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16.03.2017

Bürgerinitiative kämpft für den Erhalt der Grünflächen nördlich der Anne-Frank-Siedlung

Elf Hektar groß ist das geplante Neubaugebiet nördlich der Anne-Frank-Siedlung. Noch sind dort Spechte, Eulen und Fledermäuse zu Hause, bald werden es Menschen sein. Eine Bürgerinitiative setzt sich für den Erhalt des grünen Idylls ein.

Stolz recken die Eschersheimer die weißen Zettel gen Himmel. 603 Unterschriften haben sie in den vergangenen drei Wochen gesammelt. Um ihre grüne Lunge, das Birkenwäldchen und die 20 Kleingärten am Ende der Straße „Im Geeren“ auch in Zukunft zu erhalten. Denn die Grünflächen sind in Gefahr. Die Stadt plant auf dem elf Hektar großen Areal ein Neubaugebiet – zwischen der Autobahn A 661 und dem Wohngebiet „Im Geeren“.

300 Wohnungen gibt es dort, einige der Menschen aus dem Viertel haben sich jetzt zu einer Bürgerinitiative (BI) zusammengeschlossen. „Wir haben nichts gegen das Baugebiet. Frankfurt braucht Wohnungen, das wissen wir alle. Wir möchten uns aber dafür einsetzen, dass ein Teil des vorhandenen, des gewachsenen Grüns erhalten bleibt“, sagt Nuri Erencin, Sprecher der BI „Grünflächenerhalt Im Geeren“.

Er besitzt selber einen der kleinen Gärten, die es seit über 50 Jahren dort gibt. Seine beiden Kinder sind kleine Naturburschen. Mitten in der Stadt. „Wenn das Wetter schön ist, sind wir immer draußen. Meistens im Birkenwäldchen“, sagen die beiden und zeigen auf die hochgewachsenen Bäume direkt neben den Gärten.

Laute Autobahn

Vogelzwitschern dringt von dort herüber, eine leichte Brise weht durch die Baumwipfel. Ab und an trügt jedoch Autolärm die Idylle – je nach Windrichtung ist die Autobahn deutlich zu hören. Das war vor einem Jahr noch anders, erinnert sich Erencin. Im vergangenen Herbst ließ die benachbarte Baumschule Lukas ihr gepachtetes, drei Hektar großes Areal roden. 20 Jahre lang herrschte dort Wildwuchs, ein kleiner Wald war entstanden. Fledermäuse und Vögel lebten dort.

Der Wald wurde von den Eschersheimern geliebt. „Es gab viele Tränen, als die ersten Bäume fielen. Zudem hört man jetzt die Autobahn viel mehr“, sagt eine Anwohnerin. Das Grün in der Stadt war für sie, wie auch die anderen BI-Mitglieder, ein Grund in den Stadtteil zu ziehen. Jetzt kämpfen sie dafür, dass es neben den neuen Häusern grün bleibt.

Noch wurde der Bebauungsplan nicht vorgestellt, das soll erst in den nächsten Wochen passieren. Deswegen hofft die BI, dass ihr Einsatz nicht unbelohnt bleibt. „Wir wollen miteinander reden, konstruktiv nach einer Lösung suchen, mit der alle leben können“, erklärt Nuri Erencin, dass die Initiative sicher nicht den Konflikt suche. Sondern das Gespräch mit der Stadt.

Das sieht Donna Ochs (SPD), Mitglied im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) genauso. Sie unterstützt den Einsatz der Bürger, weil sie sich eben nicht gegen das Baugebiet sperren. „Bei diesem Thema geht es nicht um Schwarz oder Weiß. Wir wissen alle, wie dringend in Frankfurt Wohnungen gebraucht werden. Die Initiative ist keine Wutbürgergemeinschaft“, sagt sie.

Familiengarten

Für Bärbel Gladis ist derweil die Angst um den Verlust ihres Kleingartens groß. Nicht nur, weil es für sie ein grüner Rückzugsort ist. Es sind auch die Erinnerungen, die sie damit verbindet. Denn der Garten ist schon immer fest in Familienhand. Seit es ihn gibt. „Ich habe hier schon als Kind gespielt. Das Holzhaus dort hinten, das gibt es schon immer“, sagt sie. Nur einmal musste es etwas ausgebessert werden. Mit neuer Wellpappe hat ihr Großvater es wieder dicht gemacht. „Es würde sicher noch ein paar Jahren halten“, ist Gladis sicher.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 20.03.2017. Von JUDITH DIETERMANN

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