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07.05.2019

Verwunschene Oase für alle

Eine Initiative möchte in der Grünanlage an der Chamissostraße nachhaltiges Gärtnern und Inklusion verbinden.

Urwüchsig hangeln sich die dunkelgrünen Efeuranken an der rotbraunen Backsteinmauer entlang. Hier und da lugen steinerne Jugendstilreliefs von der Wand hervor. Am Boden begleiten Engelsfiguren, Büsten und romantische Brunnen den Besucher entlang der Pfade durch die Gartenanlage. Wer das Eingangstor zur Chamissostraße 38 betritt, lässt den Alltagstrubel mit einem Mal hinter sich. Umgeben von Vogelgezwitscher statt Straßenlärm soll der „Chamissogarten“ einen Ort der Ursprünglichkeit bieten. Und einen Raum für gemeinsame Begegnungen.

Seit gut einem halben Jahr arbeitet Ute Posenenske gemeinsam mit weiteren Unterstützern am Aufbau des Gartenprojekts in Eschersheim. Ihr Konzept folge dabei dem Leitgedanken, nachhaltiges Gärtnern und soziale Inklusion miteinander in Verbindung zu bringen. Um das Vorhaben umsetzen zu können, hat sich die Lehrerin eine Auszeit von ihrem Job an der Griesheimer Michael-Schule genommen. „Es gibt noch zu wenige Orte, an denen Inklusion gelebt werden kann“, findet die ausgebildete Heilpädagogin.

Bis vor kurzem war auf dem rund 2500 Quadratmeter großen Areal an der Chamissostraße unweit der Hügelstraße noch eine Gärtnerei beheimatet. Als Posenenske erfahren hat, dass die Betreiber einen Großteil des Geländes zur Verfügung stellen wollten, habe sie die Gelegenheit genutzt. „Ich habe darin eine Chance gesehen, vor Ort etwas bewegen zu können“, sagt die Initiatorin.

Und Ideen für die verwunschen anmutende Grünanlage hat Posenenske viele. Als Gärtnerkollektiv sollen Menschen gemeinsam Gemüse, Kräuter und Blumen anlegen. Eigene Beete gibt es allerdings keine. „Alle Erzeugnisse werden je nach Bedarf solidarisch geteilt“, erklärt die Pächterin. Um die Teilhabe aller Menschen zu ermöglichen, plant die Initiative Hochbeete zu installieren, die für Menschen im Rollstuhl unterfahrbar sind. Auch eine behindertengerechte WC-Anlage werde gebaut. Eine Kooperation zwischen den Betreibern und der Michael-Schule gibt es schon. Einmal wöchentlich pflanzen, werken und bauen Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule für Förder- und Heilpädagogik gemeinsam in der Gartenanlage. Für die Zukunft strebe man eine Zusammenarbeit mit weiteren Frankfurter Bildungseinrichtungen an, sagt Posenenske.

Denn der Chamissogarten soll auch zum Lernen da sein. Die Idee sei es, Menschen das ökologische Gärtnern näherzubringen. Obwohl sich das Projekt noch im Aufbau befindet, bekommen Besucher schon jetzt einen Eindruck davon, wie Nutzpflanzen im Einklang mit der Natur angebaut werden können. Die artenreich bepflanzte Wildblumenwiese etwa bietet einen geeigneten Lebensraum für mehrere Bienenvölker und weitere Insekten. Alter Grasschnitt auf den Beeten, das sogenannte Mulchen, hält den Boden feucht und reduziert dadurch den Wasserverbrauch.

„Der Chamissogarten ist eine Oase mitten in der Stadt“, sagt Carolin Fuchs. Gemeinsam mit ihrer Familie hat sie sich am Sonntag beim Tag der offenen Tür ein Bild von dem Stadtgarten gemacht. Ihre Kinder besuchten selbst eine integrative Schule. Den Aspekt der Inklusion fände sie deshalb besonders wichtig, sagt die Frankfurterin.

Irgendwann mal, sagt Ute Posenenske, wäre es schön, wenn durch ihr Projekt Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung entstehen würden. Etwa durch den Betrieb eines Cafés oder Buchladens auf dem Grundstück. Bis dahin sei man weiter auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren.



Artikel Frankfurter 9undschau, vom 06.05.2019. Von Hanna Rohde

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