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11.06.2018

Kritik am S6-Ausbau

Das Aktionsbündnis „Bahnane“ informiert über Probleme bei Arbeiten an S6-Strecke zwischen Frankfurt und Friedberg.

Rund 80 Menschen sind am Sonntagnachmittag in der Turnhalle des TV Eschersheim versammelt. Gleich neben der Bahnstrecke der S6 informierte das Aktionsbündnis „Bahnane“ über die vermeintlichen Unzulänglichkeiten des geplanten Ausbaus der Bahnstrecke zwischen Frankfurt und Friedberg.

Seit mehr als zwanzig Jahren plant das Unternehmen DB Netz, die Gleise auf der Strecke vierspurig auszubauen, 2017 sollten die Arbeiten beginnen. Außer Vorbereitungen wie Rodungen ist seitdem indes nichts passiert. „Ohne Rücksicht wurden unter Naturschutz stehende Höhlenbäume gerodet“, so „Bahnane“-Sprecher Michael Hub.

Auch gab es bereits etwa 50 Besitzeinweisungen. Anwohner und Schrebergartenbesitzer wurden aufgefordert, ihre Grundstücke zu räumen. Als Ausgleich könnten sie einen Schadensersatz bei der Stadt geltend machen. „Wir haben gegen diese Beschlüsse nun geklagt“, sagt Ulrich Germer, ein weiterer Aktivist. Eigentlich dürfe man Besitzeinweisungen nur bei akuten Bauarbeiten stellen. Das sei entlang der Strecke noch nicht der Fall.

Begründet wird der Ausbau unter anderem mit einer Verbesserung der Pünktlichkeit der S-Bahn. „Wir können aber nachweisen, dass es überhaupt kein Problem mit Verspätungen auf der Strecke gibt“, berichtet Bündnismitglied Christian Böhm. Er traute den Statistiken, die die Bahn zu den Verspätungen vorgelegt hat, nicht und glich sie mit den tatsächlichen Uhrzeiten der Fahrten auf der Webseite der Bahn ab. Das Ergebnis: „Die S6 ist überhaupt nicht zu spät.“ Nur ein geringer Prozentteil der Fahrten sei unpünktlich. Für diese Unpünktlichkeiten ließen sich 32 verschiedene Ursachen identifizieren, von denen lediglich zwanzig Prozent durch zusätzliche Gleise behoben werden könnten.

„Uns ist schon lange klar, dass es hier nicht um einen Ausbau für die S6 geht“, erklärt Ulrich Germer. Stattdessen wolle man die Strecke als Entlastung für die bisherige Güterzugstrecke durch das Mittelrheintal nutzen.

Laut „Bahnane“ erhöhe sich dadurch die Anzahl der Güterzüge auf der Strecke von 50 auf 200 Züge pro Tag. Durch den anstieg der Güterzüge auf der Strecke stiegen die Erschütterungswellen entlang der Gleise an. „Durch die Erschütterungen steigt der Stresspegel“, so Böhm.

Außerdem setzten die Wellen radioaktives Uran im Boden frei, was zu leichter Radonbelastung führen könne. Die Bahn habe laut „Bahnane“ bei bisherigen Messungen das Ausmaß der Erschütterungen nicht richtig aufgenommen. „Hier wurde einfach fachlich falsch gearbeitet“, erklärt Ingenieur Böhm.

„Bahnane“ fordert deshalb neue Messungen. Aktuell verhandele man vor dem Kasseler Verwaltungsgericht.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 11.06.2018. Von Nadine Benedix

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