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15.12.2017

Viel Lärm um Baumfällungen entlang der Bahnstrecke

Ein Brief hat jetzt Anwohner in der Niedwiesenstraße in Eschersheim aufgeschreckt. Darin werden nächtliche Baumfällarbeiten in Zusammenhang mit dem Ausbau der Main-Weser-Bahn auf dem Abschnitt zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel angekündigt.

Das Aktionsbündnis „Bahnane“, das sich gegen den Bahnausbau zwischen Frankfurt-West und Friedberg engagiert, hält die jüngst angekündigten Baumfällungen für unzulässig. Das Unternehmen hatte für die drei Nächte zwischen 12. und 15. Dezember, jeweils zwischen 0.30 und 1.30 Uhr entsprechendes angekündigt. Inzwischen wurde der Zeitplan korrigiert: Wegen des starken Windes in den vergangenen Nächten habe man die Arbeiten verschoben. „Ein neuer Termin steht noch nicht fest, vielleicht erst im Januar“, sagt ein Bahnsprecher.

Zwischen Frankfurt und Bad Vilbel wird die Zahl der Gleise von zwei auf vier erweitert, um für die S 6 eine eigene Strecke zu schaffen. In Ginnheim und Eschersheim müssen dafür jetzt zehn Bäume gefällt werden, teilt der Bahnsprecher mit – sechs in Ginnheim und vier in Eschersheim. Das Problem: Diese Bäume stünden so nahe an der Oberleitung, dass die Bahnstrecke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden müsse, erklärt der Sprecher. Und das wiederum sei nur nachts möglich: „Wenn man das tagsüber machen würde, und ein Baum fällt nicht so, wie er fallen sollte, dann gäbe es ein großes Chaos.“

Das Aktionsbündnis „Bahnane“ zeigt sich von dieser Argumentation überrascht. Seit dem Jahr 2015 führe die Bahn in Zusammenhang mit dem Bauprojekt Rodungen durch, sagt Pressesprecher Michael Hub. Bisher sei das immer tagsüber geschehen, „da wurde auch mal die Bahnstrecke gesperrt“. Betroffene Anwohner müssten nächtliche Arbeiten nicht dulden, betont Hub. Denn für Nachtbaustellen gebe es nach Einschätzung führender Juristen und deutscher Gerichte keine Rechtsgrundlage. In Sachen Baustellenlärm gelte nämlich die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm, kurz AVV Baulärm. Und diese erlaube nachts, von 20 bis 7 Uhr, in Gebieten, in denen vorwiegend Wohnungen untergebracht sind, nur einen Lärmpegel von 35 bis 40 Dezibel, was ungefähr einem Flüstern entspreche.

Einen Gutachter bestellt

Die Bahn sieht das anders und beruft sich dabei auf die 16. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV). Demnach seien nachts bis zu 49 Dezibel erlaubt. Sicherheitshalber sei bei den nächtlichen Baumfällungen auch ein Lärmschutzgutachter dabei, der darauf achte, dass dieser Grenzwert nicht überschritten werde, sagt der Bahnsprecher: „Da wird nicht einfach drauflos gesägt.“ Für die Maßnahme habe man alle notwendigen Genehmigungen eingeholt, unter anderem beim Eisenbahnbundesamt. Auch die Polizei sei informiert. „Da passiert nichts Illegales“, versichert der Sprecher. „Wir bewegen uns im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses.“

Anzeige erstatten

„Völliger Humbug“, widerspricht Michael Hub. Denn die 16. BImSchV gelte für normalen Verkehrslärm, nicht für Bauarbeiten. Im Planfeststellungsbeschluss für das Bauprojekt zwischen Frankfurt-West und Friedberg werde sogar ausdrücklich auf die AVV Baulärm Bezug genommen, betont der „Bahnane“-Pressesprecher. Und, sagt er: „Auch Rodungen fallen unter die AVV, denn die eingesetzten Hubarbeitsbühnen, Bagger und Motorsägen stellen Baumaschinen dar.“

Deshalb seien die nächtlichen Tätigkeiten auch nicht zulässig, „denn bei Bauarbeiten jeglicher Art werden die Grenzwerte nicht einzuhalten sein“. Betroffenen Anwohnern rät er daher, die Polizei zu informieren, Anzeige zu erstatten und schriftliche Beschwerde beim Eisenbahnbundesamt einzulegen.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 15.12.2017. Von BRIGITTE DEGELMANN

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