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25.04.2018

Sorge um das „Drosselbart“

Ein Inserat, in dem die Liegenschaft an der Eschersheimer Landstraße zum Verkauf angeboten wird, sorgt für Aufregung im Stadtteil. Der Wirt möchte bleiben.

Susanne Hoppe ist die Anrufe mittlerweile gewöhnt. Nicht zum ersten Mal wurde die Eschersheimerin vor kurzem von einem Maklerbüro gefragt, ob sie ihr Grundstück verkaufen wolle. Im Zug einer Besichtigung der Liegenschaft Eschersheimer Landstraße 607 hätte ein Investor Gefallen an ihrem Haus geäußert, das gegenüber liegt. Für Aufregung sorgt in Eschersheim, dass nun aber ein ganz besonderes Gebäude der Abrissbirne zum Opfer fallen könnte: Denn die Eschersheimer Landstraße 607 ist die Heimat des Traditionslokals „Drosselbart“.

Auf einer Immobilienwebsite wurde die Liegenschaft angeboten. Ab einem Kaufpreis von 2,5 Millionen Euro sei das „ruhig und idyllisch gelegene“ Gebäude zu haben. „Im Allgemeinen befindet sich das Objekt in einem sanierungsbedürftigen Zustand“, war in der Annonce zu lesen. Doch wer sie eingestellt hat, ist offen. Die Eigentümer der Liegenschaft sagen, dass sie damit nichts zu tun haben. Im Gegenteil, sie seien erzürnt darüber, dass jemand ungefragt ihre Immobilie ins Internet gestellt habe.Die Familie, der das Gebäude sei mehr als 100 Jahren gehört, suche „nicht krampfhaft nach einem Käufer“. Bereits seit Jahren würden immer wieder Interessenten an sie herantreten. Allerdings sei die Familie nicht prinzipiell abgeneigt, wenn das richtige Angebot komme. Den Eigentümern sei jedoch viel am Drosselbart gelegen, „wir wollen es nicht kaputt machen“.

Zum Verkauf der Gaststätte kann Betreiber Andreas Möllner keine Aussage machen. Er hält lediglich die Pachtrechte für das Restaurant im Erdgeschoss. Vor knapp drei Jahren übernahm er das Traditionslokal und startete eine Renovierung der Gasträume. Diese zieht sich bis heute hin. „Der Großteil der Arbeiten ist aber abgeschlossen.“

„An der Liegenschaft herrscht großes Interesse.“ Mehr will der Gastronom nicht verraten. Klar sei, dass alle Grundstücke in Eschersheim begehrt sind. „Der Stadtteil prosperiert.“ An allen Ecken werde gebaut. „Unser Biergarten ist nahezu das letzte grüne Eck im Viertel“, sagt der Wirt. Neubauten und damit mehr Anwohner seien aber auch eine Chance für den Drosselbart. Möllner erhofft sich unter den Neu-Eschersheimern viele Kunden: „Bei uns ist jeder willkommen.“



„Der Wegfall des Drosselbarts wäre für Eschersheim fatal“, findet Barbara van de Loo. Die 66-Jährige sitzt der Initiative „L(i)ebenswertes Eschersheim“ vor. Die trifft sich im Sommer gerne auf einen Apfelwein im beliebten Biergarten des Lokals. „Das nördliche Ende der Eschersheimer Landstraße wird durch die vielen Neubauten immer hässlicher“, urteilt van de Loo. Der Drosselbart sei, ähnlich wie der Wasserturm nahe der Siedlung am Lindenbaum, ein „Qualitätsmerkmal“ des Stadtteils.

Seit 1904 beherbergt das Haus Gastronomie. Vor dem Krieg hieß die Wirtschaft noch „Zur Stadt Frankfurt“. Denn damals stoppte in unmittelbarer Nähe des Lokals die Dampfbahn, die über die Eschersheimer in die Innenstadt fuhr. Heute hält dort die S-Bahn. Ohne den Drosselbart wäre das Viertel um einen Treffpunkt ärmer, findet van de Loo. Nicht nur das Gründerzeit-Gebäude, das zum dörflichen Charakter des alten Eschersheim passe, sei schützenswert. Auch ein Verlust der Kastanienbäume im Biergarten wäre für das Erscheinungsbild des Viertels eine Tragödie.

Bauland ist in Frankfurt begehrt – davon ist auch der Stadtteil Eschersheim nicht ausgenommen. Mehrere Neubauten entstanden in den vergangenen Jahren am nördlichen Ende der Eschersheimer. „Der Baulärm dauert seit nunmehr zwei Jahren an“, klagt Anwohnerin Hoppe.

Aktuell baut etwa die städtische ABG Holding auf dem Gelände der ehemaligen Batschkapp an der benachbarten Maybachstraße. Noch im Frühjahr sollen die 27 Mietwohnungen bezugsfertig sein, im Erdgeschoss des Baus zieht ein Rewe-Markt ein. Geförderter Wohnraum ist nicht geplant. mit bos Artikel Frankfurter Rundschau, vom 25.04.2018.Von Jan Klauth

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