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05.12.2015

Plastikschwäne vertreiben Gänse nicht

Frankfurter Freibäder benutzen künstliche Schwäne, um Nilgänse zu vertreiben. Zunächst mit Erfolg. Allerdings haben die Gänse ihre Angst vor den schwarzen Kunstvögeln wieder abgelegt.

Eschersheimer Schwimmbad, 10 Uhr morgens. Vorsichtig nähern wir uns den vier stattlichen schwarzen Schwänen, ein Fotograf und ein Reporter, denn schwarze Schwäne – Trauerschwäne –, wo gibt’s denn so was? Schwarze Schwäne in einem Frankfurter Schwimmbad? Vier an der Zahl? Na gut. Sie sind aus Plastik. Und das wussten wir auch schon vorher. Im Oktober wussten wir es noch nicht, als wir an der Nidda spazierten und plötzlich die Tiere im Becken sahen, durch den Schwimmbadzaun – da, schwarze Schwäne! Wo? Na, da, schau! Tatsächlich! Schwarze Schwäne. Was machen die denn da? Also nachgefragt. Erfahren: Die sind nicht echt. Wir wollen trotzdem mal zu ihnen.

Plastischwäne im Riedbad ein Erfolg

Schichtleiter Tino Uhlig macht gerade ein wenig Ordnung im ansonsten menschenleeren Freibad und lässt uns hinein. Die schwarzen Schwäne, erzählt er, haben Verwandte im Enkheimer Riedbad. Da hat sie ein findiger Kollege besorgt. Und anfangs auch ganz beachtliche Erfolge gefeiert, berichtet Alex Mitschke, Marketing-Manager der Bäderbetriebe Frankfurt (BBF): „Die Nilgänse blieben aus.“

Eine erfreuliche Nachricht. Denn bei aller Bewunderung für das schöne Brillengesicht der Nilgans, bei aller Tierliebe generell und beim besten Willen: Diese Tiere verdauen zu viel auf unseren Liegewiesen. Wenn sie doch wenigstens den Freibädern fernblieben, wäre das schon ein enormer Fortschritt. Mitschke: „Die werden immer unverschämter, fallen in Horden in unsere Bäder ein und bezahlen keinen Eintritt. Wir hatten im Sommer massive Beschwerden der Badegäste.“



Sehen echt aus, sind aber aus Plastik: Trauerschwäne im Freibad von Eschersheim. Foto: Christoph Boeckheler

In dieser Situation machten die Erfahrungen aus dem Riedbad natürlich Mut. Die Eschersheimer kauften auch zwei Trauerschwäne, prompt gingen die Nilgänse auf Distanz, die begeisterten Schwimmmeister kauften zwei weitere Plastiktiere – und dann war es plötzlich vorbei mit der Herrlichkeit. Aus. Unter den Nilgänsen hatte sich wohl herumgesprochen, dass die großen dunklen Vögel nichts tun. Die wollen noch nicht mal spielen. Nach 14 Tagen dümpelten echte Gänse und falsche Schwäne einträchtig nebeneinander im Becken. Dabei sollten die großen Dunklen doch abschreckend auf andere Vögel wirken, auch in der Natur, hat Mitschke gehört. Tino Uhlig ging ebenfalls davon aus. Dagmar Stiefel kann das freilich nicht bestätigen. Die Leiterin der Staatlichen Vogelschutzwarte berichtet sogar von Paarungen zwischen schwarzen und weißen Schwänen. Panik unter Gänsen und Enten bei ihrem Anblick? „Nicht, dass ich wüsste.“

Dann machen wir aber wenigstens ein schönes Foto von Gans und Schwan in Eschersheim. Bitte mal alle zusammen recht freundlich. Nein? Das ist wieder mal typisch: Sonst sind die Nilgänse frech wie Oskar, sonst gehen sie sogar auf Tino Uhlig los und wollen ihn beißen oder hauen, aber jetzt, da der Reporter und der Fotograf sie sanft zu den schwarzen Schwänen treiben wollen, rennen sie schreiend weg.

Die Verfolgung fällt nicht ganz leicht, denn, um ehrlich zu sein: Das Eschersheimer Schwimmbad ist dermaßen voller Gänsekot, dass man keinen einzigen Schritt machen kann, ohne in ein Verdauungsprodukt zu treten. Es ist ein Desaster, alles braun, die Wiesen, die Wege, die Beckenränder. Wie soll das jemals wieder sauber werden?

