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19.07.2018

Stadt plant einheitliche Gedenktafeln, die an Ernst May erinnern sollen

In sieben Jahren steht das Neue Frankfurt ganz im Mittelpunkt. Dann ist es 100 Jahre her, dass sein Schöpfer Ernst May das Amt als Stadtbaurat antrat. Eine Ära begann. In 25 Siedlungen entstanden 15 000 Häuser und Wohnungen, Schulen, Kirchen, öffentliche Bauten und die Großmarkthalle. Doch schon jetzt wird der Ruf nach einheitlichen Gedenktafeln für den genialen Architekten laut. Etwa an seinem Geburtshaus (Sachsenhausen) oder der Siedlung Lindenbaum (Eschersheim).

Lediglich fünf Jahre lang – von 1925 bis 1930 – war Ernst May Stadtbaurat in Frankfurt. Doch in dieser kurzen Zeit hat er so viele Spuren in der Stadt hinterlassen, wie keiner seiner Vorgänger oder Nachfolger. Und vor allem keine so unverkennbaren Spuren. Es war die neue Sachlichkeit, die May und seine Kollegen beflügelte. Glatte Fassaden, genormte Fenster und Türen und, ganz typisch, Flachdächer. Die Römerstadt ist das wohl bekannteste Beispiel für sein Wirken am Main.

Beinahe 100 Jahre ist dies nun her, groß gefeiert werden soll der Amtsantritt des Stadtbaurats 1925 – so die Pläne der Stadt. Und auch, wenn dieser Termin noch in weiter Ferne scheint, so treibt dieses Thema einige Stadtteilpolitiker schon um. So regt der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) an, vor Mays Geburtshaus eine Gedenktafel aufstellen zu lassen. Diese steht nämlich, was viele nicht wissen, in der Metzlerstraße 34. 1883 wurde das Gebäude von Mays Vater, einem Offenbacher Lederfabrikanten erbaut, 1886 wurde Ernst May dort geboren.

Noch heute bedeutend

Mit dem, was dieser später planen sollte, hatte das bis heute erhaltene Gebäude übrigens nicht viel gemein, denn das mehrstöckige Haus präsentierte sich im damals typischen, etwas verschnörkelten Stil des Historismus. Also der genaue Gegensatz zu den Bauten, die May später entwarf. Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem anschließenden Wiederaufbau erwarb 1965 der Guttemplerverein das Gebäude, wo er bis heute ansässig ist. Mit der Plakette möchte der Ortsbeirat nun in Erinnerung rufen, welche Bedeutung May als Architekt und Städtebaudezernent für den sozialen Siedlungsbau noch heute hat.



Er wurde übrigens am 27. Juli 1886 geboren. Anlass für die Ernst-May-Gesellschaft am Samstag, 28. Juli, im Musterhaus in der Römerstadt (Im Burgfeld 136) zu einem großen Gartenfest zu laden.

Eine Idee, die bei der Stadt gut ankommt. Zudem rechnet man im Kulturamt damit, dass es bis 2025 noch weitere Anträge geben wird. Schließlich gibt es deutlich mehr Orte, an denen May seine Spuren hinterlassen hat – wie zum Beispiel seine selbst entworfene Privat-Villa in Ginnheim. Informationstafeln oder Plaketten gibt es allerdings kaum. So die Auskunft der Ernst-May-Gesellschaft. Doch das soll sich nun ändern. „Wir arbeiten daran“, sagt Daniel Grebe, Sprecher von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Aktuelle befände sich ein einheitliches, visuelles Konzept für solche Tafeln in Vorbereitung. Es sei allerdings noch früh, Details wie Material, Gestaltung und Kosten noch nicht geklärt.

Nötig wird ist dieses Konzept allein schon deswegen, weil auch der Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) gerne eine Tafel aufstellen möchte. Und zwar an der Siedlung „Am Lindenbaum“. 1930 fertiggestellt steht sie seit Herbst 2017 unter Denkmalschutz, ist eine Gemeinschaftsproduktion von May und Walter Gropius, dem Gründer des legendären Bauhauses in Dessau. Dessen 100. Geburtstag wird 2019 weltweit gefeiert. Während Gropius die fünf viergeschossigen Zeilenbauten mit insgesamt 198 Wohnungen entwarf, sorgte May für eine Auflockerung der Siedlung durch die Grünanlagen zwischen den Wohnblocks.

Klammer zum Bauhaus

Diese Siedlung bilde eine exemplarische Klammer zwischen Bauhaus und Neuem Frankfurt, weshalb aus stadthistorischer Sicht die Aufstellung einer Informationstafel befürwortet werde, teilte der Magistrat jetzt in einer Stellungnahme an den Ortsbeirat mit.

Dieser hat sich bereits mit der Ernst-May-Gesellschaft in Verbindung gesetzt, die sich um den Text für die Tafel kümmern will. Zudem habe das Wohnungsunternehmen Vonovia, Eigentümer der Siedlung, zugesagt, sich mit 2000 Euro an den Kosten zu beteiligen. 1000 Euro will der Ortsbeirat beisteuern. Ob dies reicht, um die Kosten zu decken, kann Daniel Grebe noch nicht sagen. Auch nicht, ob der vom Magistrat vorgeschlagene Edelstahl als Material verwendet werde. „Wie gesagt, es ist alles noch ein bisschen früh. Aber wir arbeiten daran“, sagt er nur.

Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 19.07.2018. Von JUDITH DIETERMANN

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