Das Ende der Schulzeit vor 60 Jahren – Mein Schulweg von Heddernheim nach Eschersheim zur Ziehenschule von 1952 bis 1961

Erinnerungen von Klaus Gülden

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Klaus Gülden in Alt Heddernheim 41 (Heutige Speisekammer)
Klaus Gülden vor dem Haus in Alt Heddernheim 41 (heutige Speisekammer). Nebenan eine Station der Fronleichnamsprozession 1952

Interessante Reise durch die Geschichte Heddernheims von Klaus Gülden,

Die Ziehenschule in Eschersheim besteht seit 1913. Sie ist schon für mehrere Generationen die „Höhere Schule“ für Jungen und Mädchen aus den nördlichen Vororten Frankfurts.

Als im Januar 1946 das Schulgebäude von den amerikanischen Behörden wieder für den Unterricht freigegeben wurde, besuchten seitdem viele Jungen und Mädchen aus Heddernheim, der Römerstadt-Siedlung und Praunheim das Realgymnasium und erwarben dort den Abschluss der Mittleren Reife bzw. das Abitur.

Ich erinnere mich gut an die Zeit vor über 60 Jahren: Nachdem ich im Frühjahr 1952 die einwöchige Aufnahmeprüfung für die Ziehenschule bestanden hatte, hatte ich als Heddernheimer Bub dann ab April 1952 einen neuen, längeren Schulweg ins benachbarte Eschersheim. Täglich waren es drei Kilometer: zu Fuß über die Niddabrück‘ und zurück. Wenn ich morgens aus dem Elternhaus in Alt-Heddernheim 41 durch das große Hoftor ging, musste ich zuerst an „Pfarrers Gang“, dem Weg zum zurückliegenden katholischen Pfarrhaus und dem Wohnhaus der Familie Holl/Gippert, Hausnummer 35, vorbei. Heut steht da ein großes Mehrfamilienhaus. Das Nachbarhaus gehörte früher der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Heddernheim; in ihm wohnten drei Familien – jetzt befindet sich dort ein Garagenhof. Das Haus mit der Nummer 27, das zum gegenüber liegenden Stift gehörte, steht heute noch. Daran schloss sich der Stiftsgarten an, den wir Park nannten und unser Spielplatz war. Dann kam auf dem Weg ein markantes Gebäude, das alte Fachwerkhaus von 1532 mit der Gastwirtschaft „Momberger“ und dem Fahrrad-Müller (Nummer 13 und 11).

Gegenüber standen die Friseurgeschäfte von Karl Aderhold  und Kaspar Ohlenschläger, nebenan wohnte der Malermeister Hermann Reuter. Auf dem Weg lag auch die Schuhmacherei von Josef Reith (Nummer 7)durch deren niedrig liegende Fenster die Reparaturarbeiten an den Schuhen zu sehen waren. Nach der Schreinerei Schwing – gegenüber noch die Bäckerei Georg Lades und das Fischgeschäft Schüler im wiederaufgebauten Haus der ehemaligen Gaststätte „Zum scharfen Eck“ –  ging es weiter um die Ecke zur Heddernheimer Landstraße. Dort gab es den Eis-Becker, der sich aus einer fahrbaren Eisbude entwickelt hatte. Häuser weiter war die Leihbücherei Reiche und gegenüber das Hotel Strandbad der Familie Fröhlich, die auch das Atrium-Kino betrieb. Es kamen noch das Seifeneck-Schwab und ein Wasserhäuschen , das sich später „Windiges Eck“ nannte und noch heute am selben Platz steht.

Klaus Gülden auf Klassenfahrt zur Wegscheide 1953
Klaus Gülden auf Klassenfahrt zur Wegscheide 1953

Der Weg führte schließlich an den Kleingärten vorbei über die Niddabrücke, dort gegenüber die Esso-Tankstelle von Siegfried Grünebaum. Dann ging es den Brückengarten hinauf, über die Straßenbahnschienen hinweg an der alten Emmaus-Kirche und dem Jöst-Wasserhäuschen vorbei, über Maybachstraße, Bahnhof Eschersheim mit der Bahnhofgaststätte Rühl, dann über die Eisenbahnbrücke bis hin zum Platz „Am Weißen Stein“. Hier stand die alte Eschersheimer Volksschule als Teilgebäude der Ludwig-Richter-Schule. In ihren Kellerräumen befand sich damals das Stadtbad, ein Reinigungsbad der Stadt Frankfurt. In der Josefskirchstraße ging es an Pfarrer Rhaban Fröhlichs Josefskirche – dem „Dom in den Kartoffeläckern“ von 1912 – vorbei zur Ziehenschule mit ihrem alten Torhäuschen, die Stufen hinab in den Schulhof zum Haupteingang, den es heute an dieser Stelle nicht mehr gibt.

Meine erste Klasse, die Sexta c (5 c), lag im großen Gang im Hochparterre mit Blick auf den vorderen Schulhof. Das Lernen an der Ziehenschule machte mir Spaß, und als nach dem Umzug ins „Klavierviertel“ (H.P.Müller) der Schulweg noch länger geworden war, legte ich noch drei weitere Jahre zu und machte schließlich im März 1961 das Abitur. Der lange Weg hatte sich gelohnt. –

Was kam danach? Nach dem Abitur begann ich im Sommer 1961 das Studium der Soziologie, mit dem Schwerpunkt Industrie- und Betriebssoziologie, am Frankfurter Institut für Sozialforschung bei den Professoren :

  • Max Horkheimer (1895 – 1973) (Frankfurter Ehrenbürger seit 1960) und
  • Theodor W. Adorno (1903 – 1969)

Im Verlauf des Studiums kam noch Professor Ludwig von Friedeburg (1924 – 2010) hinzu. Eines seiner Fachgebiete war die „Empirische Sozialforschung“.

Nach meinem Examen im Herbst 1968 hielt ich weiter zu ihm Kontakt: er kannte alle meine späteren empirischen Studien, die er gerne zur Kenntnis nahm.

Es waren mehrere Forschungsprojekte zum Thema „Arbeit und Gesundheit“ in industriellen Produktionsbetrieben der Stahlindustrie und im Untertagebereich des Steinkohlenbergbaus an Ruhr und Saar mit dem Aspekt „Humanisierung  der Arbeit“.                                                                                                                                                                                                                             

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