Lkw und Busse zu schwer: Nächster Ärger auf der Maybachbrücke

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Wann kommt der nächste rasende Radfahrer? Die Ortsvorsteher Katja Klenner und Friedrich Hesse halten Ausschau. © Judith Dietermann
Wann kommt der nächste rasende Radfahrer? Die Ortsvorsteher Katja Klenner und Friedrich Hesse halten Ausschau. © Judith Dietermann

Auf der Maybachbrücke in Frankfurt plant das Verkehrsdezernat eine neue Verkehrsführung. Passiert ist bislang allerdings nichts.

Frankfurt – Es sei „einfach ein Fehler passiert“, erklärt Stefan Lüdecke, Sprecher von Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert (Grüne), warum auf der Maybachbrücke (schon wieder) die Verkehrsführung geändert wurde. Soll heißen: Die Autofahrer rücken ab der Einmündung Maybachstraße von der linken auf die recht Spur, die Radfahrer auf den Gehweg. Weil das statische System der 1972 errichteten Maybachbrücke versehentlich nicht ausreichend berücksichtigt worden war, hatte das Dezernat jüngst informiert. Die Belastung sei nicht wegen der Pkw, sondern wegen der ebenfalls dort fahrenden Busse und Lastwagen für die Brücke zu hoch.

Eine Tatsache, die für den Laien schwer nachvollziehbar ist. Geht dieser doch davon aus, dass die Experten bei der Verlegung einer Autospur in den inneren Teil auch die Statik des Bauwerkes im Blick haben. „Die Abstimmung zwischen Straßenverkehrsamt und dem Amt für Straßenbau und Erschließung war nicht ausreichend“, räumt Stefan Lüdecke ein. Aber: Man habe daraus gelernt. Die zuständige Brückenbauabteilung im ASE werde nun bei Änderungen von Markierungen und Fahrspuraufteilungen generell beteiligt. Doch ganz konkret ist noch nichts passiert. Belastung hin oder her.

Geteilte Fahrbahn auf Maybachbrücke in Frankfurt

Erst im Sommer hatte die Stadt damit begonnen ab dem Weißen Stein bis zur Heddernheimer Landstraße eine breite, teils rotmarkierte Radspur anzulegen. Führte diese Maßnahme bereits zu viel Kritik, ist es nun nicht anders. Bei den Bürgern, wie auch in den beiden betroffenen Ortsbeiräten – dem Achter (Heddernheim, Niederursel, Nordweststadt) und dem Neuner (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim). Sie teilen sich quasi die Maybachbrücke, ist die Nidda über die sie führt doch die Grenze.

Auf der stehen an diesem Nachmittag Katja Klenner (CDU), Vorsteherin im Ortsbeirat 8 und ihre Kollege Friedrich Hesse (CDU) aus dem Ortsbeirat 9. Und Autos und Lastwagen brausen an ihnen vorbei. Und nicht nur die. „Das ist hier vor allem eine Autobahn für Radfahrer“, sagt Klenner. Wie zur Bestätigung saust einer schnittig vorbei.

Es ist das Wetter, dass die Änderung der Verkehrsführung bislang ausbremst. Sagt das Amt. Einen seriösen Termin könnte man mit Blick auf den Wetterbericht für die Umsetzung nicht nennen, sagt Stefan Lüdecke. Das wird so bald nichts werden, sind Hesse und Klenner überzeugt. Bekommen sie doch als Ortsvorsteher stets mitgeteilt, dass Markierungsarbeiten wegen des Frosts im Winter nicht durchgeführt würden. „Da muss man sich schon wundern, dass das hier plötzlich möglich sein soll“, sagt Katja Klenner.

Missachtung der Ortsbeiräte in Frankfurt

Und das ist nicht der einzige Punkte über den die beiden Ortsvorsteher staunen. Im negativen Sinne. Fing das ganze Dilemma doch damit an, dass der Radweg überhaupt angelegt wurde. Nachdem es in beiden Gremien lediglich einen Prüfen- und Berichten-Antrag, aber keinen Beschluss geschweige denn eine Vorstellung der Planung gegeben habe. „Wir werden übergangen. Mal wieder“, sagt Hesse. Für Klenner ist es gar eine Missachtung der Ortsbeiräte. Es sei sicher richtig und wichtig Radwege zu schaffen. Aber dann doch bitte mit einem Konzept. Und nicht mal hier und mal da.

