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13.06.2018

Wo sich Schüler Anne Frank nahe fühlen

Gestern wäre Anne Frank 89 Jahre alt geworden. Zum „Anne-Frank-Tag“ wurde das neue Lernlabor für Schulklassen in der Bildungsstätte Anne Frank eröffnet. Zuvor war die erste Schulklasse zu Besuch.

Die Neuntklässler der IGS Eschersheim waren gestern doppelt gefordert: Sie waren gekommen, um sich die neue Ausstellung über das Leben der in Frankfurt geborenen und im KZ Bergen-Belsen umgekommenen Anne Frank sowie zu Themen wie Ausgrenzung und Rassismus anzusehen – und mussten sich obendrein den Fragen etlicher Journalisten und einem Gespräch mit Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) stellen.

Zum Glück war die Aufgabe nicht allzu schwer, denn mit der Ausstellung „Anne Frank – morgen mehr“ konnten die Schüler viel anfangen.

Thema bleibt aktuell

„Ich finde es toll, dass jeder ein Tablet bekommt. Damit macht eine Ausstellung mehr Spaß“, sagt Alicja Forczak (15). Sie las im Tablet über die Entstehung des Tagebuchs, während ihre Schulkameradin Petra sich über einen Auszug desselben beugte. „Anne Franks Geschichte fühlt sich ganz nah an, weil sie auch Frankfurterin war“, sagt Petra. „Das Thema Diskriminierung ist noch so aktuell wie damals. Das merkt man zum Beispiel in der U-Bahn, wenn sich Leute über andere aufregen“, finden die beiden.

Die interaktive Ausstellung handelt nur zu einem Teil direkt von Anne Frank. Andere Stationen beziehen sich auf die heutige Zeit. Dort probiert ihre Mitschülerin Lara die „Racist Glasses“ (Rassismusbrille) aus. An der Wand hängen Zeichnungen von „ganz normalen“ Menschen. Wer durch eine schwarze Brille blickt, sieht aber einen böse dreinblickenden Rapper, zwei Punks, eine Hure. „Ich finde, man sollte einen Menschen zuerst kennenlernen, bevor man sich eine Meinung über ihn bildet“, sagt Lara.

Weitere Stationen handeln von „Hate Speech“, also Hassbotschaften, wie sie täglich im Internet verbreitet werden, oder von Zivilcourage. Der Nutzer kann selbst entscheiden, wie er Situationen beurteilt.

Auch für Erwachsene

Der Direktor der Bildungsstätte, Meron Mendel, freute sich, dass das neue Konzept gut ankam. In dreijähriger Konzipierung wurde klar, dass die Themen für die Jugendlichen so interaktiv und digital wie möglich aufbereitet werden sollen. „Aber auch Erwachsene finden es spannend.“ Mendel rechnet mit 15 000 Besuchern pro Jahr, das wären 50 Prozent mehr als bisher. Auch Vereine und kirchliche Gruppen können sich für das zweistündige Lernlabor-Programm anmelden, das von jungen Trainern angeleitet wird.

Das Lernlabor wurde am Abend offiziell eröffnet. Da es in Zukunft keine Möglichkeiten mehr gebe, Überlebende des Holocausts zu treffen, müssten neue Lehrmethoden die Ermordung der europäischen Juden vermitteln, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster. Am kommenden Eröffnungswochenende ist das Lernlabor für Interessierte geöffnet. Zu Gast sein werden der Musikproduzent Moses Pelham und die Rabbinerin Elisa Klapheck.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 13.06.2018. Von STEFANIE WEHR UND OLIVIA ZIMMERMANN

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