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20.03.2018

Ärger über Kahlschlag

Anwohner der Main-Weser-Trasse werfen der Bahn Gesetzesverstöße und Raubbau vor.

Alexander Klann ist entsetzt: „Die Bahn legt eine Wild-west-Manier an den Tag.“ Klann und weitere Anwohner sind vom Ausbau der Main-Weser-Bahn betroffen. Seit mehreren Wochen roden von der DB beauftragte Firmen Flächen entlang der Trasse in den Stadtteilen Ginnheim, Eschersheim und Berkersheim. Das Vorgehen dabei sei rigoros. Die Anwohner sprechen von „Raubbau, rechtsfreien Räumen und Gesetzesverstößen“. In einer teils hitzig verlaufenden Debatte in der Sitzung des zuständigen Ortsbeirats 9 am Donnerstagabend machten sie ihrem Ärger Luft.

„Während der Fällungen überschlugen sich die chaotischen Ereignisse“, berichtet Alexander Klann. Der Eschersheimer hat einen großen Garten am Rande der Bahntrasse in der Nähe des Ginnheimer Wäldchens. Der wurde nun gerodet, Dutzende Apfelbäume sind nur noch Kleinholz. „Gerodet wurde unangekündigt“, sagt Klann.

Nur durch Zufall habe er Arbeiter beim Fällen angetroffen, als er mit seinem Hund, der viel Bewegung brauche, in seinem Garten am Wäldchen spazierenging. Für den sei eine Umzäunung des Geländes nötig. Erst als Klann sich mit Schreiben vom Anwalt an die Bahn wandte, sicherte sie den Wiederaufbau eines Zauns zu.

Rigoros sei die von der Bahn beauftrage Firma zudem auf dem Gelände des TV Eschersheim vorgegangen. „Nach Einbruch der Dunkelheit wurde beobachtet, wie Arbeiter über einen Zaun kletterten und zwei alte Fichten absägten“, erzählt ein Mitglied der Initiative „Ba(h)nane“, die sich seit Jahren gegen den Bahn-Ausbau wehrt.

Einen weiteren Gesetzesverstoß will Klann in der Nähe der Ginnheimer Woogstraße entdeckt haben. Hier habe die von der Bahn beauftragte Firma mehrere Gartenlauben aus den 70er Jahren abgerissen. Das Problem: Deren Welldächer seien, wie für die damalige Bauweise üblich, voller Asbest gewesen. „Tagelang lag der Bauschutt herum, und das Asbest verteilte sich“, so Klann. „Es braucht einen Zeitplan, der öffentlich einsehbar ist“, fordert Klann. Bislang würden Anwohner überhaupt nicht informiert. Anwohner Marc Nordbruch bestätigt das.

„Die Leute kommen abends von der Arbeit heim, und ihr Garten ist weg.“ Auch die Eschersheimerin Lucia Steinrücke zeigte sich empört: „Die Niddawiese wird zerstört.“ Die Anwohner würden nicht angehört.

Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) weist den Vorwurf zurück. Jahrelang habe sich der Ortsbeirat mit dem Ausbau beschäftigt. Ein Großteil der Fraktionen befürwortet die Maßnahme. „Es ist wichtig, dass der Güterverkehr auf die Schiene kommt“, sagte Sylvia Kunze (SPD). Das rüpelhafte Vorgehen der Bahn sei allerdings verantwortungslos. Ähnlich argumentiert Wendel Burkhardt, Fraktionschef der Grünen, der selbst in der Nähe der Trasse wohnt. Die Bahn informiere nicht; entlang der Schienen biete sich ein „katastrophales Bild“.

Die Vorwürfe der Anwohner weist die Bahn zurück. „Von den Vorfällen beim TV Eschersheim und an der Woogstraße ist uns nichts bekannt“, sagt ein Unternehmenssprecher. Da die Arbeiten von Fachfirmen erledigt würden, sei „die fachgerechte Entsorgung gewährleistet“. Auch müsse das Unternehmen die Fällungen nicht im Detail ankündigen: „Es ist ersichtlich ab wann die Grundstücke in unseren Besitz übergehen, das heißt auch ab wann die Arbeiten beginnen“, so der DB-Sprecher.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 17.03.2018. Von Jan Klauth

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