41 000 Euro kostete die Einrichtung der neuen Verkehrsführung auf der Maybachbrücke – für Markierung, Beschilderung und Fahrrad-Abtrennungen. Die Kosten für den Rückbau liegen bei 5000 Euro. Hinzu kommen weitere 25 000 Euro für die neuen Markierungen, die auch die komplette Schraffierung der künftig gesperrten linken Spur beinhalten. Kosten, die Katja Klenner anzweifelt. „Ich denke, das wird deutlich mehr sein“, sagt sie.

Mit der Schraffierung der linken Spur soll verhindert werden, dass sie nicht doch benutzt wird. Aber was ist mit Rettungsfahrzeugen? Sie könnte im Notfall dorthin ausweichen. Aber eben nur von Rettungsfahrzeugen, die weniger als 3,5 Tonnen wiegen, betont der Dezernatssprecher. Ansonsten könnten Pkws auf die linke Spur fahren, um eine Rettungsgasse zu bilden. Lastwagen und Busse aber eben nicht.

„Dann müssen die Einsatzfahrzeuge also Schlangenlinien fahren? Das kann ja was geben“, meint Friedrich Hesse, der sichtbar sauer ist. Dass die Verkehrsführung wieder geändert werden muss, damit habe er gerechnet. So sei doch bekannt gewesen, dass die Maybachbrücke statische Probleme habe. „Diese Geschichte reiht sich aber nahtlos darin ein, dass das eine Amt nicht mit dem anderen redet. Und mit den Ortsbeiräten ohnehin nicht“, sagt Hesse, der sich bereits seit Jahren dafür stark macht, dass die Stadtteilgremien für ihre Arbeit mehr Wertschätzung erfahren. Zudem seien es schließlich die Ortsbeiräte, die für Verkehrsangelegenheiten zuständig seien, so Klenner.

Mehr Sicherheit für Radfahrer auf der Maybachbrücke

Derweil fährt ein Kind mit seinem Rad vorbei. Vielleicht 13 oder 14 Jahre alt. Auf dem Radweg auf der Straße, ganz langsam und möglichst weit rechts. „Weil es wirklich gefährlich ist. Wenigstens kann er bald wieder auf dem Gehweg fahren. Der ist ja schließlich breit genug und auch der Belag ist rutschfester. Das ist aber auch das einzige Positive an der ganzen Sache“, sagt Katja Klenner verhalten optimistisch.

Denn ein Problem wird auch durch die Ummakierung nicht behoben: Die Staus, die sich derzeit in Richtung Heddernheim bilden. Im Berufsverkehr, aber auch zu „normalen“ Tageszeiten. Sogar am Wochenende, sagen die Ortsvorsteher. Was ja auch logisch sei, wenn man zwei Spuren auf eine reduziere.

Optimierungsmaßnahmen seien trotzdem nicht geplant, so Stefan Lüdecke. Die Ampelschaltung sei bereits angepasst worden. „Jetzt noch auftretende Staus sind auf die Jahreszeit und auf eine Baustelle auf der L 3003 in Höhe der Anschlussstelle Eckenheim zurückzuführen. Der Verkehr sucht sich andere Wege“, sagt er. Bis Mitte Januar bestehe dort die Baustelle, man rechne damit, dass sich dann der Verkehr weiter entspanne. Eine Begründung, die Klenner und Hesse nicht nachvollziehen können. Sie sind überzeugt: Die Staus werden bleiben. die „weit entfernte“ Baustelle hin oder her.

„Das Kind ist jetzt eh leider in den Brunnen gefallen, man muss daraus aber lernen. Wenigstens war die Stadt ehrlich und hat ihren Fehler zugegeben“, so Klenner. Was das Problem mit den maroden Brücken in der Stadt aber nicht löse. Wie auch nicht das mit der mangelhaften Kommunikation. Zumindest wird Dezernent Wolfgang Siefert in die Februarsitzung des Achters kommen. „Da wird er einiges zu hören bekommen“, sagt die Ortsvorsteherin.