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17.05.2017

Inge Cromm hat mit dem TSV Eschersheim große Pläne

Im zweiten Anlauf hat sie es geschafft: Inge Cromm ist die neue Vorsitzende des TV Eschersheim. Selber seit fast 60 Jahren Mitglied im Verein, hat sie viel vor: Der TV braucht eine neue Heizung, jüngere Angebote und soll auch technisch in 2017 ankommen.

Eschersheim. Inge Cromm hat nichts verlernt. Gekonnt fasst sie an den oberen Holm des Stufenbarrens, fest packt sie sich mit beiden Händen und schwingt dann ihre Beine über die niedrigere, mit Holz ummantelte Stange. Strahlend sitzt die 64-Jährige dort, ihre Augen blitzen, hinter ihr toben einige Jungs durch die Turnhalle des TV Eschersheim (TVE). „Ich habe früher geturnt. Was man einmal gelernt hat, das vergisst man nicht“, sagt sie, stößt sich vom Stufenbarren ab und landet sicher auf dem Hallenboden.

Seit 1959, fast 60 Jahre lang, ist Inge Cromm schon Mitglied im Eschersheimer Turnverein. Ohne Unterbrechung. Und weil der Verein so etwas wie ihr zweites Zuhause ist, möchte sie dort auch etwas bewegen. Als Vorsitzende. Vor wenigen Wochen wurde sie mit deutlicher Mehrheit gewählt. Damit löst Cromm Hans-Günter Müller ab, der das Amt vier Jahre lang inne hatte.

Richtiger Zeitpunkt

Vor zwei Jahren hatte sich die Eschersheimerin schon einmal um den Posten beworben, jedoch ohne Erfolg. „Es war wohl nicht der richtige Zeitpunkt. Der ist jedoch jetzt gekommen, denn in den vergangenen Jahren ging es hier nicht voran. Wir müssen nur zu unseren Nachbarn, zum TSV Ginnheim schauen, um zu sehen, was möglich ist“, sagt die Betriebswirtin, die in ihrem Job als Hausverwalterin kürzer tritt und damit genug Zeit für ihre neue Aufgabe hat.

Es gibt gleich mehrere Baustellen, die Inge Cromm gemeinsam mit dem Vorstand in den nächsten Monaten anpacken will. Die erste wartet in den Räumen der Geschäftsstelle des im Jahr 1895 gegründeten Turnvereins. Die Computertechnik, so Cromm, sei völlig veraltet. Miteinander vernetzt sind die Rechner nämlich nicht, müssen Daten transferiert werden, dann passiert das noch per USB-Stick. Zudem soll die Webseite des TVE völlig neu gestaltet werden. „Nicht nur das Gebäude ist in die Jahre gekommen, auch alles andere ist zurückgeblieben“, sagt Cromm und blickt aus dem Fenster ihres kleinen Büros.

Dort ist ein riesiges Bauloch, Bagger sind unterwegs, Bauarbeiter verlegen Stahlgitter auf dem Boden. Wo einst die Batschkapp und der Rewe-Markt standen, baut die Frankfurter ABG Frankfurt Holding Wohnungen samt Supermarkt und Tiefgarage. Direkt neben dem TVE-Gebäude. Zudem wird in den nächsten Jahren die Main-Weser-Bahn gebaut – aus zwei, werden vier Gleise. Deswegen werden die Ideen des Turnvereins, eine zweite Halle zu bauen um das Angebot auszuweiten, erst einmal nicht weiter verfolgt. „Wir warten die Bauarbeiten ab und sehen dann weiter“, sieht Inge Cromm zudem noch keine dringende Notwendigkeit für den Neubau.

Platz für Leichtathleten Noch sei der TVE „recht gut versorgt“, auch weil er in den Nachbarhallen unterschlüpfen könnte: In der Johann-Hinrich-Wichern-, der Ziehen- und der Ludwig-Richter-Schule sowie auf dem Gelände der IGS Eschersheim. Nur nach einem guten Leichtathletik-Sportplatz sei der Verein noch auf der Suche. „Das ist in Frankfurt allerdings etwas schwierig, denn es gibt nur wenige gute Anlagen“, sagt Inge Cromm, die weiß, wovon sie spricht. Nach dem Turnen hat sie Leichtathletik gemacht. Weitsprung, 100-Meter-Lauf und Kugelstoßen. Bis heute ist sie noch aktiv – Nordic Walking, Line Dance, Segeln und Skifahren gehören zu ihren Leidenschaften.

Diese Energie wird sie auch in ihre neue Aufgabe stecken. Im Keller des Vereins schlummert das größte Sorgenkind – die Heizung. Die muss dringend erneuert werden, das hat Priorität. „Es geht Schritt für Schritt voran, in den Osterferien haben wir erst einmal die neue LED-Beleuchtung in der Halle angebracht“, sagt sie und zeigt auf den Boden. Wenigstens der ist noch gut in Schuss. Eine Sorge weniger. Die Idee, die alte Kegelbahn in einen Kraftraum umzubauen, sei aber erst einmal vom Tisch. Es habe keine Mehrheit beim Vorstand gegeben. „Wir können uns vorstellen, dort einen weiteren Gymnastiksaal einzurichten, wie es auch die TSG Oberrad plant“, sagt Inge Cromm.

Dann hätte der Verein mit knapp 1 600 Mitgliedern, 40 Prozent davon Kinder und Jugendliche, mehr Platz, sein Angebot auszuweiten. Entspannungssportarten wie Pilates kämen sehr gut an. Wie auch das Angebot von Workshops, daran könnten auch Nicht-Mitglieder teilnehmen. „Viele Menschen binden sich nicht mehr gerne an einen Verein, sie wollen flexibel, aber trotzdem sportlich aktiv bleiben. So schaffen sie es und wir gewinnen doch noch das ein oder andere Mitglied“, ist Inge Cromm sicher, dass sie so den Verein fit für die Zukunft machen kann.



Artikel der Frankfurter Neue Presse vom 17.05.2017. Von JUDITH DIETERMANN

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