die zahlreichen Anfragen von Eltern zum...
mehr
27.11.2020
Versuchter Trickbetrug
Dank des Augenmerkes einer Bankangestellten...
mehr
24.11.2020
Kinderkulturtreff Eschersheim nach Sanierung wieder geöffnet
Der Kinderkulturtreff Eschersheim (Kiku)...
mehr
23.11.2020
Trickdiebstahl
Bereits am Donnerstag, den 19. November...
mehr
20.11.2020
Übersicht Liefer- und Abholdienste für Heddernheim, Niederursel, Praunheim und Eschersheim
Leider ist es wieder soweit und unsere Gastronomie...
mehr
19.11.2020
Gesamtschule steckt weiterhin in der Warteschleife
Die IGS Eschersheim ist ein echtes Sorgenkind...
mehr
17.11.2020
Radfahrerin bei Unfall verletzt
Am Freitag, den 13.11.2020, kam es in Eschersheim...
mehr
12.11.2020
Kein Pardon für Parkplatz-Sünder
Verärgerte Anwohner im Mellsig: Nur 100...
mehr
Tipps und Infos zur Freizeitgestaltung in und um Eschersheim.
mehr Infos


Gedichte und Geschichten von Eschersheimer Bürgern. z.B.
Die Motzbox ist der Eschersheimer Kummerkasten für Beschwerden usw. der Eschersheimer Bürger z.B.

 









01.07.2015

Lehrer „aus Zufall“ geht in Pension

Nach 25 Jahren ist für Schulleiter Erhard Claudy an der Ludwig-Richter-Schule Schluss. Zum Ende des Schuldienstes geht er in den Ruhestand. Oder besser gesagt Unruhestand – langweilig wird es ihm wohl nicht. Zumal er sich noch einen großen Traum erfüllen möchte: einmal einen Fuß auf den australischen Kontinent zu setzen.

Wirklich Zeit, an seinen Abschied zu denken, hatte Erhard Claudy in den vergangenen Wochen noch nicht. Viel zu sehr ist er mit den Vorbereitungen für das kommende Schuljahr an der Grund- und Hauptschule beschäftigt. Obwohl dann nicht mehr er, sondern sein Nachfolger auf seinem Stuhl im ersten Stock der Ludwig-Richter-Schule Platz nehmen wird. Denn Claudy geht Ende des Schuljahres in den Ruhestand – nach einem Vierteljahrhundert als Schulleiter. Ein halbes Jahr später als zunächst geplant. „Ich bringe Dinge gerne zu Ende, deswegen auch das Schuljahr“, sagt der 65-Jährige.

Lieblingstiere

Auch auf Claudys Schreibtisch sieht es nicht nach Abschied aus – im Gegenteil. Links stapeln sich die Papiere. Auf der anderen Seite hat der baldige Pensionär einige Flusspferde positioniert – seine Lieblingstiere. Die Ruhe der Dickhäuter ist es, die ihn beeindruckt. Und schon beginnt Claudy zu erzählen, von seiner Reise nach Kenia und der Safari zum Mara-River. Nur die Buckel habe man von den mächtigen Tieren aus dem Flusswasser ragen sehen. Ab und zu würden sie sich bewegen, mehr aber auch nicht. „Flusspferde sind nachtaktiv, deswegen durften wir die Lodge nicht verlassen. Das wäre viel zu gefährlich gewesen“, erzählt er.

Es sind genau solche Geschichten, mit denen Claudy auch seine Schüler fesselt. Ein Lehrbuch braucht der Schulleiter oft gar nicht, um den Kindern Wissen zu vermitteln. Wichtig für ihn ist, dass seine Schüler mit Spaß und Freude lernen. An seinen Lehrmethoden etwas geändert hat er deswegen nicht. „Ich bleibe meinen Prinzipien treu“, sagt er. So kann es schon mal vorkommen, dass seine Vertretungsstunden auf dem Mond beginnen und im Dschungel enden. Und die Kinder verwundert sind, wie schnell doch eine Schulstunde vergehen kann. „Die Kinder von heute sind noch genauso begeisterungsfähig wie früher. Allerdings fällt es ihnen schwerer, sich zu konzentrieren. Nicht verwunderlich, bei den ganzen Reizeinflüssen von außen. Kinder kennen heute keine Langeweile mehr.“

Lehrer aus Zufall

Es ist ein schöner Zufall, vielleicht aber auch Schicksal, dass Erhard Claudy an der Tafel und nicht wie lange geplant in einer Polizeiuniform Karriere machte. Während seines Wehrdienstes – er arbeitete dort als Funker – unterrichtete er andere Soldaten. „Als Belohnung gab es einen Ausgangsschein – eine Stunde früher durfte ich gehen. Das habe ich natürlich gerne gemacht und zugleich gemerkt, wie viel Spaß mir das Unterrichten macht“, erinnert er sich. In Gießen studierte Claudy Erdkunde und Sozialkunde, für sein Lieblingsfach Geschichte fehlten ihm die nötigen Latein- und Französischkenntnisse. Das Studium „habe ich schnell durchgezogen“, nach sechs Semestern legte er seine Prüfungen ab. Um sein Referendariat in Riedelbach im Taunus zu absolvieren. Dann wurde er nach Frankfurt versetzt, arbeitete an der Engelbert-Humperdinck-Schule im Westend. Als kommissarischer Schulleiter verschlug es ihn schließlich nach Eschersheim – bereut hat er diesen Schritt bis heute nicht.

Denn Erhard Claudy fühlt sich an der Ludwig-Richter-Schule pudelwohl. Man merkt bei jedem Wort, bei jedem Satz: Dieser Lehrer liebt seinen Job. Für ihn sind es die Schüler, die im Mittelpunkt stehen. Zu dieser Leidenschaft passt auch der Sportunterricht der Erstklässler – für Claudy eine „echte Erholungsstunde“. Zumal das Unterrichten als Schulleiter sonst „leider Nebensache“ sei. „Ich sitze deutlich mehr am Schreibtisch als früher“, bedauert der 65-Jährige und erinnert sich dann an einen seiner persönlichen Höhepunkte. 2006 war es, als Mitarbeiter der Deutschen Bahn binnen drei Tagen den Schulhof neu gestalteten und ein Klettergerüst bauten. „Das war für uns eine wahnsinnige Erleichterung, alleine das Material kostete 70 000 Euro“, erinnert er sich.

Zum Abschied wünscht sich Erhard Claudy keine großen Worte. Eine kleine Feier wird es geben, er hat ein Lokal gemietet. „Ich brauche keine großen Reden“, bleibt er bescheiden. Und was kommt nach der Ludwig-Richter-Schule? Langeweile? Sicher nicht, sagt Claudy. Sein Garten und sein Hund warten auf ihn. Und natürlich seine Lebensgefährtin. Mit ihr will er die Ecken der Welt erkunden, die er noch nicht kennt. „Einmal einen Fuß auf den australischen Kontinent setzen. Das ist ein Traum.“ Zudem will er seinem Nachfolger seine Hilfe anbieten. Denn so ganz loslassen – das kann Erhard Claudy auch nach 25 Jahren noch nicht.



Artikel Frankfurter Neue Presse vom 01.07.2015. Von Judith Dietermann

zurück








 

© 2021 by Medien- & Stadtteilbüro| Impressum