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07.05.2018

Rätsel von Nidda-Schaum gelöst

Was da auf der Nidda in Frankfurt treibt und riecht - was ist das eigentlich? Unbedenkliches Eiweiß, sagen Fachleute der Stadtentwässerung.

Mittwochmorgen am Eschersheimer Schwimmbad: Es schäumt mal wieder. Nicht im Freibad, dessen Öffnung zur Sommersaison die Frankfurter herbeisehnen, sondern vor den Toren, am Stauwehr der Nidda.

Da stürzt das Wasser aus der Höhe hinab, und unten, wo es auftrifft, schäumt’s. Das tut es meist, aber im Moment besonders heftig. Man sieht kaum noch die Fußbälle, die weiter nördlich ins Flüsschen gekickt wurden und sich traditionell im Strudel hinterm Wehr sammeln. Meterhoch wächst der Schaum, und Teile davon treiben flussabwärts weiter.

Fast ließe sich davon schwärmen, wie poetisch das aussieht, die Schaumwölkchen, wie sie davonfahren. Wenn da nicht dieses ungute Gefühl wäre: Was genau ist das eigentlich, dieser Schaum? Wo kommt er her? Warum riecht er nach Waschmitteln? Und ist das schlimm?



Nein, sagt Werner Kristeller, der Chef der Frankfurter Stadtentwässerung. „Der Schaum ist unschädlich, der Geruch auch.“ Was da schäume, seien Eiweißverbindungen, hauptsächlich aus Pflanzenrückständen, die durch die Turbulenzen am Wehr zerschlagen würden. Dabei entstünden unzählige kleine Blasen, die sich zu Schaum verdichteten. Das Aroma wiederum stamme in der Tat von Waschmittel- und Weichspüler-Duftstoffen, die Kläranlagen nicht herausfiltern könnten.

„Keine negativen Folgen“

Das hatte der Magistrat im Januar auch dem Ortsbeirat 7 geantwortet, der nach Schaum und Geruch in seinen Niddaabschnitten (Hausen, Praunheim, Rödelheim) fragte. „Diese Form der Schaumbildung hat keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt“, erklärte die Stadtregierung. Schon 2001 habe eine Diplomarbeit ergeben, dass im Schaum keine erhöhte Konzentration an Tensiden nachweisbar sei, wie sie in Waschmitteln wirken. Keine Einleitung giftiger Substanzen also. Die Wasserqualität werde im Übrigen ständig überwacht; kein weiterer Handlungsbedarf.

Was die Nidda angeht, hatte allerdings erst in diesem Frühjahr eine große Studie erhebliche Kritik an der Sauberkeit geäußert. „Die Wasserqualität der Nidda ist schlecht – so schlecht, dass Fachleute fordern, dringend etwas zu unternehmen“, wie die FR im März über die Resultate der Studie „NiddaMan“ schrieb. Sogar der Mann vom Umweltministerium war erschüttert.

Weil die ermittelten Ursachen freilich außerhalb Frankfurts liegen, in Kläranlagen und Fabriken etwa in der Wetterau, tut die Stadtentwässerung in Sachen „NiddaMan“-Erkenntnisse erst mal nichts – beziehungsweise: etwas anderes. „Unser Schwerpunkt ist im Moment die Anpassung der Gewässerstruktur“, sagt Werner Kristeller. Da geht es vor allem darum, Wehre so umzubauen, dass Fische flussaufwärts vorankommen. Fürs Sossenheimer Wehr sei das Genehmigungsverfahren im Regierungspräsidium praktisch abgeschlossen, das Hausener Wehr sei in der Vorplanung, berichtet Kristeller.

Wenn sie fertig sind, wie das paradiesisch anmutende Streichwehr in Nied, wird man auch keinen Schaum mehr sehen, weil die großen Turbulenzen ausbleiben. Und generell, sagt der Mann von der Stadtentwässerung, seien wir doch schon einen großen Schritt weiter. „Vor 20 Jahren gab es keinen Fisch mehr in der Nidda – heute haben wir wieder eine große Artenvielfalt.“

Artikel Frankfurter Rundschau, vom 03.05.2018. Von Thomas Stillbauer

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