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23.01.2017

Baugebiet treibt die Bürger um

Der Bebauungsplans für das Gelände nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung soll noch im Frühjahr vorgestellt werden. Bei einer Begehung des Geländes zeigte sich, dass die Bürger das Thema umtreibt.

Ungewissheit ist nicht leicht zu ertragen. Das lässt sich vielen Eschersheimern anmerken, wenn es um das geplante Neubaugebiet nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung geht. „Jetzt setzt man einen Pfropfen auf den ohnehin schon engen Flaschenhals“, beschwerte sich Gerold Parrandier. Der Gartenarchitekt erinnerte bei einem Rundgang mit der CDU vor allem daran, dass die als Baugebiet vorgesehene Fläche grundsätzlich als Frischluft-Schneise gilt. Würde sie bebaut, verschlechtere sich das Klima in der Innenstadt.

Rund 60 Teilnehmer waren der Einladung der CDU gefolgt und schauten sich das Gebiet nord-östlich der Anne-Frank-Siedlung an. Elf Hektar misst es. Spätestens seitdem das Areal der Baumschule Lukas vor einigen Monaten gerodet wurde, ist vielen bewusst geworden, dass sich hier vieles bald verändern könnte.

Diesen Punkt verhehlte Bürgermeister Uwe Becker (CDU) nicht. Wie er mitteilte, soll der Bebauungsplan im Frühjahr im Ortsbeitrat vorgestellt werden. An verschiedenen Stellen machte er deutlich, dass bei der Planung immer mehrere Interessen abgewogen werden müssten.

680 Wohnungen geplant

Klar ist, dass Frankfurt weiter wächst und Wohnungen werden dringend gebraucht. 680 Wohneinheiten, so hieß es in dem Wohnland-Entwicklungsprogramm der Stadt aus dem Jahr 2015, könnten hier untergebracht werden. Mitsprechen möchten bei der Ausweisung eines solchen Neubaugebietes aber auch die Anwohner, Naturschützer und andere mehr. Bei der Begehung zeigte sich, dass es eine große Fraktion gibt, die möglichst wenig Veränderung will. Oft handelt es sich um Spaziergänger und Freizeitsportler, die das Gebiet zur Naherholung nutzen. Sie betonten, dass das noch bestehende Birkenwäldchen nicht angetastet werden dürfe. Nach dem aktuellen Planungsstand würde allerdings ein Teil wegfallen.

Naturschutz und Eigeninteresse treibt Nuri Erencin an. Er hat einen kleinen Garten zwischen Birkenwald und Wohnbebauung gepachtet. „Hier gibt es Eulen und Spechte“, sagte er. Die Obstbäume in den Gärten seien teilweise sehr alt und deshalb wertvoll. Sein Anliegen wurde aufgenommen. Becker sagte aber auch, dass er keine Versprechungen abgeben wolle. Aber man könne auch nicht jeden Kleingarten zukünftig als „Bauerwartungsland“ definieren. Einsetzen will sich Becker zudem für die Erhaltung des Birkenwäldchens. Versprechungen wollte er aber auch hier nicht machen.

Viele Fragen drehten sich zudem bereits um Planungsdetails: Wie hoch darf gebaut und über welche Wege soll das Gelände erschlossen werden, waren zentrale Aspekte. Hinzu kommen Fragen der Infrastruktur: Kinderbetreuung und die Lebensmittelversorgung wollen viele gesichert sehen. Mancher will zudem möglichst wenig oder gar keine Autos in dem neuen Quartier. Letzteres hält Becker jedoch für unwahrscheinlich. „Die Realität ist, dass die Leute trotzdem Autos haben“, sagte er. Selbst, wenn Wohngebiete als autofreie Zonen geplant würden.

Grünstreifen freilassen

Der zuständige Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) hat sich in der Vergangenheit schon für die Integration eines Parks, einer Begegnungsstätte und für einen Supermarkt ausgesprochen. Zudem möchte er, dass ein nicht bebaubarer Grünstreifen an der Autobahn zukünftig gepflegt wird.

Ein großes Thema ist zudem der Lärmschutz. Mit der Rodung der Bäume in der Gärtnerei sei es auch lauter geworden, klagten einige.

Trotz aller Einwände und Kritik: Akzeptanz für das Neubaugebiet lässt sich laut Ortsbeiratsmitglied Donna Ochs (SPD) mittlerweile bei vielen feststellen. Dass Wohnraum geschaffen werden müsse, leuchte vielen ein. Zu dieser Fraktion zählen auch Walter und Angela Schäfer. „Es war abzusehen, dass da mal gebaut wird“, sagte Walter Schäfer. Beim Rundgang war das Ehepaar vor allem dabei, um sich auf den neuesten Stand zu bringen.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 23.01.2017. Von MELANIE TAYLOR

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