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12.03.2020

Mit dem Kinderwagen auf Tour

Weil er regelmäßig so viele andere sehe, die allein ihre Kinderwägen schieben, wenn er selbst mit seiner Enkelin unterwegs sei, hat Werner Theobald von der Initiative "L(i)ebenswertes Eschersheim" zu einem gemeinsamen Spaziergang eingeladen: So wolle er eine Möglichkeit für junge Eltern und Großeltern in Eschersheim schaffen, sich kennenzulernen und auszutauschen - und dabei auch direkt den Stadtteil zu erkunden.

Nun fand die erste dieser Kinderwagen-Touren statt, weitere sind für die Zukunft geplant.

Am Brunnen am Weißen Stein warten fünf Mütter mit Kinderwägen, zudem die Eschersheimer Kinderbeauftragte und eine andere Unterstützerin der Initiative. Theobald zeigt sich ein wenig enttäuscht, dass noch keine Väter dabei sind. Für die Route hat er sich "Wege ohne viel Verkehr" ausgesucht, es geht an der Ziehenschule vorbei und an verschiedenen Spielplätzen, dann an den Containern der Kita "Im Wörth" und am geplanten Neubaugebiet nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung, wo es eine neue Grundschule und Kita geben soll.

Diese Planungen stoßen auf viel Interesse unter den Teilnehmerinnen, schnell wird aber klar, dass sie eher für die "nächste Generation" Kinder relevant sind - mit der Fertigstellung ist erst in zehn Jahren zu rechnen. Doch Betreuungsplätze und deren Vergabe, beziehungsweise deren Mangel und Unplanbarkeit, sind das große Thema beim Spaziergang. Auch Séverine Pelé erzählt von den Schwierigkeiten, nach der Elternzeit wieder zu arbeiten: Sie könne ihrer Arbeitsstelle nicht einmal mitteilen, wann sie wieder anfangen will, da sie nicht wisse, wann ihr Sohn einen Kita-Platz bekommt. Der jedenfalls schläft auf der Hälfte der Strecke friedlich ein, seine Mutter erklärt lachend, er sei wohl erschöpft von den vielen neuen Eindrücken.

Pelé wollte mit der Tour "neue Sachen entdecken, die Gegend erforschen und neue Wege und Kontakte finden" - das klappt. Auch eine andere Mutter, die erst ein Jahr in Eschersheim lebt, wollte vor allem andere Mütter kennenlernen. Sie sagt: "Man geht so viel spazieren, aber eben immer allein - ich will nicht vereinsamen als Mutter". Außerdem gebe es kaum Angebote für Babys in Eschersheim und sie sei "sehr froh, dass vor Ort mal was stattfindet".

Wie Claudia Nördinger sagt, sei es gerade im ersten Lebensjahr der Kinder für Eltern schwierig, andere Menschen mit "der gleichen Lebenstaktung" kennenzulernen. Mit Kindergarten und Kita sei dies dann später einfacher. Deswegen sagt sie: "So eine Initiative muss man unterstützen". Als sie am Spielplatz erzählt, wie sie mit ihrer älteren Tochter einmal in der Rutsche steckengeblieben ist, lachen alle. Zeit- und Treffpunkt der nächsten Tour werden auf Plakaten und auf www.liebenswertes-eschersheim.de bekanntgegeben.




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