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09.07.2019

Eschersheimer kämpfen um die Kastanien im ´´Drosselbart´´

Die Kastanien im Biergarten des Drosselbarts werden nicht als Naturdenkmal ausgewiesen - doch für viele Eschersheimer haben sie eine emotionale Bedeutung.

Keine landeskundliche Bedeutung, keine Seltenheit und nicht mehr ganz gesund - die Prüfung des Umweltamtes hat ergeben, dass die vier Rosskastanien im Biergarten des Drosselbart kein Naturdenkmal sind. Allerdings setzt die Stadt sich für den Erhalt der 20 Meter hohen Bäume ein - aktuell laufen Gespräche mit dem neuen Eigentümer.

20 Meter hoch sind die vier, mehr als 100 Jahre alten Rosskastanien im Biergarten des Drosselbarts. Fest verwurzelt ist die Gaststätte ebenso wie das grüne Ensemble mit dem Stadtteil, einen Platz findet man an lauen Sommerabenden nur schwer. Dementsprechend groß war der Aufschrei der Eschersheimer, als vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass das Lokal verkauft ist, der Investor es abreißen und durch Wohnungen ersetzen möchte.

Drosselbart-Kastanien: Beim Umweltamt gingen viele Schreiben ein

Mehrere Schreiben gingen seitdem im Umweltamt ein, im dreistelligen Bereich, sagt Amtsleiter Peter Dommermuth. Alles Briefe von Eschersheimern, die darum baten, die vier Kastanien im Garten doch als Naturdenkmal auszuweisen. Denn die Befürchtung ist groß, dass nicht nur der Drosselbart, sondern auch die alten Bäume, die für viele Eschersheimer eine emotionale Bedeutung haben, mit der Neubebauung weichen müssen.

Intensiv hat das Umweltamt nun die Anfragen überprüft. Wohlwissend, wie sehr den im Stadtteil lebenden Menschen, die Kastanien am Herzen liegen, betont Dommermuth. Nichts desto trotz seien es verschiedene Kriterien im Bundesnaturschutzgesetz, die erfüllt werden müssen, Bäume als Naturdenkmal auszuweisen. Kriterien, die die vier Bäume in Eschersheim nicht erfüllen.

Die Kastanien erfüllen die allgemeinen Kriterien nicht

Seltenheit, Eigenart und Schönheit, die landeskundliche Bedeutung sowie der Vitalitätszustand sind diese vier sogenannten Ausweisungskriterien, zählt der Amtsleiter auf. Eine landeskundliche Bedeutung gebe es nicht, ebenso seien Rosskastanien keine seltenen Bäume. Das Kriterium Eigenart und Schönheit sei grundsätzlich zutreffend. "Die Bäume haben ein hohes Alter und sind als Ensemble auch etwas Besonderes, auch für das Straßenbild. Sie haben aber keine einzigartige, herausgehobene Stellung in Frankfurt", erklärt Dommermuth, warum auch diese Kriterien nicht zutreffen.

Allerdings sei der Gesundheitszustand der Bäume nicht optimal. Dass sei aber auch dem Alter geschuldet, schließlich sind sie bereits mehr als 100 Jahre alt. Auf jeden Fall müssten sie in naher Zukunft zurückgeschnitten werden. Denn die Äste der beiden am Rand stehenden Kastanien ragen in den Straßenraum hinein. "Ist das gemacht, dann sieht das Baum-Ensemble schon ganz anders aus", sagt Dommermuth.

Eschersheimer wünschen sich eine Lösung für die Kastanien

Weil man jedoch wisse, wie wichtig den Eschersheimern die Kastanien seien befinde man sich gemeinsam mit der Bauaufsicht und dem neuen Eigentümer - der im Neubau eine Gastronomie mit Biergarten plant - im intensiven Austausch. "Wir suchen nach einer gemeinsamen Lösung, Ziel ist sicherlich, dass die Bäume erhalten werden können", sagt Dommermuth. Sobald ein Ergebnis vorliege, wolle man dies im Ortsbeirat 9 vorstellen. Die beim Umweltamt eingegangenen Schreiben wurden derweil bereits ausführlich beantwortet. Mit der Begründung, warum die Kastanien nicht als Naturdenkmal ausgewiesen werden können. "Wir verstehen die Sorgen und Nöte der Eschersheimer doch", sagt Dommermuth.

Ein Bauantrag liege für das Areal noch nicht vor, aktuell befinde man sich in den sogenannten Bauberatungsgesprächen, sagt Uwe Amend, stellvertretender Leiter der Bauaufsicht. Auch die Bauaufsicht verfolgt das Ziel, die Bäume zu erhalten, wohlwissend, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen keine Schutzfunktion für die Bäume hergeben.

Initiative "L(i)ebenswertes Eschersheim" wünscht sich der Erhalt

Zudem räume der entsprechende Bebauungsplan dem Investor das Recht ein, das Areal "in größerem Maße zu bebauen". Amend spricht von einem Spagat und vielen Gesprächen. "Es sieht aber ganz gut aus. Wenn es eine verbindliche Lösung gibt, stellen wir diese vor. Versprochen.", sagt er.

Für Barbara van de Loo von der Initiative "L(i)ebenswertes Eschersheim" wäre der Erhalt der Bäume "eine große Freude". Sehr beeindruckt ist sie jedoch von dem Engagement der Eschersheim, die nicht nur Briefe geschrieben, sondern ganze Unterschriftenlisten gesammelt und an die Stadt versandt haben. "Es ist unglaublich, welche Eigendynamik die Geschichte bekommen hat. Das ist toll", sagt sie.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 09.07.2019.

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