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12.01.2016

Eineinhalb Jahre ohne Nahversorger

Der Netto-Markt am Weißen Stein machte am 09.01. für immer die Türen zu. Wenn dann im kommenden Quartal auch der Rewe in der Maybachstraße vorübergehend schließen muss, sieht es für die Anwohner in Sachen Lebensmittel schlecht aus. Spezielle Wünsche werden jedoch durch den Einzelhandel in Eschersheim weiterhin abgedeckt. Und der denkt nicht daran, den Stadtteil zu verlassen.

Vor der Eingangstür des Netto-Markts ist das Schild mit der Aufschrift „Wir schließen“ kaum zu übersehen. Als Alternativen haben die Betreiber handschriftlich zwei Adressen aufgeschrieben, die wohl die wenigsten Stammkunden ernsthaft in Erwägung ziehen werden: die 3,5 Kilometer entfernte Filiale in der Thomas-Mann-Straße 6 sowie den 2,5 Kilometer entfernten Supermarkt im Berkersheimer Weg 5. Die sind zwar mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, das sind aber auch etliche andere Discounter und Supermärkte.

Vor Ort bleiben als Alternativen für die Anwohner, die lieber zu Fuß einkaufen gehen, noch der Biomarkt an der U-Bahn- und Bushaltestelle Am Weißen Stein, der Pennymarkt etwas südlich auf der Eschersheimer Landstraße zwischen den Haltestellen Lindenbaum und Hügelstraße, ein Nahkauf-Markt am Ende der Straße am Lindenbaum und – zumindest noch für kurze Zeit – der Rewe-Markt in der Maybachstraße. Doch auch hier steht die Schließung bereits kurz bevor, so dass es an zentralen Anlaufstellen für die Nahversorgung bald mangeln wird. AGB-Chef Frank Junker rechnet mit der vorläufigen Schließung des Rewe-Markts, der abgerissen wird, um einem neuen, größeren Markt mit Wohnungen in den Obergeschossen Platz zu machen, für den Zeitraum des zweiten Quartals 2016. Dann werden sich so einige Anwohner auf Alternativen einstellen müssen.

Kaum Parkflächen

Für den Gewerbevereinsvorsitzenden Martin Feickert hat es mit der baulichen Struktur des Stadtteils zu tun, dass Supermärkte dort nach und nach verschwinden. „Für Kunden sind die meisten Märkte nur so lange attraktiv, wie sie sie zu Fuß erreichen wollen. Um mit dem Auto einkaufen zu fahren, gibt es schlichtweg praktischere Alternativen, etwa weil Parkplätze vorhanden sind, die es im dicht bebauten Wohngebiet entlang der Eschersheimer Landstraße kaum gibt. Der geplante einspurige Umbau der Straße wird einige Probleme lösen, weil dadurch Parkflächen entstehen.“ Das käme aber auch vor allem dem spezialisierten Einzelhandel und Dienstleistern wie Frisören oder Nagelstudios zugute.

Etwa der Schreibwaren- und Papeteriehandlung Kannemann, die bereits seit den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts im Stadtteil ansässig ist. In den Augen von Geschäftsführer Oliver Kannemann, ebenfalls Vorstandsmitglied beim Gewerbeverein, ist Eschersheim für ihn und seine Kollegen durchaus attraktiv, auch wenn die Mieten im Vergleich zu anderen vorortartigen Stadtteilen recht hoch seien. „Doch alles in allem nutzen die Kunden das Angebot vor der Haustür und sorgen dafür, dass sich viele Betriebe seit vielen Jahren halten können“, sagt Kannemann.

Selbstverständlich gäbe es auch immer wieder Leerstände und Fluktuationen: „Das liegt allerdings häufig auch daran, dass Konzepte nicht zum Stadtteil passen. Wer gute Ideen hat und die umzusetzen weiß, kann in Eschersheim erfolgreich werden. Darum stehen gerade die kleinen Läden auch nie sehr lange leer.“

Größer als geplant

Und auch an der Supermarkt-Front gibt es gute Nachrichten: Neu eröffnet werden soll der Rewe an der Maybachstraße Ende des nächsten Jahres. Und er soll mehr Platz bieten, als bislang geplant, so Junker: „Vor Weihnachten konnten wir zusätzlich zu dem ehemaligen „Batschkapp“-Areal und dem Rewe-Gelände auch den Standort einer angrenzenden Schlosserei erwerben und damit die Neubau-Fläche vergrößern. Dort wird ein Rewe-Getränkemarkt entstehen, der die Angebotsfläche im neuen Supermarkt dann noch mal um 250 Quadratmetern vergrößern wird.“



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 09.01.2016. Von SANDRA KATHE

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