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08.08.2020

Neuer Bioladen in Frankfurt eröffnet: Das Konzept beeindruckt

Eine Zweigstelle des Nordend-Bioladens „Alles Andersch“ eröffnet an der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt.

Es passte alles zusammen. Auf seine Mitarbeiter, sagt Achim Andersch, könne er sich verlassen. Sein Azubi wollte nach dem Abschluss gerne weiter für seinen Chef arbeiten, und eine Bekannte zeigte sich bereit, die Branche zu wechseln. In seinem Reformhaus in der Glauburgstraße hätte der 51 Jahre alte Drogist so viele engagierte Helfer gar nicht beschäftigen können. Als er dann über eine Immobilienanzeige den leerstehenden Laden an der Ecke Auf der Lindenhöhe/Eschersheimer Landstraße fand, da stand für den Handelsfachwirt fest, dass er eine Zweigstelle von „Alles Andersch“ eröffnen würde.

An diesem Samstag ist es nun so weit. Während andere Geschäfte wegen der Corona-Krise schließen müssen, stellt Andersch sein neues „Baby“ erstmals der Öffentlichkeit vor. Wie im Nordend wird das Geschäft an der Eschersheimer Landstraße 346 „eine Mischung aus Reformhaus und Bioladen“ sein, mit frischem Gemüse, Käse, Brot und Eiern, aber auch Abgepacktem wie Müsli und Kaffee sowie einer großen Auswahl an Naturkosmetik.

Die Ladenfläche ist mit 64 Quadratmetern nur halb so groß wie die in der Zentrale. Aber während er Letztere vor 21 Jahren von seinem vormaligen Arbeitgeber übernahm, hat Andersch die neue Dependance zusammen mit seiner Ehefrau Julia selbst gestaltet.

Ein großer, weißer Schrank im Landhausstil, der fast eine ganze Wand einnimmt, präsentiert die Pflegeprodukte. Dazu passt der Ladentisch mit dunkler Holzplatte. Beides wurde nach den Vorstellungen des Paares extra angefertigt. Niedrige Regale versperren den Blick nicht, Markisen schützen das Obst draußen vor Sonnenlicht und Tische und Stühle sollen die Kundschaft zu einer kleinen Pause einladen.

Bei seinen Lieferanten ist Andersch seiner Linie treu geblieben: „Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, die ihre Arbeit mit Liebe machen“, erklärt er. „Denn das schmeckt man.“ Ein Großteil der Ware stammt aus der Region, der Fisch etwa aus nachhaltiger Zucht im Altstädter Teich. „Wir machen oft Dinge, weil sie uns Spaß machen“, sagt Andersch. Als die Frankfurter den jungen Herrn der Münzenberger Reusen kennenlernten, beschlossen sie, mit ihm zu kooperieren.

Ganz spurlos ist die Pandemie an Andersch auch nicht vorbeigegangen. In seinem Hauptgeschäft stellte er erst mal auf Straßenverkauf um, ließ das Gewünschte aber auch per Fahrradkurier ausliefern. Die Umsätze seien stark gewesen, sagt er. „Die Leute sehnen sich in dieser Zeit nach gesunder Ernährung und wollen ihr Immunsystem stärken.“ Für beides könne er das Notwendige anbieten. Doch der Aufwand, den er betrieb, damit die Kunden möglichst sicher bedient wurden, sei so hoch gewesen, dass er erst mal in die roten Zahlen rutschte.

Für die Eschersheimer Nebenstelle musste Andersch sowieso einen Kredit aufnehmen. Doch er zeigt sich optimistisch, dass es in dieser gut laufen wird. „Hier war früher schon mal ein Reformhaus“, sagt er. Aber er denke auch, die Gegend könne eines gebrauchen.

Als er mit seiner Frau, einer Heilpraktikerin, vor vier Monaten einen ersten Blick auf den potenziellen Standort geworfen hatte, spazierten die beiden danach durch die umliegenden Straßen. Die „schöne Wohngegend“ gefiel ihnen auf Anhieb. Nachdem der Entschluss für das Objekt gefallen war, wurden die Anderschs durch das Verhalten der Leute darin bestätigt. Immer wieder schauten Nachbarn oder Passanten vorbei und hießen die Neuzugänge im Viertel willkommen. Das stärkte ihr gutes Gefühl.

Andersch hat auch andere Erfahrungen gemacht. In Höchst führte der gebürtige Eltviller schon einmal ein zweites Haus. „Eine Verkettung unglücklicher Umstände“ endete 2007 in der Schließung. „Vielleicht war ich damals noch nicht so weit“, sagt Andersch. „Aber hier fließt alles positiv zusammen.“



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 08.08.2020. Von Katja Sturm

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