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15.09.2018

Café König vor dem Aus

Das Café König in der Straße Im Geeren ist ein beliebter Treffpunkt bei Jung und Alt. Doch jetzt soll Inhaberin Sabrina Herber die Bäckerei räumen.

Noch stehen die Türen zum Café König Im Geeren 90 offen. Kunden betreten den Laden, grüßen die junge Inhaberin Sabrina Herber, bestellen einen Cappuccino, lesen Zeitung. Peter List wünscht sich, dass das auch so bleibt: „Das Café ist ein sozialer Treffpunkt“, sagt der Stammkunde. Er lebt seit 20 Jahren im Stadtteil. Weil List seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt, sind weite Wege für ihn eine Qual. „Die Siedlung ist sowieso schon unterversorgt. Es ist unmöglich, dass das Café wegkommt!“

Lists Sorge ist berechtigt: Ende August kündigte die vermietende Frank-Gruppe der Inhaberin Sabrina Herber. Aus mangelnder Zuverlässigkeit, heißt es im Schreiben. Das verstehen weder sie noch die Stammkunden: „Die junge Frau engagiert sich, in ihrem Café kommen alle – Rentner, Erzieher, Müllmänner, wirklich alle zusammen“, sagt List.

Café König gehört zum Stadtteil

Sabrina Herber kämpft gegen die Kündigung. Für sie ist das Café weit mehr als nur ein Gewerbe: Im Juni 2017 übernahm die gelernte Hotelfachfrau die Bäckerei nach dem plötzlichen Tod ihrer Tante – den Laden weiterzuführen ist ihr eine Herzensangelegenheit. „Alle haben gesagt, ich schaffe das nicht, ich sei zu jung“, sagt die 24-Jährige. „Aber es läuft wirklich gut, ich kenne 90 Prozent meiner Kunden, ich schreibe schwarze Zahlen“.

Allerdings, die Lage ist verzwickt. Anfang des Jahres habe die Gesellschaft Herber um eine Neubewerbung gebeten, sagt Sprecher Clemens Thoma. Die dazu angeforderten Unterlagen seien erst drei Monate später eingegangen. „Unsere Geduld ist am Ende“, sagt Thoma. Der Kontakt zur Inhaberin sei „schleppend“ gewesen, die Gruppe habe „kein Vertrauen“ in sie als Mieterin.

Herber indes berichtet, sie habe ihre Neubewerbung umgehend eingereicht, sogar eine Gewinnermittlung und eine Unterschriftenliste von mehr als 300 Kunden beigelegt. Sie will beweisen, dass sie voll zahlungsfähig ist. Und, dass das Café im Viertel eine Institution ist. Laut Herber reagierte die Vermietungsgesellschaft zunächst nicht. Sie selbst wartete ab. „Ich wusste die ganze Zeit, da kommt nochmal was“. Dann, Mitte August, wieder Post, diesmal von einem Anwalt: die Unterlagen seien nicht angekommen. Man empfehle ihr, die Räume „binnen Wochenfrist“ zurückzugeben. Wieder bemüht sie sich um ein Gespräch, wieder empfiehlt man ihr, eine Neubewerbung einzureichen. Wieder schickt Herber einen Stapel Papiere an die Geschäftsstelle.

Aus Sicht der Frank-Gruppe allerdings zu spät. Sabrina Herber könne der Erhalt des Geschäfts „nicht so wichtig sein“, sagt Thoma. Sie dagegen sagt: „Ich liebe den Laden. Er bedeutet mir alles“. Ihr Antrieb bleibt: Der Siedlung einen sozialen Treffpunkt bieten. Der ist im Viertel so beliebt, dass Herr List inzwischen die Wirtschaftsförderung der Stadt einschaltet, eine Stelle, die eigentlich Ansprechpartnerin bei Standortangelegenheiten und wirtschaftlicher Entwicklung ist. Die „Versorgungssituation“ zu erhalten, sei ein Interesse der Wirtschaftsförderung. Im Fall Café König versuche man nun, als Ombudsstelle zu wirken, sagt Sprecher Oliver Schwebel: „Wir versuchen in dem Fall zu vermitteln“.

Die Frank-Gruppe will eine Räumungsklage einleiten, sagt Thoma, die Gesellschaft lasse nicht weiter mit sich reden. Wie lange die Türen des Café König noch offen stehen, hängt also vom Gerichtsbeschluss ab. Und davon, ob sich die Frank-Gruppe doch noch auf weitere Gespräche einlässt. Sabrina Herber hofft, die Gesellschaft von ihrer Zuverlässigkeit überzeugen zu können. „Ich hoffe einfach, dass ich noch eine Chance bekomme“.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 14.09.2018. Von Antonia Groß

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