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31.01.2020

Entsetzen über Haltung der Stadt

Ortsbeirat 9 fordert erneut Runden Tisch zur Wohngemeinschaft Bonameser Straße. Den ersten Vorstoß in die Richtung hat der Magistrat abgelehnt, die schriftliche Antwort erzürnt Bewohner wie Stadtteilpolitiker gleichermaßen.

Nachdem der Magistrat den SPD-Antrag nach einem Runden Tisch zur Zukunft der Wohngemeinschaft in der Bonameser Straße im November abgelehnt hat, sucht der Ortsbeirat 9 weiter nach Möglichkeiten, das Wohnrecht der Bewohnerinnen und Bewohner zu sichern.

Was die befremdet: Nicht nur habe die Stadt den Wunsch nach Dialog in ihrer Stellungnahme „einfach abgeschmettert“, wie Ronni Liebaum, dessen Enkelkinder als sechste Generation auf dem Wohnwagenplatz leben. Es seien auch diskriminierende und schlicht falsche Argumente angeführt. Der Magistrat gebe „uns die Schuld an der Verunreinigung des Bodens“. Dabei seien die Altlasten auf dem Gelände zum größten Teil auf die Abfallentsorgung der Alliierten, sowie auf die Entsorgung der Schlacke einer Müllverbrennungsanlage in den 60er und 70er Jahren zurückzuführen.

„Und wie können die sagen, dass wir illegal dort leben, wo wir jahrelang Miete, Strom und Gas bezahlen?“, ärgert sich Liebaum. „Wir wurden da hingesetzt und sollen jetzt wieder weg, dabei ist das inzwischen unsere Heimat geworden“, sagt eine andere Bewohnerin. 1953 wurden sogenannte ambulant Gewerbetreibenden, also Schausteller, Zirkusangehörige, Schrotthändler, Jenische, sowie Sinti und Roma, auf dem Platz angesiedelt.

Teilweise wurden aus den Wohnwagen mit der Zeit kleine, selbst gebaute Eigenheime. Da die Stadt die Nutzung des Platzes als Wohnfläche langfristig beenden will, begründete sie ihre Stellungnahme damit, dass die aktuelle Nutzung des Platzes illegal sei und man keinen Entscheidungsspielraum habe – den circa 80 dort lebenden Menschen drohen Zwangsräumungen.

„Wir sind genauso entsetzt wie Sie über diese Antwort, wir wollen, dass Sie ein sicheres Wohnrecht bekommen“, sagt Donna Ochs (SPD) zu den in der Ortsbeiratssitzung am Donnerstagabend anwesenden Bewohnerinnen und Bewohnern. Zusätzlich zu der pauschalen Unterstellung der alleinigen Bodenvergiftung, sei in den Beschlüssen von 1975 und 1983 kein Verweis auf eine Schließung des Wohnwagenplatzes und es gebe heute schlicht keine sachliche Grundlage für die Verweigerung von neuen Nutzungsverträgen – wie es die Stellungnahme aber behauptet.

Der erste notwendige Schritt sei ein Dialog auf Augenhöhe. Ochs erzählt, dass das Thema auch viele andere Menschen in Frankfurt bewege. Sie habe sogar ungefragt eine Unterschriftenliste aus der Uniklinik zugesendet bekommen, die eine weitere Unterstützung zum Erhalt der Wohngemeinschaft fordert.

Bereits im Dezember gab es einen offenen Brief an OB Peter Feldmann (SPD), der unter anderen von Adam Strauß vom Verband Deutscher Sinti und Roma, Joachim Brenner vom Förderverein Roma, Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank und Vertreterinnen der Forschungsstelle NS-Pädagogik der Goethe-Uni unterzeichnet wurde. Auch in dem Brief werden Unverständnis und Protest gegen die Haltung des Magistrats ausgedrückt.

Mitunterzeichner ist Andreas Dickerboom von der Frankfurter Regionalgruppe des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“. Gegenüber dieser Zeitung bezeichnete er die Stellungnahme als „empörend“. Denn zusätzlich zu den falschen Informationen würden „Klischees aus der Nachkriegszeit bedient“, als ehemalige NS-Verbrecher wie Eva Justin für die Stadt Frankfurt in der Wohnwagensiedlung eingesetzt waren.

Dass Justin in den 60er Jahren „somit mit Nachfahren von NS-Opfern zu tun hatte, für deren Vernichtung sie mit verantwortlich war, bleibt ein beschämender Aspekt Frankfurter Stadtgeschichte“, so Dickerboom. Auch er fordert die Stadt zum Dialog auf, es gebe „nicht zuletzt aufgrund unserer historischen Verantwortung die Aufgabe, den Bewohnern und deren Kindern ein dauerhaftes Zuhause an dieser Stelle zu ermöglichen“.

Laut Dickerboom gab es bisher noch keine Antwort des Magistrats – er selbst habe sogar zehn Tage vor dem offenen Brief schon an den Baudezernenten Jan Schneider geschrieben und auch darauf keine Reaktion erhalten, das sei sehr „erstaunlich“.

Fast einstimmig sagte der Ortsbeirat 9 den Menschen in der Bonameser Straße seine Unterstützung zu. In einem gemeinsamen Antrag fordern Linke, SPD und Grüne erneut und mit Nachdruck einen Dialog für den Fortbestand des Wohnwagenstandplatzes, sowie einen respektvollen Umgang mit den dort lebenden Menschen. Gemeinsam mit einem Zusatzantrag, in dem die BFF eine Positionierung des Magistrats fordert, die der historischen Verantwortung gerecht werde, wurde der Antrag mit einer Enthaltung angenommen.



Artikel Frankfurter Rundschau, vom 27.01.2020. Von Sabrina Butz

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