Gebäude wird abgerissen: Tedi in Eschersheim muss Wohnungen weichen

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20 Wohnungen sowie vier Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sehen die Pläne für die Neubebauung des Eckgrundstücks vor. © Dena Khan / Stefan Forster GmbH
20 Wohnungen sowie vier Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss sehen die Pläne für die Neubebauung des Eckgrundstücks vor. © Dena Khan / Stefan Forster GmbH

Es sind nur noch die älteren, die alteingesessenen Eschersheimer, die sich daran erinnern können, wie es rund um den Weißen Stein vor ungefähr 60 Jahren einmal aussah. Damals, als es die alte zweigeschossige Volksschule mit der charakteristischen Uhr im Giebel noch gab, ebenso wie die Post und die Gaststätte „Herrmanns“. Wegen der veränderten Verkehrsführung durch den U-Bahn-Bau mussten sowohl das Lokal, als auch die Schule in den 1960er Jahren weichen. Wenig später wurde der heute wohl allen Eschersheimern bekannte Flachbau gebaut, der den Tedi-Schnäppchenmarkt beherbergt.

Doch auch dieser wird schon bald verschwinden. Wenn es nach dem Architekten Stefan Forster geht, bereits in diesem Jahr. Denn er hat die Pläne für den Investor „Homes Development“ entwickelt. Nach denen nicht nur der Flachbau, sondern auch die darunter liegende Tiefgarage und das angrenzende, 1888 erbaute Haus weichen sollen. Das Gebäude, in dem einst Klaus Funk, FDP-Mitglied und in Eschersheim bekannt wie der berühmte bunte Hund, lebte. Ihm gehörte das Gesamtareal, das seine Erben nach seinem Tod im März 2019 an den Investor veräußerten.

Frankfurt-Eschersheim: 20 Eigentumswohnungen am Weißen Stein geplant

Der plant dort Eigentumswohnungen. Insgesamt 20 Stück, aufgeteilt auf vier Geschosse, das Maximum, das der Bebauungsplan zulässt. „Die Unterlagen liegen auf dem Amt. Wir erwarten die baldige Baugenehmigung“, sagt Stefan Forster. Läuft alles glatt, wovon er nach einer engen Vorab-Abstimmung der Stadt ausgeht, könne im Sommer mit dem Abriss und im Herbst mit dem Bau begonnen werden. Apropos Stadt. Dort habe man dem Architekten die Vorgabe gemacht, im Erdgeschoss Gewerbeflächen einzuplanen. Die seien allerdings mit 100 bis 200 Quadratmetern „recht klein“, der gewünschte Supermarkt, wie einige Mitglieder des Ortsbeirates 9 (Dornbusch, Eschersheim, Ginnheim) bereits öfters angeregt hatten, hätte dort keinen Platz. Vielleicht ein Obst- und Gemüseladen oder eine Werbeagentur, meint Forster.

Das ehemalige Wohnhaus von Klaus Funk, auch wenn es fast 150 Jahre alt sei, habe man leider nicht erhalten können. Stefan Forster hat das Gebäude selber von innen besichtigt, wo bis heute noch viele Dinge an das ehemalige Ortsbeiratsmitglied erinnern. Deshalb sei ihm dieser Schritt noch schwerer gefallen.

Neues Gebäude in Frankfurt-Eschersheim: „Planungen eher unkreativ“

„Das Haus ist mehrfach an- und umgebaut werden, die Fassade hatte keine erhaltenswerten Elemente“, begründet er die Entscheidung. Für die Planungen sei es sicher sinnvoller gewesen, hätte man auch das Nachbargrundstück, wo sich die Autowerkstatt befindet, beplanen können. Doch dies gehört einem anderen Eigentümer, die Verhandlungen seien nicht erfolgreich gewesen.

Zurückhaltend reagiert Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) auf die geplante Neubebauung. Auf der anderen Seite sei es gut, dass der Flachbau aus den 1970er Jahren verschwinde, auf der anderen Seite hab das dort geplante Gebäude „keinerlei Bezug zur Historie des Platzes und dem Standort der alten Volksschule Eschersheim“. Die Hesse selbst noch besucht hatte. Aber nicht nur deshalb hätte er sich gewünscht, dass der Neubau sich an deren Kubatur orientiert hätte. Gute Beispiele fänden sich in der Josephskirchestraße. „Die jetzigen Planungen sehen eher unkreativ und konformistisch aus, solch ein Gebäude könnte überall in Frankfurt stehen“, sagt er.

„Chance vertan“: Pläne für Weißen Stein in Frankfurt-Eschersheim ernten Kritik

Ähnlich kritisch sieht es Ingrid Häußler (FDP), die neben Klaus Funk im Ortsbeirat saß, bis dieser sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen niederlegte. „Es ist sicher nicht das, was er sich dort gewünscht hätte“, sagt sie. So sei eine Bebauung, die den prominenten Platz, die Mitte Eschersheims aufwerte, besser gewesen. Statt einer doch „sehr einfachen“ Bebauung. Zudem seien die geplanten Gewerbeeinheiten zu klein, vor vielen Jahren sei im Gewerbeverein diskutiert worden, das Areal zu einem Stadtteilzentrum zu entwickeln. „So wird das aber nichts“, sagt Häußler.

Das bereitet auch Thomas Budenz (BFF) Bauchschmerzen, der das Konzept ansonsten „recht schlüssig“ findet. „Eine zentrale Grundversorgung. Am Weißen Stein gibt es außer dem Biomarkt nichts. Das hätte man dort verwirklichen können, das Gespräch mit der Wirtschaftsförderung gesucht werden können“, findet er. Mehrfach habe es entsprechende Anfragen des Ortsbeirates gegeben, die jedoch „auf taube Ohren“ gestoßen sein. „Nun ist die Chance vertan“, sagt er.

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