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13.07.2016

Frau Jansen nimmt den Hut

Wieder ein Traditionsgeschäft weniger: Theaterkostüm-Verleih Jansen in Eschersheim schließt nach über 100 Jahren – Abverkauf tausender Kostüme und Accessoires innerhalb eines Jahres.

„Alles hat seine Zeit, auch der Kostümverleih Jansen, darin hätte mir mein Mann zugestimmt“, sagt Lydia Jansen über ihre Pläne, den 1913 gegründeten Theaterkostüm-Verleih aufzugeben. Der langjährige Chef Gerhard Jansen starb vor drei Jahren und hinterließ einen Fundus von rund 100 000 Kostümen und Accessoires, darunter wertvolle Raritäten, mit denen sein Großvater Johann Jansen, ein Uniformschneider, einst den „Kostümverleih für Theater, Oper, Varieté und den privaten Gebrauch“ aufgezogen hatte.

Ab Montag, 1. August, trennt sich die Witwe offiziell von einem Großteil der Verkleidungen, und jedermann kann sich nach Kostümen quer durch die Epochen, Fräcken, Hüten und ritterlichen Kettenhemden umschauen und diese kaufen. Die ganz alten Stücke gehen an ein darauf spezialisiertes Auktionshaus. Behutsam soll dieses Loslassen geschehen, „kein Verschleudern“, betont Lydia Jansen, der man anmerkt, wie sehr sie mit dem überregional bekannten Unternehmen verwoben ist. Über sämtliche Textilien weiß sie zu erzählen, und vieles, was auf den meterlangen Kleiderstangen hängt, ist mit schönen Erinnerungen verknüpft: „Nie hergeben werde ich ein Seidenkleid aus den 1930er Jahren, hochgeschlossen und doch ansprechend, in dem mich mein Mann so oft bei Festen sah.“ Sie lässt sich viel Zeit, erst nächstes Jahr soll die riesige Halle, ein ehemaliges Autohaus in Eschersheim, leer sein. Das Grundstück wird vermutlich neu bebaut.

Keinen Nachfolger gefunden

Hinter ihrer Entscheidung stehe kein resigniertes Aufgeben, keine finanzielle Schieflage, sondern der Wunsch nach mehr Zeit, „vor allem möchte ich mich meinen beiden Töchtern und Enkeln widmen“, so die Geschäftsfrau. Die Töchter der 67-Jährigen gehen beruflich andere Wege, und ein Nachfolger für die Sammlung fand sich nicht. Seit 1982 ist Lydia Jansen dabei, erst im Büro, später nahm sich ihre kreative Ader mit Kostümentwürfen Raum. „Als ich den Verleih das allererste Mal sah, seinerzeit in der Elbestraße 19, schlug ich die Hände über den Kopf zusammen und das nicht nur wegen der altertümlichen Ölöfen dort“, erinnert sich die gebürtige Karbenerin an den einzigartigen Kosmos. Eigentlich hatte die junge Friseurin, die unter anderem beim Londoner Starfriseur Vidal Sassoon lernte, andere Pläne. Viel über Mode und Uniformgeschichte erfahren habe sie von ihrem Schwiegervater Otto Jansen, „ein belesener und wunderbarer Mann“, denkt sie gern zurück.

Einige Karnevalsvereine und Städte mit Traditionsfesten, die treuesten Kunden, wissen schon Bescheid über die Geschäftsaufgabe, ihnen hat Lydia Jansen Angebote zur Übernahme von Kostümen gemacht. „Eine Stadt an der Mosel, deren Weinfest wir seit 90 Jahren mit Mittelaltergewändern ausstatten, will zugreifen. Einmal, als man dort die Stadtrechte feierte, haben wir mehr als 500 Kostüme geliefert.“ Jedem, der sich in den hohen Räumen umsieht, beäugt vom Liebling der Chefin, dem zwölfjährigen Boxerhund Jojo, wird klar, dass hier bald der Vorhang für eine Ära fällt.

Die Welt der Stars

An den Wänden hängen dicht an dicht Fotos, Autogrammkarten und Plakate großer Bühnen- und Filmstars, die einmal ein Kostüm aus dem Haus Jansen getragen haben. Namen wie Götz George, Hannelore Elsner, Hans-Joachim Kulenkampff, Inge Meysel, der US-Schauspieler Dennis Hopper und natürlich Liesel Christ, mit deren Volkstheater man eng zusammenarbeitete. „Beeindruckt haben mich Nadja Tiller und Walter Giller, auch Ingrid Steeger war sehr liebenswert“, fallen Lydia Jansen weitere Persönlichkeiten ein.

Individualität, Handarbeit und gute Stoffe kamen auch bei Privatleuten gut an. Brauchten Frankfurter einen Frack für den Opernball oder suchten Originelles für ein Kostümfest, hieß es: „Wir gehen zu Jansen.“ Die Neueröffnung des Karnevalspezialisten Deiters auf der Zeil sieht Lydia Jansen nicht ausschlagend für die Schließung. „Wir führen keine Star Wars-Kostüme oder Ähnliches, denn wir waren immer ein historischer Kostümverleih.“ Noch mag die Herrscherin über tausende Kostüme nicht daran denken, wenn sie im nächsten Jahr vor leeren Kleiderständern steht. „Tränen werden fließen“, weiß sie und ahnt doch, dass sie im Sinne ihres Mannes handelt: „Lydia, du machst es richtig, höre ich ihn sagen.“



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 12.07.2016. Von DR. JUTTA FAILING

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