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12.11.2020

Kein Pardon für Parkplatz-Sünder

Verärgerte Anwohner im Mellsig: Nur 100 Stellplätze für 400 Wohnungen.

Francesco Felice ist ungehalten. Hektisch holt er sein Handy aus der rechten Tasche seiner schwarzen Jacke, rasch scrollt er durch seine Bildergalerie. Von rechts nach links und von links nach rechts. Alle Fotos zeigen ähnliche Situationen: ein gelbes Abschleppfahrzeug, das Autos auf seine Ladefläche hievt. Autos, die Feuerwehreinfahrten und Zufahrten zu den Mülltonnen zugeparkt hatten oder gar in zweiter Reihe abgestellt wurden. "Noch nicht einmal zwei Minuten kann man sein Auto abstellen. Und es wird auch dann abgeschleppt, wenn das Fahrzeug niemanden behindert", beschreibt Felice die Situation, die seit einigen Wochen in der Straße "Im Mellsig" herrscht.

In einer Straße, in der die Parkplatznot groß ist. Sehr groß. 100 legale Stellplätze kommen dort auf knapp 400 Haushalte, teilte der Magistrat jüngst in einer Stellungnahme mit. "Ein Missverhältnis, das unbedingt behoben werden muss", kann Friedrich Hesse (CDU), Vorsteher des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim), darüber nur den Kopf schütteln. Zumal viele Haushalte zwei Autos besäßen, fügt Felice hinzu, der sich mit anderen Anwohnern hilfesuchend an das Stadtteilgremium gewandt hatte.

Auch, weil die Ortsbeiratspolitiker "nicht ganz unschuldig" an der jetzigen Situation seien. Schließlich hätten sie einstimmig entschieden, dass die im Sommer installierten Anlehnbügel in der Kurve vor der Kindertagesstätte installiert wurden. Weil die dort abgestellten Fahrzeuge den Gehweg blockierten, den Eltern mit den Kinderwagen blieb kein Platz. "Auch wenn es nur wenige Stellplätze waren, sie fehlen uns", plädiert Francesco Felice deswegen dafür, die Bügel wieder abzumontieren.

Um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen, seien diese aufgestellt worden, sagt Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Bau und Erschließung. Zudem habe es sich um keine offiziellen Parkplätze gehandelt. Ein Vorort-Termin Ende Oktober musste wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden. "Wir warten die weiteren Vorschläge des Ortsbeirates ab. Erst dann wird gemeinsam entschieden, ob es Sinn macht, Bügel zu versetzen oder etwa Längsparkplätze einzurichten", sagt Kraft.

Während Rachid Rawas (SPD) die Idee von Schrägparkplätzen - "so könnten acht zusätzliche Abstellmöglichkeiten geschaffen werden" - präferiert, hat Ingrid Häußler (FDP) noch eine andere Idee. "Es sollte auch geprüft werden, ob zum Beispiel vor den Mülltonnen ein eingeschränktes Halteverbot eingerichtet werden könnte. Damit zumindest ab 17 Uhr dort geparkt werden kann", schlägt die Ortsbeirätin vor. Friedrich Hesses Hoffnung, Anwohnern könnten vielleicht die benachbarte Tiefgarage nutzen, wurde derweil zerschlagen. Die dortigen Parkplätze stünden ausschließlich den Wohnungseigentümern zur Verfügung, sagt ein Sprecher der Verwaltung "HSI Immobilien Sigrid Schaber". Diese hätten allerdings freilich das Recht, ihre Stellplätze anderweitig zu vermieten.

Auch die Wohnungsgesellschaft GWH, Eigentümer der meisten Gebäude, sieht keine Möglichkeiten, weitere Parkflächen zu schaffen. Die teils chaotischen und gefährlichen Zustände, vor allem wenn Rettungswege zugeparkt werden, müssten jedoch beendet werden. "Wir haben deshalb einen Vertrag zur Parkraumbewirtschaftung geschlossen", erklärt Sprecherin Jenny Bieniek, warum derzeit konsequent abgeschleppt werde. Damit komme die GWH notgedrungen ihrer Pflicht nach, für geordnete Parkverhältnisse zu sorgen.



Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 12.11.2020. Von Judith Dietermann

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