Pietät am Dornbusch
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11.03.2019

Damit Frankfurt noch grüner wird: Klimaschutzprojekt Tortuga sucht Mitstreiter

Im März 2018 startete die Initiative Tortuga Eschersheim damit, eine ungenutzte Fläche am Wasserturm zu einem öffentlichen Gemeinschaftsgarten umzugestalten. Weitere Mitstreiter, die sich einbringen möchten, sind jederzeit willkommen.

Franka Osthoff füllt kleine, braune Erdkugeln in leere Eierkartons. Eine Anleitung, die gleich daneben liegt, erklärt, worum es sich handelt und wie sie hergestellt werden: „Samen-Bomben“ steht darauf geschrieben. Die Erdkugeln sind gefüllt mit einer Wildblumenmischung.

Verantwortung für Natur

Osthoff engagiert sich seit Sommer vergangenen Jahres beim Gartenprojekt der Initiative Tortuga in Eschersheim und ist eine von 15 Aktiven, die mitmachen. Sie steht an diesem Abend gemeinsam mit weiteren Mitstreitern im Gemeindesaal der evangelischen Andreasgemeinde, um über das Gemeinschaftsgarten-Projekt zu informieren. „Ich finde es toll, Verantwortung für die Stadt-Natur zu übernehmen“, sagt sie. Osthoff selbst lebt nicht einmal in Eschersheim, sondern am Dornbusch und sagt: „Ich habe über die Arbeit im Projekt bisher viel über das Gärtnern gelernt und die Gemeinschaft ist super.“

Unter dem Motto „Tortuga bittet zum Rendezvous“ haben die Aktiven um Anna Palm und Kuwe Fritz, die das Gemeinschaftsgarten-Projekt im vergangenen Jahr initiierten, zu einem Informationsabend in den Gemeindesaal eingeladen – auch weitere Initiativen, die sich im Stadtteil, für die Umwelt und ein nachhaltiges Leben engagieren, sind mit dabei und haben Informationsstände aufgebaut.

Dazu zählt unter anderem Transition Town Frankfurt. Das ist ein Verein, der sich dafür einsetzt, einen nachhaltigen Wandel in der Mainmetropole anzustoßen. Die Eschersheimer Tortuga-Initiative ist als Arbeitsgruppe ein Teil von Transition Town und wird als Projekt aus dem Programm „Kurze Wege für den Klimaschutz“ von der nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Neben den Info-Ständen ist auch eine Kleidertauschbörse in der Eingangshalle zum Gebäude aufgebaut.

Die Idee zu dem Gemeinschaftsgarten am Wasserturm, der auf einer etwa 100 Quadratmeter großen und frei zugänglichen Fläche an der Straße am Lindenbaum/Ecke Kirchhainer Straße und in der Verwaltung des Grünflächenamts liegt, sei entstanden, um Möglichkeiten der Begegnung im Stadtteil zu schaffen, beschreibt es Palm.

„Kuwe und ich haben uns über die solidarische Landwirtschaft kennengelernt und die Idee gemeinsam entwickelt“, sagt sie. Hinter dem Projekt stecke vor allem der Gedanke, gemeinschaftlich zu gärtnern und den Stadtteil mehr zu beleben. Der Garten, so steht es formuliert in den Leitlinien des Projekts, sei ein „Experimentierraum zur Belebung des Stadtteils“. Er sei ein Ort der kulturellen, sozialen Vielfalt ohne Diskriminierung und Gewalt, der das nachbarschaftliche Miteinander fördere.

Im Tortuga-Garten werden Pflanzen und Blumen in Hochbeeten angebaut. Neben den regelmäßigen Treffen (siehe Info-Text) werden auch Workshops angeboten. Teilnehmer können sich dabei zum Beispiel ein eigenes mobiles Hochbeet fertigen. Ein solches Exemplar haben Palm und Fritz an ihrem Infostand aufgestellt, das gleichzeitig auch ein Beispiel für Nachhaltigkeit ist: „Das lässt sich einfach bauen und man kann bereits vorhandenes Holz nutzen“, erklärt Palm.

„Es geht besonders darum, die Prozesse des Gärtners deutlich zu machen, wie viel Pflege und Liebe eine Pflanze braucht, um zu gedeihen und zu blühen“, sagt sie weiter. Das Thema Klimaschutz spielt daher bei dem Gartenprojekt eine zentrale Rolle: „Was ist beispielsweise notwendig, bis eine Tomatenpflanze Früchte trägt?“, formuliert es Palm. „In unserer heutigen Gesellschaft haben viele Menschen solche Entwicklungsprozesse nicht mehr im Blick, schließlich gibt es alles im Supermarkt.“ Wie es wächst und wo es herkomme, dies sei nicht mehr so im Bewusstsein der Konsumenten.

Erweiterte Gartenfläche

Die Fläche, auf der die Hochbeete bisher aufgebaut sind, soll demnächst sogar noch ein wenig größer werden. „Fünf bis sechs zusätzliche Hochbeete sind geplant“, erzählt Palm. Das Grünflächenamt habe hierfür sein Einverständnis gegeben. Einen Wunsch haben sie: „Wir hätten gerne eine mobile Toilette.“



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 09.03.2019. Von Alexandra Flieth

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