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01.04.2019

Chaos am Bahnsteig

Die Züge halten in Eschersheim am falschen Gleis. Das führt zu chaotischen Szenen am Bahnsteig.

Sonntagvormittag am S-Bahnhof Eschersheim. Es ist einer der ersten schönen Frühlingstage in diesem Jahr. Viele Menschen nutzen den Tag für einen Ausflug an der frischen Luft. Am Gleis 1 am Eschersheimer Bahnhof stehen zahlreiche Fahrgäste und warten auf die S6 in Richtung Stadtzentrum, als es plötzlich zu chaotischen Szenen am Bahnsteig kommt.

Eine Gruppe junger Frauen und Männer stürmt die Treppe zum alten Bahnhofsgebäude hinauf. Denn der Zug, in den sie einsteigen wollten, rollt in diesem Moment auf der falschen Seite heran. Am Gleis 2 nämlich, wo laut Fahrplan die S6 Richtung Friedberg hält, öffnet kurz darauf die Bahn Richtung Frankfurt-Süd ihre Türen. Trotz eines beachtlichen Sprints über die Maybachbrücke am Weißen Stein schaffen es die Jugendlichen nicht rechtzeitig, den gegenüberliegenden Steig zu erreichen. Der Zugführer, dem der Spontanaufruhr am Bahnhof nicht entgangen sein dürfte, setzt seine Fahrt nach rund 20-sekündigem Halt fort. Nicht genug Zeit selbst für die Sportlichsten unter den Bahnkunden. Bis zu 400 Meter Fußweg trennt die beiden Bahnsteige voneinander.

Ein zu langer Weg für einige Passanten am Sonntagvormittag. Eine junge Frau, die die geänderte Verkehrsführung der S-Bahn bemerkt, entschließt sich kurzerhand für die gefährliche Abkürzung über die Schienen. Wenige Augenblicke später tut ihr es ein Mann mittleren Alters gleich.

Andere Wartende erhoffen sich durch sichtlich verwirrte Blicke zur digitalen Anzeigetafel am Gleis 1 Auskunft über die nächste Zugverbindung rund 20 Minuten später. Fehlanzeige. Mit Datum und Uhrzeit beschränkt sich die Fahrgastinformation an diesem Tag auf eher allgemeine Hinweise. Auch die grauen Lautsprecher der Bahn bleiben stumm. Unterdessen teilen sich alle Folgezügebeider Fahrtrichtungen dasselbe Paar Schienen.

„Ein Mist ist das!“, ruft ein Mann in heller Jeans und schwarzer Jacke, während er wild gestikulierend am Steig auf und ab läuft. Einige Meter weiter blickt eine Frau der wegfahrenden S-Bahn hinterher. „Jetzt verpasse ich meinen Auftritt in der Kirche“, sagt sie enttäuscht.

Eine Begründung für die Verkehrsänderung lässt sich beim DB-Kundenservice telefonisch nicht erfahren. Man nehme das Problem zur Kenntnis, heißt es dort. Auch die einschlägigen Smartphone-Apps liefern keine Erklärung. Lediglich die Information, dass es aufgrund von Bauarbeiten zu Verspätungen der S6 Richtung Süden komme, kann zumindest der technikaffine Nutzer in der DB-App nachlesen. Kein großer Trost.

Artikel Frankfurter Rundschau, vom 01.04.2019. Von Hanna Rohde




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