„Das ist nicht das Problem“, sagt BBF-Marketing-Mann Mitschke. „Wir haben Hochdruck-Reinigungsgeräte, bis zur Saison regnet es noch hundert Mal, dann kommt Schnee – der Winter zehrt immer an der Sauberkeit eines Freibads, aber unsere Leute sind Profis, die wissen, was zu tun ist.“ Eine ungleich größere Herausforderung sei es, das Bad im Sommer jeden Morgen in hygienisch einwandfreiem Zustand zu öffnen. Hygiene. Davon sind wir jetzt so weit entfernt wie die Zugvögel von der Arktis. Ursprünglich waren die Trauerschwan-Doubles gut verteilt im Bad. Jetzt sitzen sie zusammen in der nördlichsten Ecke des Bassins, wohin sie die Strömung getrieben hat. „Wenn’s sowieso nichts bringt, können sie auch da alle an einer Stelle sein“, sagt Tino Uhlig. Er könnte einen Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde stellen, die Gänse einfangen und aus dem Revier transportieren. Aber auch da hat er wenig Hoffnung: „Die nächste Gruppe rückt sofort nach.“

Kot der Gänse "hygienisch unbedenklich"

So schätzt auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig die Lage ein. Im jüngsten Magistratsbericht zu den Nilgänsen urteilt sie, das Fangen und Umsetzen – ebenso wie die Jagd mit der Waffe, die Vergrämung oder der Austausch der Eier gegen Attrappen – sei „kaum umsetzbar“. Das alles erfordere großen Aufwand und sei uneffektiv, „da die Gänse sehr mobil sind und die Tiere über den engen Verbund der genutzten Flächen ständig nachrücken“. Was aber aus Sicht des Magistrats auch kein allzu großes Problem ist. Fachleute seien der Auffassung, dass die Gänse „die maximale Population stellenweise erreicht“ hätten. Das heißt: Mehr geht dort sowieso nicht mehr. Außerdem rotteten diese gefiederten Klimawandel-Zuwanderer keine anderen Arten aus und riefen im Naturhaushalt keine Schäden hervor. Der Kot? Wird „als hygienisch unbedenklich angesehen, da er zu 90 Prozent aus unverdautem Gras besteht“.

Na, wenn da mal im Schwimmbad nicht auch ein paar Pommes frites mit dabei sind. Vogelschutzwartenchefin Dagmar Stiefel hat im Sommer ausgiebig mit dem BBF über die Gänse beraten, als die Schwimmer im Brentanobad vor Ekel Anfälle bekamen. „Das oberste Gebot lautet: nicht füttern“, sagt sie. Das müsse den Badegästen möglichst direkt am Imbissverkauf klargemacht werden. „Die Pommes kommen nämlich irgendwann auch hinten wieder raus, und dann finden es alle eklig.“

Stiefel gab den Verantwortlichen einige Tipps, was sie gegen allzu aufdringliche Fluggäste tun könnten. Etwa einen Hund einsetzen, der ein paar Tage lang die Flattermänner aufscheucht, „bis sie merken, okay, der Stress ist hier zu groß“. Oder das Becken kreuz und quer mit Bahnen-Begrenzungsketten überziehen, damit die Gänse nicht mehr in Ruhe schwimmen können. Oder die Wiese an strategisch günstigen Stellen hoch wachsen lassen – so was mögen die Gänse überhaupt nicht, weil sie dann Feinde erst spät sehen. Das ist aber eher in den Parks praktikabel als in den Bädern, genau wie der Hinweis an alte Damen, das Füttern einzustellen. „Wir haben viele kleine Dinge vorgeschlagen, mit denen man die Nilgänse ein bisschen ärgern kann“, sagt die Vogel-Fachfrau: „Schwarze Schwäne gehörten nicht dazu.“

Der Magistrat hat bereits angekündigt, einige Ideen umzusetzen: hohes Gras etwa am Ufer des Ostparkweihers und „die strikte Durchsetzung“ des Fütterungsverbots – falls genug Personal dafür da ist. Ansonsten halt Hinweisschilder.

Am Ende des FR-Besuchs ist das Eschersheimer Schwimmbad übrigens frei von Gänsen. Die haben offenbar gemerkt: Okay, so ein Fotograf kann auch ganz schön nerven.

Artikel Frankfurter Rundschau.04.12.2015. Von Thomas Stillbauer

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