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27.06.2020

Problemfall Eschersheimer Landstraße: Anwohner finden keine Parkplätze

In Frankfurt wird über Pendler geklagt, die ihre Fahrzeuge in den Wohngebieten rund um die Eschersheimer Landstraße abstellen.

Es gab einen mehrheitlich verabschiedeten Antrag im Ortsbeirat 9 (Dornbusch, Eschersheimer Landstraße), einen Ortstermin mit dem Straßenverkehrsamt und schließlich eine Stellungnahme des Magistrats - nur wenige Monate später, im Sommer 2019 war es dann so weit: Auf der stadtauswärtigen Seite der Eschersheimer Landstraße, zwischen Hügel- und Klarastraße, wurden Parkautomaten installiert. Werktags von 9 bis 17 Uhr muss dort seitdem für das Abstellen des Fahrzeuges gezahlt werden, maximal zwei Stunden darf geparkt werden. So sollten die Parkplätze für die Kunden der zahlreichen kleinen Geschäfte entlang der Eschersheimer die Möglichkeit gegeben werden, in direkter Nähe zu parken.

Das hat funktioniert. Doch nun gibt es ein anderes Problem. Denn die Dauerparker, meist Pendler mit auswärtigen Kennzeichen, die vor Einführung der Parkautomaten die Stellplätze an der Eschersheimer belegten, sind ausgewichen. Und zwar in die Wohngebiete. Immer wieder gibt es Bürger, die sich in den Sitzungen des Ortsbeirates über die aktuelle Situation beschwerten. "Wir bekommen keine Parkplätze mehr, ständig müssen wir Runden drehen und weite Wege zurücklegen", klagen sie. Und an die Eschersheimer ausweichen können sie nicht, denn dort müssten sie bezahlen.

Frankfurt: Pendlerverkehr wird nicht abnehmen

Eine Situation, mit der die Stadt wohl gerechnet hat. Dass die Pendler auf andere Straßen im Umfeld der U-Bahn-Stationen ausweichen, sei abzusehen gewesen, heißt es in einer Stellungnahme des Magistrats. Eine Lösung sei dafür nicht zu finden, da die Zahl der Kraftfahrzeuge mit Pendlern in nächster Zeit sicher nicht abnehmen werde.

Zugleich wurde die Anfrage des Ortsbeirates, in den Wohngebieten neben der Eschersheimer Landstraße Bewohnerparken einzuführen, um das Problem zu beheben, abgelehnt. Trotzdem geht die Stadt einen Schritt auf die Stadtteilpolitiker zu, wenn auch in etwas anderer Form. So werden die Zeiten des kostenpflichtigen Parkens verändert. Künftig soll diese auf Montag bis Freitag beschränkt werden, damit hätten die Anwohner nicht nur sonntags, sondern auch samstags die Möglichkeit ihre Fahrzeuge an der Eschersheimer zu parken.

Nicht eingehen wird die Stadt allerdings auf den Wunsch des Ortsbeirates, die Parkautomaten um eine sogenannte "Brötchentaste", die das kostenlose Parken für 15 oder 30 Minuten ermöglicht, einzuführen. Denn was in Bad Vilbel - seit 2004 gibt es dort eine solche Taste -, in Köln oder Kiel gut funktioniert, klappt in der Mainmetropole weniger gut. Das habe ein Modellversuch 2005 gezeigt, so der Magistrat.

Frankfurt: 15 Minuten kostenloses Parken nicht praktikabel

Zwölf Parkautomaten in Bockenheim und Sachsenhausen, auf der Leipziger und auf der Schweizer Straße wurden damals für jeweils 200 Euro umgerüstet. 15 Minuten konnte man dort für kurze Erledigungen kostenlos parken, wenn man einen sogenannten Leer-Bon aus dem Automaten zog und hinter die Windschutzscheibe legte. Doch mit diesem Bon wurde sich nachts ein Spaß gemacht. Immer wieder zogen Unbekannte einen Zettel nach dem anderen aus den Automaten und verteilten diese dann auf den Straßen, wurde damals geklagt.

Zudem nutzten Dauerparker tagsüber die Brötchentaste zum kostenlosen Parken. Im viertelstündlichen Takt tauchten sie an ihren Fahrzeugen auf, zogen einen neuen Parkschein und blockierten so die Stellplätze, die eigentlich für Kunden mit kurzfristigen Erledigungen gedacht waren. Da war es wohl kaum verwunderlich, dass der Modellversuch schon nach einem Jahr als gescheitert erklärt wurde.

Deswegen und auch weil durch solch eine Einrichtung der Überwachungsaufwand erhöht werden müsste, wird es an den Parkautomaten der Eschersheimer Landstraße keine Brötchentaste geben, so der Magistrat in seiner aktuellen Stellungnahme.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 27.06.2020. Von Judith Dietermann

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