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09.03.2019

Mehr Radfahrer, weniger Autos in Frankfurt

Der öffentliche Nahverkehr rund um Frankfurt muss besser werden – das ist eine Erkenntnis aus den Zahlen zum Individualverkehr der vergangenen 30 Jahre, die der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Donnerstag vorgelegt hat.

Und: „Die Zahlen zur Innenstadt lassen vermuten, dass das mit der Mainufersperrung klappen könnte“. Bekanntlich soll der Mainkai in der City in diesem Jahr testweise für Kraftfahrzeuge gesperrt werden. „Dafür werde ich mich einsetzen“, sagte der Stadtrat. In Kürze werde es dazu einen Terminplan geben, Oesterling und die Mitarbeiter des Referats Mobilitäts- und Verkehrsplanung blickten am Donnerstag zurück auf die Entwicklung des Auto- und Fahrradverkehrs seit 1988. Die Daten sind aussagekräftig: So fahren an der Stadtgrenze heute 30 Prozent mehr Autos als zu Beginn der Zählungen. Und in der Innenstadt, zwischen Alleenring und Main, ging der Autoverkehr (Personen- und Lastkraftwagen) in demselben Zeitraum um 31 Prozent zurück. Parallel dazu nahm die Zahl der Fahrten mit dem Rad enorm zu: von knapp 8000 im Jahr 1988 auf mehr als 45 000 im Jahr 2018. Den größten Sprung machte die Radfahrerkurve seit 2004, was besonders am Ausbau der Mainufer liegen dürfte. Seit 2016 stiegen die Radfahrerzahlen nicht mehr so steil wie zuvor. Laut Oesterling sind das Schwankungen aufgrund äußerer Umstände, etwa der Wetterlage; bedeutsam sei die Entwicklung über Jahrzehnte, und die zeige eine klare Tendenz.

„Es ist nicht ganz sensationell, eher die Fortschreibung eines langjährigen Trends“, sagte der Verkehrsdezernent. Doch der sei durchaus bemerkenswert. Ältere Frankfurter hätten noch die Verkehrslage vor Augen, die 1968 herrschte, als die U-Bahn in Betrieb ging: Tausende Autos auf der Zeil und rund um die Hauptwache, der Römerberg ein großer Parkplatz. „Die Bilder erzeugen heute Heiterkeit“, konstatierte Oesterling. Inzwischen habe die Stadt den Fußgängern viel zurückgegeben. „Die Sperrung der Hauptwache für den Durchgangsverkehr zum Beispiel war nur machbar, weil der Autoverkehr in der Innenstadt um 30 Prozent zurückgegangen ist.“

Gezählt wurde alle zwei Jahre, in der ersten Zeit manuell, von echten Menschen am Straßenrand. 1988 postierten sie sich dort im Berufsverkehr (6 bis 10 und 15 bis 19 Uhr) und machten Strichlisten. Inzwischen werde per Videoaufzeichnung rund um die Uhr gezählt, berichtete Referatsleiter Axel Fleischer.

Die Ergebnisse sieht Oesterling mit gemischten Gefühlen: „So erfreulich die Entwicklung in der Innenstadt ist, so unbefriedigend ist sie am Stadtrand“. Aber erklärbar: Dort ist der größte Zuwachs an Wohnungen, Arbeitsplätzen – und der größte Mangel an Bahnverbindungen. „Wer von der Nordweststadt nach Bergen will, Bad Vilbel oder Kronberg, braucht mit öffentlichen Verkehrsmitteln die doppelte, dreifache, vierfache Fahrzeit.“ Der Ausbau von Strecken wie der U2 nach Bad Homburg, der U7 Richtung Steinbach, der Straßenbahnen nach Offenbach und Dreieich sei dringend nötig, die Regionaltangente West müsse in Bau gehen, und Radschnellwege brauche die Region.

Aber nicht nur nach Darmstadt, auch in den Norden, forderten Vertreter der Initiative Radentscheid vom Dezernenten Radschnellwege. Sie interessierte zudem, wie viel Lieferverkehr motorisiert in die City rollt – der wird aber nicht getrennt erfasst. Auch einen autofreien Sonntag für die ganze Stadt sieht Oesterling so bald nicht kommen: Dafür müsse auf jeder einzelnen Straße eine Veranstaltung stattfinden. Aber wer weiß, Frankfurter haben sich schon viel einfallen lassen.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 08.03.2019. Von Thomas Stillbauer

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